Schatten der Vergangenheit

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cheli24
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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 17:08

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Kapitel 79




Verblasste Erinnerung




Nur mühsam hatte Trish vor Anjelica die Tränen zurückhalten können. Doch nun, als sie wieder in ihrem Zimmer waren, rannen sie unaufhörlich über ihre Wangen. Ob sie Kyle liebe, hatte sie wissen wollen. Trish hatte ihr darauf keine Antwort geben können. Was hätte sie auch sagen sollen? Sie war sich dessen bewusst, dass Anjelica die Antwort kannte. Ein Nein wäre eine Lüge gewesen und ein Ja hätte für sie die Sache nicht einfacher gemacht. Letztendlich war es egal. Nach ihrer Hochzeit mit Carlo war Anjelica endlich frei und nur das zählte für Trish. Doch so war es nicht, aber das würde sie ihr nie sagen können.

Trish saß nachdenklich auf dem Sofa ihres Schlafzimmers und dachte über Kyles Worte nach. Es hatte sie große Überwindung gekostet, ihm diese Lüge so gelassen und unterkühlt wie nur irgendwie möglich entgegen zu schleudern. Aber wenn es halbwegs glaubhaft geklungen hatte, dann konnte sie damit zufrieden sein. Er konnte sie nicht mehr von ihrem Vorhaben abbringen. Sie würde Carlo nächste Woche heiraten. Für den morgigen Vormittag hatte sich Alain angekündigt, der ihr Brautkleid entworfen hatte. Es war aus weißem Brokat mit Organza-Spitze bearbeitet. Ihre Haare würde sie offen tragen, die Seiten nach hinten mit zwei Kämmchen befestigt. Da ihre Haut von Natur aus dunkel war, würde sie kein aufwendiges Make-up benötigen. Etwas Puder, um den Glanz aus ihrem Gesicht zu nehmen, ansonsten würde sie nur die Augen und die Lippen betonen. Ja, sie würde eine schöne Braut sein. Ein schöne und traurige zugleich, denn der richtige Mann würde nicht an ihrer Seite stehen. Ob sie sich je an Carlo würde gewöhnen können, wusste sie nicht. Jedoch lieben und mit ihm glücklich werden, das würde sie nicht können. Ihr Herz gehörte Kyle, auch wenn sie ihre Gefühle vehement vor ihm bestritten hatte.

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Warum hatte Anjelica ausgerechnet zu einer Zeit auftauchen müssen, in der sie so glücklich mit Kyle gewesen war? Gerne hätte sie ihren Vater gefragt, was damals genau zwischen ihm und ihrer Mutter vorgefallen war. Aber nach ihrem Zerwürfnis würde er Trish nicht einmal mehr ins Haus lassen. Wäre alles anders gekommen, hätte Trish sie gleich erkannt und die Wahrheit gewusst?


Sie war 4 Jahre alt gewesen, als Anjelica so plötzlich aus ihrem Leben verschwunden war. An damals hatte sie so gut wie keine Erinnerung, aber sie wusste noch sehr genau, wie sie ihr das erste Mal gegenübergestanden hatte. Es war an ihrem 8. Geburtstag in einem Café gewesen, in das sie ihre Mutter eingeladen hatte. Mutter? Ja, Maureen war ihre Mutter, wenn auch nicht ihre leibliche. Aber sie war es gewesen, die sie großgezogen und der sie sich anvertraut hatte, die ihr Trost bei ihrem ersten Liebeskummer gespendet und die an ihrem Bett gesessen hatte, wenn es ihr schlecht gegangen war. Was hatte sie denn schon von Anjelica gewusst? Sie hatte sich zwar auf Anhieb sehr gut mit ihr verstanden und sie hatten auch jede Menge Spaß, wenn sie an ihrem Geburtstag zu Besuch gekommen war. Aber das war einmal im Jahr gewesen. Trish hatte nie hinterfragt, warum ihr Vater diese Treffen nicht wollte. Nun war ihr klar, warum er das stets verhindert hatte. Sie hatte diese wenigen Treffen mit Anjelica geliebt und sie erinnerte sich noch genau, wie sie an ihrem 12. Geburtstag den ganzen Tag auf sie gewartet hatte. Wie die letzten Jahre zuvor hatte sie mit Maureen im Café gesessen und ganz aufgeregt Ausschau nach ihr gehalten, aber sie war nicht gekommen. Einige Tage später war ein Geschenk Anjelica's kommentarlos per Post gekommen. Maureen hatte ihr es abends übergeben, als Eric gerade aus dem Haus war. Doch Trish hatte es ungeöffnet in den Papierkorb geworfen und Anjelica fortan aus ihrem Gedächtnis verbannt. 12 Jahre lang hatte sie nichts von ihr gehört. Ihr Vater hatte nach ihrem damaligen Verschwinden alles wegräumen lassen, was auch nur annähernd an ihre Gegenwart hätte erinnern können. Es gab keine Fotos von ihr, keine Bilder, keine Erinnerungsstücke. Nichts hatte darauf hingewiesen, dass Anjelica jemals in dem Haus gelebt hatte, in dem sie einst gewohnt hatten. Kurz nach ihrem 6. Geburtstag hatte ihr Vater Maureen kennengelernt und wenig später geheiratet, das alte Haus hatte er verkauft. Nur einen Straßenzug weiter hatte er ein zweites Haus bauen lassen, das auf einer Anhöhe lag und in dem ihre Familie heute immer noch wohnte. In dem sie bis vor kurzem selbst noch gewohnt hatte und so glücklich gewesen war.


Grübelnd stand Trish auf. Die Erinnerungsfetzen, die sie manchmal vor Augen hatte, hatten sie jedoch nie losgelassen. Sie musste an ihre erste Begegnung mit Anjelica in Monte Vista denken. Wie diese sie angestarrt hatte oder im Café, das sie mit Kyle besucht und wie sie Trish angelächelt hatte. Dann die Fotos, die sie in Carlo‘ s Schublade gefunden hatte. Von Anfang an hatte sie geahnt, dass sie diese Frau kennen musste oder die Frau sie. Letztendlich wurde die Erinnerung an den „Heiligen Hallen“ in Monte Vista plötzlich klar und deutlich. In dem Moment, als Anjelica mit einem Schrei zusammengesackt war, hatte Trish eine Szene vor Augen, die Jahre zurückliegen musste. Sie hatte Anjelica im Krankenhaus danach gefragt und erfahren, dass das jener Tag gewesen war, als ihr Vater Anjelica aus dem Haus geworfen hatte. Trish hätte weinend auf dem Teppich gesessen, als ihre Mutter regungslos auf dem Boden gelegen hatte. Sie hätte sie noch im Arm gehalten und ihr etwas zugeflüstert, als ihr Vater sie umgestoßen und Trish von ihr weg gerissen hatte. Da schließlich war es Trish wie Schuppen von den Augen gefallen.

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Nachdenklich ging sie zum Fenster. Viel konnte man in der Dunkelheit nicht erkennen, da die Scheiben bei diesen eisigen Temperaturen, die draußen herrschten, beschlagen waren. Aber irgendwo da unten lag jetzt Kyle in seinem Bett und Trish wünschte sich nichts sehnlicher, als an seiner Seite zu liegen. Es war nicht richtig gewesen, ihn für alles verantwortlich zu machen. Er war Cop und letztendlich hatte er keine andere Wahl gehabt. Das hatte Trish auch gewusst. Trotzdem bekam sie die Bilder nicht mehr aus ihrem Kopf, wie sie aufgeschrien hatte, als Kyle mit der Waffe auf Anjelica gezielt hatte und diese nach dem Schuss zusammengesackt war. Trish war in Todesangst gewesen, als diese ihren Namen geflüstert hatte, bevor sie bewusstlos geworden war. Die mehrstündige Not-Operation im Krankenhaus, zwischen Hoffen und Bangen, waren die reinste Qual gewesen. Als der Arzt ihr dann mitgeteilt hatte, dass sich die Kugel aufgrund des großen Blutverlustes nicht habe vollständig entfernen lassen und eine weitere OP anstehen würde, war sie in Tränen ausgebrochen. Das alles war zu viel für sie gewesen.

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Trish seufzte laut. Sie war müde und konnte doch nicht schlafen, da ihr zu viele Gedanken im Kopf herum schwirrten. Es gab so viele Fragen, die nur Anjelica oder ihr Vater ihr beantworten konnten. Aber keiner der beiden konnte sie fragen. Nachdenklich setzte sie sich im Bett auf und dachte noch einmal über das nach, was Anjelica ihr gesagt hatte. Sie hatte verzweifelt geklungen, als sie Trish gebeten hatte, Carlos Abmachung einzuhalten. Ob sie annähernd wusste, welch großes Opfer Trish auf sich nehmen würde? Sie würde für Anjelica‘ s Freiheit auf ihre große Liebe verzichten.

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Müde schloss sie die Augen, um ein kleines Nickerchen zu machen. Aber auch hier holten sie ihre Gedanken ein. Warum war alles nur so kompliziert? Endlich hatte sie in Kyle den Mann fürs Leben gefunden. Warum war ihr das Glück mit ihm nicht gegönnt? Wäre es anders gekommen, wäre sie auf seinen Vorschlag eingegangen? Sie wusste nicht, ob Kyle ihr die Lüge abgenommen hatte, aber das war letztendlich auch egal. Er und sie, das war Geschichte, es würde keine gemeinsame Zukunft geben.

Noch einmal wanderten ihre Gedanken zurück nach Monte Vista, wo sie sich nach langem Hin und Her letztendlich doch noch näher gekommen waren. Nur drei Tage hatte sie mit ihm glücklich sein dürfen. Wie hatte sie ihn nur so hintergehen können? Warum bestand Carlo auf diese Ehe mit ihr? Was hatte er gegen Anjelica in der Hand? Nach wie vor wusste sie darauf keine Antwort und Anjelica konnte sie nicht danach fragen.

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Erneut setzte sie sich im Bett auf und starrte einfach nur so vor sich hin. Wie es Kyle wohl jetzt gehen mag? Habe ich ihn nun endgültig an diese Evans verloren? Warum habe ich ihm nicht die Wahrheit sagen können?, dachte sie traurig und erschrak sogleich, wie schnell sie sich an diese Lügen gewöhnt hatte. Schließlich stand sie auf und ging ins Badezimmer, um sich abzuschminken. Nachdem sie geduscht hatte, kroch sie unter die Bettdecke und war relativ schnell eingeschlafen.

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Anjelica war währenddessen nach unten in die Küche gegangen, um ein Glas Wasser zu trinken. Nachdenklich saß sie am Esstisch und hielt ihre Augen geschlossen. Sie hatte Eric damals nichts von den Ereignissen in Starlight Shores erzählt. Warum, wusste sie selbst nicht einmal. War es die Angst gewesen, ihre Ehe hätte damit endgültig beendet sein können? Eine Ehe, in der sie sich nur noch gefangen gefühlt hatte und nicht mehr geliebt, ständig vernachlässigt? Wäre Trish nicht gewesen, hätte sie Eric vermutlich verlassen. Aber Trish hatte ihr die Hoffnung gegeben, es könnte sich vielleicht doch wieder alles zum Guten wenden und sie könnten doch noch eine gemeinsame glückliche Familie werden. Anjelica seufzte auf und schloss ihre Augen. Nach ihrer Rückkehr aus Starlight Shore hatte sie es wirklich versuchen wollen und einen Neuanfang mit Eric angestrebt. Doch Carlos Anruf eines Morgens, Eric hatte sich auf einer Geschäftsreise befunden, hatten all ihre guten Vorsätze über den Haufen geworfen…

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Rückblick


Fast zwei Monate waren seit ihrer Rückkehr aus Starlight Shores vergangen. Anjelica hatte Carlo gleich nach ihrer Ankunft in Bridgeport per SMS mitgeteilt, dass sie gut zuhause angekommen sei. Es war an einem Freitagmorgen, Eric war gerade in New Sunset Valley und sie, wie so oft in letzter Zeit, mit Trish alleine im Haus, als ihr Handy klingelte. Da ihr der Anrufer nicht angezeigt wurde, meldete sie sich nur mit einem knappen: „Ja, bitte?“ Ihr Herzschlag setzte fast aus, als sie Carlos Stimme vernahm:

„Jelica, ich will es ganz kurz machen. Ich habe mir in Bridgeport ein Appartement gekauft und bin mit Fabio hierher gezogen. Hast Du etwas zu schreiben? Dann schreibe Dir bitte meine Adresse und Telefonnummer auf.“

Unfähig, irgendetwas darauf zu erwidern, schrieb sie seine Adresse mit und ließ sich die Telefonnummer geben. Schließlich sagte sie fast atemlos: „Eric ist auf Geschäftsreise. Ich komme mit Trish gleich zu Dir. Und Carlo? Ich freue mich.“

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Ja, es hatte sie nichts mehr gehalten, sie wollte nur noch zu ihm. Nachdem sie das Gespräch beendet hatte, packte sie in Windeseile eine Tasche mit den wichtigsten Utensilien für Trish und fuhr mit dem Wagen zu Carlo. Eric wollte erst in 5 Tagen wieder kommen. Per Handy war sie ja erreichbar, denn er rief sie selten auf dem Festnetz an. Mit klopfenden Herzen stand sie eine dreiviertel Stunde später zusammen mit Trish vor Carlos Appartement.

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Er hatte noch nicht richtig die Tür geöffnet, als die kleine Trish auch schon in die Wohnung rannte, während Anjelica Carlo stürmisch umarmte.

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Die beiden küssten sich wie zwei Ertrinkende. Keuchend sagte sie, während sie sich bereits an seiner Kleidung zu schaffen machte. „Du hast mir gefehlt, Carlo. Ich habe so oft an Dich denken müssen.“

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Nur mit Mühe konnte sich Carlo aus ihrer Umklammerung befreien und sagte schließlich schwer atmend zu ihr: „Ich muss kurz der Nanny Bescheid geben. Ich bin gleich wieder da, lauf‘ mir nicht davon.“

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Schnell knöpfte er sich wieder das Hemd zu und zog den Reißverschluss seiner Hose hoch, ehe er ins Kinderzimmer ging, wo Trish bereits auf dem Boden saß und mit Fabio spielte. Lächelnd die Szene beobachtend, wandte sich Carlo an die Nanny: „Cassey, das ist Trish, die Tochter einer guten Bekannten. Ich habe einen wichtigen Geschäftstermin und möchte nicht gestört werden. Nur damit Sie Bescheid wissen.“

„Jawohl Sir“, sagte die dunkelhäutige Nanny und meinte, während sie zu den spielenden Kindern sah: „Fabio hat sich ihrer sofort angenommen. Sie ist ein bezauberndes kleines Mädchen.“

Carlo lächelte: „Ja, ich weiß.“

„Du bist also Trish, meine Kleine“, hörte er Cassey noch sagen, ehe er leise die Tür schloss und zu Anjelica zurückging. Sein Blut geriet in Wallung, als er sah, dass sich Anjelica bereits ihrer Bluse entledigt hatte und in einem knappen Spitzen-BH da stand. Grinsend fragte er: „War Dir warm, Jelica?“

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Ohne den Blick von ihm zu lösen, fuhr sie sich mit der Zungenspitze über ihre Lippen und raunte: „Oh ja, sehr sogar.“

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Besitzergreifend legte er seine Arme um ihre Taille und ließ seine Hände aufreizend über ihren Po gleiten, was sie aufstöhnen ließ. Gierig küsste er sie, während ihm Anjelica hastig sein Hemd aus der Hose zog und es ihm in Windeseile mit geübten Fingern aufknöpfte und auszog.

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Erregt hob er sie hoch, während er ihren heißen Atem an seinem Ohr wahrnahm. Mehr stolpernd als laufend trug er sie die Stufen zu seinem Schlafzimmer hoch.

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In Sekundenschnelle hatten sie sich bis auf die Unterwäsche ausgezogen. Leidenschaftlich küssten sie sich, ehe er sie aufs Bett zog.

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Atemlos beugte er sich über sie und flüsterte: „Ich will Dich Jelica, jetzt und hier.“

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Dann huschte er mit ihr unter die Bettdecke, wo sie sich leidenschaftlich liebten und schließlich gemeinsam den Höhepunkt entgegen strebten.

Carlos Haare klebten ihm klatschnass am Kopf, als er einige Zeit später völlig erschöpft Anjelica musterte. „Du bist so wunderschön, mia cara. Du ahnst nicht, wie oft ich an Dich gedacht und von Dir geträumt habe.“

Anjelica schmiegte sich eng an Carlo und fragte leise, während sie mit ihren Fingerspitzen über sein dichtes Brusthaar strich: „Und was haben Deine Eltern dazu gesagt? Sie waren doch bestimmt nicht begeistert. Erst die Trennung von Caitlyn und dann ziehst Du mit Fabio nach Bridgeport?“

„Nun ja, Du kennst doch meine Eltern. Sie waren nicht gerade begeistert. Aber es ist mein Leben, über das ich bestimme und entscheide. Schließlich hatten sie es zähneknirschend hingenommen, wollten sie doch Fabio nicht verlieren. Ich habe versprochen, sie auf dem Laufenden zu halten und in den Sommerferien mit Fabio nach Monte Vista zu kommen. Du könntest ja mitkommen, wenn Du willst. Aber ich glaube...“

Hastig wurde er von Anjelica unterbrochen: „Nein, das ist keine gute Idee. Auch, wenn ich persönlich nichts gegen Deine Eltern habe, ganz im Gegenteil. Ich kann sie ja auch verstehen. Aber es ist besser, wenn ich hierbleibe, schon alleine wegen Eric. Wie sollte ich ihm das erklären, ohne...“, brach sie hilfesuchend ab.

Carlo nickte zustimmend, während er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. „Nein, er würde es nicht verstehen. Du hast Recht, es ist besser so.“

Anjelica küsste ihn zärtlich auf die Mundwinkel, während sie murmelte: „Eric ist bis Dienstag weg. Wenn Du willst, ich könnte solange hier bleiben.“

Freudestrahlend meinte er: „Und ob ich das will. Ich bin so froh, dass Du da bist und noch mehr freue ich mich auf die Nächte mit Dir.“

Sie lächelte und sagte leise: „Ich danke Dir, Carlo. Endlich durfte ich mich mal wieder als begehrenswerte Frau fühlen.“ Als sie Carlo' s erstaunten Blick sah, fügte sie etwas verlegen hinzu: „Eric und ich hatten schon lange keinen Sex mehr. Er hält das nicht unbedingt für notwendig.“

„Was?“, fragte Carlo ungläubig. „Willst Du mir damit sagen, dass Dein Mann nicht mehr mit Dir schläft?“

Anjelica seufzte: „Ja, so ist es, Carlo.“

Dieser gab ihr einen langen Kuss, ehe er schließlich murmelte: „Eric, ist ein Idiot, Jelica. Dann kommst Du fortan eben öfter zu mir. Aber jetzt lass uns aufstehen und runtergehen.“

„Ja, ich….“ Sie räusperte sich kurz, ehe sie fortfuhr: „Ich freue mich.“


Nachdem sie anzogen waren, gingen sie in die untere Etage des Appartements. Kurz bevor sie jedoch das Kinderzimmer betraten, hielt Anjelica inne und meinte etwas nervös: „Carlo, ich weiß nicht… hast Du…?“ Händeringend brach sie fragend ab.

Carlo sah sie lange an, ehe er erwiderte: „Ich habe Fabio sehr oft von Dir und Trish erzählt. Er weiß, dass Du eine gute Bekannte bist. Mach‘ Dir also keine Gedanken. Nur Mut Jelica, Du musst keine Angst haben.“

Zärtlich umfasste sie mit beiden Händen sein Gesicht. „Danke, Carlo.“

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Noch einmal atmete sie tief durch, ehe sie mit Carlo das Zimmer betrat. Nachdem ihr Carlo die Nanny vorgestellt und Anjelica ein paar Worte mit ihr gewechselt hatte, sagte diese zu Carlo: „Ich mache mich dann auf den Heimweg, Sir. Wann soll ich denn wiederkommen?“

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Carlo sah Anjelica an und ohne den Blick von ihr zu wenden, antwortete er: „Nicht vor Dienstag. Könnten Sie am Mittwoch wieder da sein?“

Nachdem sie bejaht hatte, verabschiedete sie sich von Carlo. Zu Anjelica gewandt, meinte sie: „Trish ist ein bezauberndes Mädchen. Fabio ist hin und weg von ihr.“

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Anjelica bedankte sich lächelnd, während ihr Blick zu Fabio ging, der zusammen mit Trish auf dem Boden saß und „Kuckuck“ spielte. Er war groß geworden, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte.

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Sie näherte sich den spielenden Kindern und nahm erfreut zur Kenntnis, dass sich die beiden anscheinend gut verstanden.

„Nein, Trish, Du musst die Augen geschlossen halten. Schau, so“, machte Fabio ihr vor und hielt sich die Hände vor die Augen. Trish quiekte dabei vergnügt und machte „Kuckuck“. Als er sie kitzelte, lachte sie schallend auf.

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Auch Carlo hatte die Kleine sofort in sein Herz geschlossen. Sie war ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, hatte das gleiche Muttermal unter dem Auge, ihre dunklen Augenbrauen, aber die hellen Haare Erics. „Du wirst mal ein bildhübsches Mädchen. Da wird Dein Papa ganz schön aufpassen müssen, kleine süße Maus.“

„Sie sind eine Freundin meines Onkels’s ?“, sah Fabio derweil auf Anjelica, die zustimmend nickte:

„Ja, das bin ich. Ich war mal bei Euch in Monte Vista zu Besuch, aber da warst Du noch sehr klein.“

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Während Anjelica sich mit Fabio unterhielt, spielte Carlo vergnügt mit Trish, deren kleinen Händchen immer wieder patschend in seinem Gesicht landeten. Als er sie kitzelte, verzog sie ihr Gesicht zu einem hinreißenden Lächeln, so dass es Carlo’ s Herz erwärmte. „Na, du süße Maus und jetzt kommt der groooße Propeller und macht…“ Quiekend windete sie sich dabei unter seinen Händen.

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Carlo war ganz vernarrt in die Kleine, die ein liebreizendes kleines Mädchen war, wenn sie wollte.

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Sie konnte aber auch recht bockig sein, wenn ihr irgendetwas nicht passte. Eines Morgens, als er sie im Hochstuhl mit Brei füttern wollte, warf sie kurzerhand den Teller hinunter.

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Während sie brabbelnd auf dem Teppich hin und her schaukelte, reinigte Carlo, ohne ein Wort zu verlieren oder irgendwie böse auf sie zu sein, den Hochstuhl.

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Danach hatte er es mit frischer Milch versucht, die sie dann ohne weiteres getrunken hatte. Anjelica war jedoch oftmals der Ansicht, er würde Trish zu sehr verwöhnen. Doch er konnte nicht anders, denn er liebte die Kleine viel zu sehr.

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Auch war er immer derjenige, der sie ins Bett brachte, wenn ihr vor Müdigkeit die Augen zufielen, sie aber nicht unbedingt schlafen wollte,

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während Anjelica nach dem Abendessen noch mit Fabio zusammensaß oder ihm manchmal bei seinen Hausaufgaben half und mit ihm zu Abend aß, wenn Carlo noch im Büro war.

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Zwischen ihnen entwickelte sich eine sehr gute Freundschaft und Fabio freute sich immer sehr, wenn Anjelica zu Besuch kam und vor allem, wenn sie Trish mitbrachte.

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Carlo und Anjelica unternahmen viel mit den Kindern, vorzugsweise mit Trish, da Fabio unter der Woche bis 15 Uhr in der Schule war. Sie besuchten mit ihr das Herbstfest, wo sie schaukeln durfte, während Carlo meistens daneben stand und Anjelica auf einer Bank sitzend das Geschehen beobachtete. Außenstehende hätten in ihnen wahrscheinlich eine glückliche kleine Familie vermutet. Aber beide wussten, dass es nur eine geliehene Zeit war und sie deshalb auch immer außerhalb Bridgeports zum Spielplatz fuhren, um von niemanden gesehen zu werden.

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Anjelica freute sich, dass sich Carlo so gut mit Trish verstand und auch Fabio war regelrecht in die Kleine vernarrt.

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Er liebte das kleine blonde Mädchen abgöttisch. Manchmal holten sie ihn zu Dritt von der Schule ab

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oder besuchten den nahe gelegenen Park.

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Am liebsten spielte Trish mit Fabio Kuckuck oder sie ließ sich von ihm die Flasche geben.

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Auch Carlo hatte viel Spaß und fühlte sich wieder wie ein Kind, wenn er lachend schaukelte, während ihm Anjelica und Trish dabei zusahen.

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Musste Carlo arbeiten, dann war Anjelica mit ihrer Tochter fast täglich auf dem Spielplatz. Erst viel später war ihr aufgefallen, dass Eric seine Tochter zwar auch sehr geliebt, aber nie alleine etwas mit ihr unternommen hatte.

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Am Wochenende waren sie oftmals mit dem Auto unterwegs. Es gab so viel außerhalb Bridgeports zu sehen, so dass ein Wagen unumgänglich war.

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Da Eric geschäftlich sehr oft auf Reisen war, war Anjelica dementsprechend auch sehr oft bei Carlo. Wenn die Kinder dann abends im Bett waren, saßen die beiden Erwachsenen oftmals eng aneinander gekuschelt auf dem Sofa, das auf der Terrasse stand.

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Sie tranken entweder noch ein Glas Wein oder unterhielten sich leise, während sie den Ausblick auf die Stadt und ihre bunten Lichter genossen.

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Anjelica war überglücklich und liebte Carlo einfach dafür, dass er für sie da war. Zwar hatte auch Carlo viel zu tun, aber trotzdem nahm er sich abends immer noch etwas Zeit. Sie mussten auch gar nichts sagen und verstanden sich auch ohne Worte.

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Das war eine Eigenschaft, die sie bei Eric einfach vermisste. Er schob die Arbeit vor und auch abends, wenn er heimkam, schaute er sich entweder die Nachrichten im Fernsehen an oder er ging früh zu Bett. Rückblickend war es die schönste Zeit mit Carlo gewesen. Aber letztendlich war es nur ein Glück auf Zeit. Später hatte sich Anjelica oft gefragt, ob Sie vielleicht nicht doch eine glückliche Patchwork-Familie hätten werden können. Carlo war ihre große Liebe und er würde es immer sein.

Anjelica hatte keinerlei Gewissensbisse, dass sie ihren Mann schamlos mit Carlo betrog, der zudem auch noch einer seiner Geschäftspartner war. Sie genossen ihre heimliche Affäre, waren aber immer darauf bedacht, dass nichts davon an die Öffentlichkeit drang oder Eric Wind davon bekam. Anjelica und Eric lebten mehr oder weniger nebeneinander her. Ihre sexuelle Erfüllung fand sie bei Carlo.

Ihre Ehe mit Eric wurde indes immer schwieriger, fast täglich hatten sie Streit, bis es schließlich zu jenem Vorfall kam, der das Ende ihrer Ehe einläutete…





Kapitel 80 folgt...
Zuletzt geändert von cheli24 am 29.01.2018, 14:58, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 17:45

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Kapitel 80






Ehestreit mit Folgen



Es war ein paar Tage später, die schönen Tage mit Carlo lagen fast schon wieder zwei Wochen zurück. Anjelica hatte Trish gerade ins Bett gelegt und war nach unten ins Wohnzimmer gekommen, als sie Eric die Haustür hereinkommen sah. Ihr war bewusst, dass es im Geschäft wohl Ärger gegeben haben musste, da er sie nicht wie sonst üblich begrüßte.

Er musterte abschätzend ihre Aufmachung und fuhr sie dann schnauzend an: „Dieser Fummel sieht aus, als kämst Du direkt von der Straße. Musst Du Dich eigentlich immer so präsentieren, als würdest Du im horizontalen Gewerbe Dein Geld verdienen?“

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Verächtlich sah ihn Anjelica an und konterte: „Dann würde ich mich endlich einmal wieder als Frau fühlen und käme auf meine Kosten. Du rührst mich doch gar nicht mehr an. Wann haben wir eigentlich das letzte Mal miteinander geschlafen?“

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„Woher soll ich das wissen? Ich führe kein Buch, wann ich mit meiner Frau ins Bett gehe.“

Er wollte sich gerade abwenden, als sie ihm hinter rief: „Dafür brauchst Du auch kein Buch, nimm einfach den Kalender vom letzten Jahr. So lange ist es nämlich her.“

Abrupt schnellte er herum: „Sag‘ mal, spinnst Du jetzt oder was? Ich hatte einen anstrengenden Tag und will meine Ruhe.“

„Oh, der Herr will seine Ruhe“, kam es hönisch zurück. „Nun mein Lieber, dann darf ich Deinem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge helfen. Es war an meinem Geburtstag und eine Nacht mit Dir war Dein Geburtstagsgeschenk. Wie üblich: Rauf, rein, runter. Nichts nennenswertes.“

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Wütend starrte er sie an und brüllte: „Sag‘ mal, hast Du sie nicht mehr alle? Was kann ich denn dafür, wenn Du sexsüchtig bist?“

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„Ich bin was? Sexsüchtig? Soll ich mal eine Umfrage unter Deinen Freunden machen, wie oft sie mit ihren Frauen ins Bett gehen? Ist einmal im Jahr für Dich normal?“

„Anjelica, ich warne Dich, hör‘ auf mit diesem Scheiß. Kümmere Dich um den Haushalt und Trish, dann würdest Du nicht auf solche Gedanken kommen. Lege Dir ein Hobby zu oder kauf‘ Dir einen Hund, aber lass‘ mich mit diesem Quatsch in Ruhe.“

Fassungslos starrte sie ihn an. Sie konnte nicht glauben, was er da gerade von sich gegeben hatte. Sie wusste, dass sie sich auf gefährliches Terrain begab, als sie stichelnd fragte: „Sex mit Deiner Frau findest Du also Quatsch? Also würde es Dir auch nichts ausmachen, wenn ich mit einem anderen Mann ins Bett gehen würde. Ist das so oder habe ich Dich missverstanden?“

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Als er darauf nichts erwiderte, stichelte sie weiter: „Na zum Glück gibt es genug andere Männer, die mich attraktiv finden.“

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Eric schnellte wie von der Tarantel gestochen herum und gab ihr eine schallende Ohrfeige. „Also, gibst Du es zu, dass Du mich betrügst? Wie lange schon?“

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„Tja, mein Lieber. Ich führe auch kein Buch“, giftete sie, während sie sich die glühende Wange hielt.

„Wer ist es, mit wem hast Du mich betrogen?“

„Warum willst Du das wissen? Es ist Dir doch sowieso egal, was ich tue und mit wem.“

Eric sah rot und schrie sie aufgebracht an: „Ich habe ja wohl ein Recht darauf, zu erfahren, mit wem sich meine Frau durch die Betten vög... wälzt.“

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„Ich wälze mich nicht mit Männern durch die Betten. Und lass‘ Dir eines gesagt sein, Eric. Schlage mich nie wieder, denn beim nächsten Mal werde ich zurückschlagen.“

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„Weißt Du was? Pack‘ doch am besten Deine Koffer und zieh‘ zu Deinen Liebhabern. Es wird ja wohl nicht nur einer sein.“

Nun war es Anjelica, die kräftig ausholte und ihm mit der Hand ins Gesicht schlug: „Was erlaubst Du Dir eigentlich? Hörst Du Dir auch einmal selber zu?“

„Ach, ich habe also den Nagel auf den Kopf getroffen? Dachte ich es mir doch. Ein Mann ist Dir also zu wenig“, brüllte Eric wütend mit erhobener Hand.

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„Das kommt ganz auf den Mann an“, zischte sie gefährlich leise.

„Du verfluchtes Miststück. Was willst Du mir denn damit sagen? Dass ich im Bett eine Niete bin?“

Anjelica sah ih abschützend an: „Sagen wir‘ s so, ich hatte schon besseren Sex. Aber lassen wir das, das führt ja sowieso zu nichts.“

Eric packte sie an den Schultern: „Nein, so nicht. Jetzt wird Tacheles geredet.“

„Lass‘ mich los, Eric. Du tust mir weh“, rief sie gequält.

Aber Eric ließ seine Frau nicht los und packte noch fester zu: „Rede endlich oder sonst…“

„Oder was? Wirst Du mich dann umbringen?“

„Ich mache mir doch an Dir die Hände nicht schmutzig, Du Flittchen. Wie viel verlangst Du denn für eine Nacht?“ Verächtlich hatte er ihr die Worte ins Gesicht geschleudert.

Anjelica hatte dieses Gespräch eigentlich beenden wollen, da sie darin keinen Sinn mehr gesehen hatte. Doch dann sah sie ihn eiskalt mit hochgezogenen Augenbrauen an und erwiderte: „Das kommt drauf an, wie zufrieden man mit mir ist. Ach ja, für gute Freunde und Geschäftspartner mache ich es auch umsonst.“

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Ihr war in diesem Moment bewusst, dass sie eine Grenze überschritten hatte und zu weit gegangen war. Was dann jedoch passierte…


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Audrey erschauerte, als sie an jene schicksalshafte Nacht zurückdachte, die so viel geändert hatte. Ja, es war ein Fehler gewesen, Eric so zu provozieren. Aber niemals hätte er ihr das antun dürfen. Letztendlich war es der Anfang vom Ende ihrer Ehe gewesen…



Etwas später


Zitternd stand Anjelica vor Carlos Wohnung. Nach der hässlichen Szene mit ihrem Mann hatte sie kurzerhand das Haus verlassen und war mit dem Wagen in die City gefahren. Ziel- und planlos war sie um die Gegend gekurvt, bis sie plötzlich in die Straße eingebogen war, in der Carlo wohnte. Sie wusste nicht, wo sie hin sollte, Geld und Kreditkarte hatte sie in der Eile vergessen, einzustecken.

Mit langsamen Schritten näherte sie sich dem Aufzug und fuhr nach oben, in der Hoffnung, Carlo auch anzutreffen. Sie betätigte die Klingel und wartete. Als sie Schritte vernahm, war sie fast schon erleichtert. Nur kurz war ihr der Gedanke gekommen, Carlo könne eventuell nicht alleine sein. Doch augenblicklich öffnete sich die Tür. Entweder wollte er sich gerade an- oder ausziehen, denn er trug ein offenes Hemd über einer beigefarbenen Hose und Sandalen.

„Jelica, das ist aber eine Überraschung. Komm‘ doch rein.“

Anjelica betrat die elegante Wohnung. Sie wandte Carlo ihr Gesicht nicht zu, als sie fast flüsternd murmelte: „Störe ich? Willst Du vielleicht gerade weggehen, dann gehe ich wieder?“

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„Nein, wieso denn? Ich wollte es mir gerade ein wenig bequem machen. Cassey ist nicht da und Fabio liegt schon im Bett.“

Anjelica drehte sich zu ihm um, vermied es aber weiterhin, ihn anzusehen. Kraftlos lehnte sie sich an ihn, die Schmerzen am Rücken mittlerweile unerträglich geworden. Verzweifelt versuchte sie, Haltung zu wahren, sich vor Carlo nichts anmerken zu lassen.

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Doch Carlo bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte und fragte besorgt: „Ist alles in Ordnung mit Dir, Liebes? Weshalb trägst Du eigentlich eine Sonnenbrille? Draußen ist es dunkel. Oder ist das jetzt Mode?“

Anjelica quälte sich ein Lächeln ab und trat in die Mitte des Ganges. Leise sagte sie: „Ich habe mir eine Bindehautentzündung zugezogen, deshalb die Brille.“

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Aber Carlo glaubte ihr kein Wort. Überrascht sah er sie an und versuchte, einen Blick in ihr Gesicht zu erhaschen. Als er sie leicht an sich zog, ging ein Zucken durch ihren Körper und sie legte abwehrend ihre Hand auf seinen Arm und murmelte kaum hörbar: „Nein, bitte nicht.“

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„Was ist denn los, Jelica? Was ist passiert?“, fragte er zutiefst besorgt und strich ihr dabei mit dem Daumen über die Wange.

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Beim Klang seiner besorgten Stimme brachen bei ihr alle Dämme und die mühsam zurückgehaltenen Tränen strömten ihr nun unkontrolliert über die Wangen. Als Carlo ihr die Brille herunternahm, schlug sie ihre Hände schnell vors Gesicht.

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Irritiert nahm Carlo ihre Hände und zog sie sanft von ihren Augen, um augenblicklich zurückzuschrecken. Ihre Gesichtshaut war Blut unterlaufen und wies zahlreiche blaue Flecken und Hämatome auf.

Entsetzt fragte er, während seine Stimme ihm kaum gehorchen wollte: „Wer... wer war das, wer hat Dir das angetan, Süße? Was ist passiert, Jelica? Hat man Dich überfallen? So sag' doch etwas.“

Als sie jedoch nicht antwortete, sog er scharf die Luft ein und fragte: „War das Eric? Hat er Dich so zugerichtet?“

Plötzlich wurde Anjelica von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt.

„Jelica um Gottes Willen, soll ich einen Arzt kommen lassen? Hast Du Schmerzen, mein Schatz?“

„Nein, bitte keinen Arzt. Kann ich heute Nacht bei Dir bleiben, Carlo? Ich weiß nicht, wohin“, flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme.

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„Natürlich kannst Du das, mein Schatz. Fühle Dich wie zu Hause. Willst Du vielleicht etwas trinken? Soll ich Dir einen Tee kochen, brauchst Du eine Schmerztablette?“

Anjelica schüttelte den Kopf und hauchte: „Ich will nur schlafen, Carlo. Ich bin so müde.“

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Vorsichtig umfasste Carlo mit beiden Händen ihr Gesicht und zog sie an sich. Ihr Herz pochte sehr heftig, während er spürte, wie sie ihre Arme um seine Taille legte. Es gelang ihr sogar ein kleines Lächeln.

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Einige Minuten standen sie einfach nur so da, ehe Jelica schon wieder heftig zu weinen anfing. Carlo ließ sie gewähren und streichelte ihr sanft über den Nacken, während er dabei den Dutt aus ihrem Haar öffnete, das ihr in sanften Wellen über die Schultern fiel. Als ihr die Beine wegzusacken drohten, nahm er sie auf seine Arme und trug sie nach oben ins Gästezimmer.

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Er spürte, wie Jelica sich an ihn krallte, als wolle sie ihn nie mehr loslassen. Leise flüsterte sie ihm ins Ohr: „Danke, dass ich bleiben darf.“

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Vorsichtig setzte er sie ab und zog eines ihrer Schlafhemden, das sie bei ihm gelassen hatte, aus der Kommode. „Kannst Du Dich selbst ausziehen oder soll ich Dir helfen?“

„Nein, es geht schon.“

Schnell zog sie ihr Oberteil und die Leggins aus und schlüpfte in das rosa Hemd. Als Carlo die blauen Flecken auf ihrem Rücken sah, holte er tief Luft. Er würde heraus bekommen, was da passiert war und dann Gnade Gott demjenigen, der ihr das angetan hatte.

Anjelica kam auf ihn zu und legte ihren Kopf an seine Schulter. Mit Tränen erstickter Stimme sagte sie leise: „Ich liebe Dich, Carlo.“

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Noch ehe er darauf etwas sagen konnte, löste sie sich von ihm und ging mit langsamen Schritten um das Bett herum. Schnell schlüpfte sie unter die Decke. „Danke, dass ich hier schlafen darf“, murmelte sie schläfrig.

Carlo zog sich einen Sessel heran und setzte sich neben das Bett, während er sie keine Sekunde aus den Augen ließ.

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Erst als er tiefe Atemgeräusche wahrnahm, die ihm signalisierten, dass sie eingeschlafen war, ging er ebenfalls zu Bett. In der Hoffnung, morgen zu erfahren, was eigentlich genau passiert war, schlief er kurz danach ein. Er hatte vorsichtshalber die Türen beider Zimmer offen gelassen, um zu hören, wenn irgendetwas wäre.

Mitten in der Nacht wurde er durch ein heftiges Unwetter geweckt. Ein Blitz erhellte das Zimmer und er erschrak, als er Anjelica an der Tür stehen sah. Schnell sprang er aus dem Bett und fragte: „Ist alles in Ordnung mit Dir?“ Doch sie schaute ihn nur stumm an.

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Ohne seine Frage zu beantworten, kam sie auf ihn zu und klammerte sich an ihn, ehe sie fragte: „Carlo, kann ich bei Dir schlafen?“

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Überrascht schaute er sie an, ehe er erwiderte: „Natürlich, Du musst doch nicht fragen. Komm‘ her, mein Schatz.“

Sie schlüpfte unter die Decke und kuschelte sich eng an ihn. Carlo legte den Arm um sie und bettete ihren Kopf an seine Brust. Kaum hörbar flüsterte sie: „Halt mich fest, Carlo“, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. Behutsam küsste er ihr die Tränen von der Wange und hielt sie fest umschlungen. Erst nachdem ihr Zittern nachließ und sie eingeschlafen war, konnte auch er die Augen wieder zumachen.

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Die Sonne schien hell ins Zimmer, als Carlo kurz vor 11 Uhr erwachte. Sein Arm, auf dem Anjelica lag, fühlte sich taub an. Da er sie jedoch nicht aufwecken wollte, blieb er still neben ihr liegen und sah sie an. In diesem Moment wurde es ihm wieder schmerzhaft bewusst, wie sehr er sie doch liebte. Ein kurzes Gähnen Anjelica‘ s zeigte ihm wenig später an, dass auch sie endlich wach geworden war.

Er küsste sie auf die Stirn und sagte besorgt: „Guten Morgen, Jelica. Wie geht es Dir?“

„Den Umständen entsprechend gut. Danke, Carlo.“

„Willst Du mir jetzt erzählen, was passiert ist?“

Anjelica nickte und berichtete ihm stockend, was sich am Abend zuvor ereignet hatte. Zwischendurch musste sie sich immer wieder unterbrechen, um nicht loszuheulen. Carlo hatte sie mit keinem Wort unterbrochen, sie ganz eng an sich gedrückt, als wolle er sie nie mehr loslassen. Aber seine Wut auf Eric war gewachsen und war bei ihrem Bericht ins Unermessliche gestiegen. Er würde sich Eric vorknöpfen, so würde er ihn nicht davon kommen lassen.

Nachdem sie geendet hatte, dauerte es eine Weile, ehe Carlo sagte: „Jelica, es tut mir so Leid. Du hast nichts erwähnt...Aber...“

Er unterbrach sich, ehe er vorsichtig fragte: „Hat er... Hat Eric Dich vergewaltigt?“

Regelrecht erleichtert atmete er auf, als sie verneinte. Sie lagen noch eine ganze Weile still nebeneinander, ehe sich Carlo über sie beugte: „Jelica, ich werde mal Kaffee kochen. Du musst nicht aufstehen. Ich kann Dir den Kaffee auch ans Bett bringen, wenn Du magst.“

„Nein, ich komme runter. Kann ich vorher ein Bad nehmen?“

„Ja klar, mein Schatz.“

Sie standen beide auf. Vorsichtig nahm Carlo Anjelica in die Arme und sagte: „Bleib‘ solange, wie Du willst, Jelica. Ich hole Dir ein paar frische Handtücher. Wenn ich Dir den Rücken eincremen soll, dann ruf‘ ganz einfach. Ich schau mal nach, ob Fabio schon da ist. Sie haben heute nur bis 12 Uhr Schule.“

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Als er bemerkte, dass sie immer noch wackelige Knie hatte, begleitete er sie behutsam zum Badezimmer. Er ließ heißes Wasser in die Wanne laufen und gab einige Spritzer Badelotion hinein.

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Während er schnell ein paar Handtücher holte, entkleidete sich Anjelica. Sie kletterte gerade in die Badewanne, als Carlo zurückkam.

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Er legte ihr die Badetücher hin und einen seiner Bademäntel. Bevor er nach unten ging, um den Tisch zu decken, küsste er sie zärtlich auf die Nasenspitze.

„Bis gleich“, raunte er ihr zu und lief die Stufen nach unten.

Anjelica genoss das warme Wasser auf ihrem malträtierten Rücken, das wie Balsam wirkte. Sie hielt die Luft an und tauchte für einige Sekunden unter.

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Nachdem sie sich abgetrocknet hatte, schlüpfte sie in Carlo's Bademantel. Langsam stieg sie die Treppen zum unteren Stockwerk hinunter. Sie sah Carlo in der Küche hantieren und trat leise ein.

Lächelnd sagte er, als er sie hereinkomm sah: „Für Frühstück ist es schon fast zu spät. Ich habe uns einen leckeren Salat gemacht. Ist das okay für Dich?“

Nickend schlang sie ihre Arme um ihn und sah ihm zärtlich in die Augen: „Ja, das ist okay. Du bist wundervoll, Carlo. Ich liebe Dich.“

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„Ich liebe Dich auch, von ganzen Herzen, Jelica“, sagte Carlo, ehe er sie innig küsste. Grinsend meinte er: „Mein Bademantel steht Dir sehr gut, meine Süße.“

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Gemeinsam gingen sie ins Esszimmer, um den leckeren Salat zu essen, den er zubereitet hatte. Nebenbei fragte Carlo: „Was willst Du jetzt machen? Wirst Du Eric anzeigen?“

„Nein, was sollte das bringen, Carlo? Ich bin ja auch nicht schuldlos daran, was passiert ist. Ich hätte ihn nicht so provozieren dürfen. Außerdem ist da noch Trish, sie braucht mich.“

„Jelica, Dein Mann hat Dich verprügelt. Das kannst Du doch nicht so einfach hinnehmen. Was, wenn er es wieder tut? Wenn Du möchtest, begleite ich Dich zur Polizei.“

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Carlo versuchte ihr vehement ins Gewissen zu reden, aber Anjelicas Entschluss stand fest. Sie würde nichts gegen Eric unternehmen.

Nachdem sie sich angezogen hatte, dankte sie Carlo noch einmal für dessen Hilfe und auch, dass sie bei ihm übernachten durfte. Vorsichtig, um ihr nicht weg zu tun, nahm er sie in seine Arme und küsste sie. Sein Kuss war nicht fordernd, wie sonst, sondern sehr zärtlich, da er ihr nicht weh tun wollte. Doch Anjelica küsste ihn mit ganzer Leidenschaft.

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„Pass auf Dich auf, Jelica und wenn irgendetwas sein sollte, ruf an, ich komme sofort zu Dir. Versprich’ mir das bitte.“

Sie nickte anstatt einer Antwort und verließ seine Wohnung. Ihm war jedoch nicht wohl bei dem Gedanken, die Polizei nicht verständigt zu haben. Sein Entschluss jedoch stand fest.Sie musste Eric verlassen und wenn sie es ihm nicht sagen konnte, dann würde er das eben tun. Ja, er würde Eric bei der erstbesten Gelegenheit reinen Wein einschenken.





Kapitel 81 folgt...

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 17:57

Bitte auch vorheriges Kapitel beachten!




Kapitel 81




Ende einer Ehe




Anjelica sah zur Wanduhr, es war kurz vor 20 Uhr. Wie lange weilte sie nun schon in der Vergangenheit? Viel zu lange, wie sie fand. Nur noch drei Tage, dann hatte sie es endlich überstanden. Als sie Trish vorhin in den Armen gehalten hatte, hätte sie am liebsten alles abgeblasen. Was war nur aus ihr geworden? Müde schloss sie die Augen. Sie hatte Trish trotz allem immer geliebt und liebte sie immer noch abgöttisch. Und dennoch erwartete sie von ihr dieses Opfer. In der Zeit nach ihrem Streit mit Eric war Trish der Ruhepol in ihrem Leben gewesen…

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Rückblick


Einige Wochen waren seit dem Vorfall vergangen. Über den Streit und Eric’ s Ausraster hatten weder Anjelica noch ihr Mann ein Wort verloren. Beide hatten es bewusst verdrängt und lebten fortan nebeneinander her. Auch übernachtete Anjelica seit jenem Abend im Gästezimmer. Durch Trish wurde sie ein wenig von ihren Sorgen abgelenkt. Ihre Tochter nahm sie völlig in Beschlag. Sie gingen viel spazieren, in den nahe gelegenen Tierpark, besuchten den Zoo, sie brachte ihr das Schwimmen bei, malte und sprach viel mit ihr. Trish war ein sehr wissbegieriges Kind, das viele Fragen stellte, auf die sie nicht immer die passenden Antworten parat hatte.

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Vor allem freute es Anjelica, dass sich Trish so gut mit Fabio verstand. Er spielte sehr gerne mit dem blonden aufgeweckten Mädchen und die Kleine hatte den etwas älteren Jungen in ihr Herz geschlossen, sowie auch Fabio. Er freute sich immer sehr, wenn Anjelica mit Trish zu Besuch kam.

Carlo indes hatte Wort gehalten und nichts in Bezug auf Eric unternommen, obwohl es ihm sehr schwer gefallen war. Wie oft hatte er auf sie eingeredet, zur Polizei zu gehen und Eric wegen häuslicher Gewalt anzuzeigen? Doch Anjelica hatte sich vehement dagegen gewehrt. Das hatte die Zusammenarbeit zwischen Carlo und Eric nicht einfach gemacht. Beide Unternehmen gehörten dem gleichen Konsortium an, so dass man sich immer wieder bei Meetings traf oder sich anderweitig über den Weg lief. Die einstmals gute Freundschaft, die jedoch nie so eng gewesen war, wie die zu Henry Fairchild, hatte durch Carlo’ s dunkle Geschäfte einen herben Riss erhalten. Bei einem gemeinsamen Projekt war Eric mittendrin ausgestiegen und hatte Carlo mit einem großen Verlustgeschäft sitzen lassen. Außergerichtlich hatte man sich zwar auf einen Vergleich geeinigt, aber Carlo hatte ihm das sehr übel genommen.


Es war an einem heißen Augusttag, als sich Anjelicas Leben schlagartig ändern sollte. Eric hatte heute einen Termin mit Henry, bei dem auch Carlo anwesend war. Anjelica hatte kein gutes Gefühl dabei. Irgendetwas lag in der Luft und sie spürte es. Um sich abzulenken, nutzte sie den Tag, um mit Trish den nahe gelegenen Aussichtspunkt aufzusuchen.

Obwohl sie ahnte, dass Trish wahrscheinlich kein Wort von dem verstand, was sie ihr erzählte, zeigte sie ihr, wo Carlo und Fabio wohnten: „Schau, mein Schatz. Da drüben das große Haus, da wohnen Onkel Carlo und Fabio.“

Leise brabbelte die Kleine vor sich hin und sagte. „Fabiiii, daaaaa daaaaa.“

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„Ja, Fabio und Onkel Carlo wohnen da drüben“, lächelte sie und strich ihr zärtlich über die Wange.

Sie unterhielt sich viel mit ihr, brachte ihr immer wieder neue Wörter bei, während Trish aufmerksam zuhörte. Anjelica liebte diese Stunden mit ihrer Tochter und wollte sie keine Minute missen. Das einzig Positive, was sie aus ihrer Ehe mit Eric ziehen konnte. Die Kleine hatte dessen blonde Haare, aber Anjelicas dunklen Teint sowie das Muttermal unter dem rechten Auge geerbt, während die Augen ein helles Blau hatten.

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Trish, so war Anjelica überzeugt, würde später einmal so manchem Mann den Kopf verdrehen. Leise sagte sie zur ihr: „Du wirst Dich später einmal vor Männern nicht retten können, meine Süße. Mach‘ aber nicht die gleichen Fehler wie Deine Mama, mein Schatz.“

„Mama, Zi… Zi…“, versuchte sie das italienische Wort für Onkel zu formen, was ihr jedoch nicht gelingen wollte.

„Zio, mein Schatz, Onkel Carlo, Zio“, sprach sie ihr langsam vor.

Carlo sprach oft italienisch mit ihr und hatte ihr schon einige Brocken beigebracht. Aber sie war noch zu klein und so brachte sie oftmals die Wörter durcheinander.

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Anjelica liebte es, mit Trish zu kuscheln und mit ihr zu knuddeln. Es gab für sie nichts schöneres, wenn die Kleine sie anstrahlte oder laut quiekte, wenn sie sie durchkitzelte.

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Oftmals brachen dabei beide in schallendes Gelächter aus. Wenn sie die Zeit hätte anhalten können, dann hätte sie dies getan. Trish ließ sie immer wieder für einen kurzen Moment ihre Sorgen und ihren Kummer vergessen.

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Anjelica blickte hinüber und genoss die herrliche Aussicht auf Bridgeport, die immer leicht im Nebel lag. Wehmütig sah sie dabei auf Carlos Appartement. Ob es je eine Möglichkeit geben würde, mit ihm zusammenleben zu können? Könnte sie Eric je verlassen, ohne nicht Gefahr zu laufen, Trish zu verlieren? Es würde ihr das Herz brechen. Warum war nur alles so kompliziert geworden?

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Den halben Tag verbrachten sie am Aussichtspunkt, aßen dort zu Mittag, ehe Anjelica mit ihr zum Park rüber fuhr. Sie ließ Trish eine Weile schaukeln…

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…bis sie bockte und nicht mehr wollte. Oh ja, mitunter konnte sie recht bockig sein.

„Was ist, willst Du nicht mehr?“

„Mhm, mhm“, schüttelte Trish den Kopf und verschränkte ihre Arme demonstrativ ineinander. Nach einer Weile kam dann ein lang gezogenes „Duuurs, Mamaaaa.“

„Du hast Durst?“, wollte Anjelica wissen.

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Sie hob sie von dem Schaukelpferdchen, das die Form einer Biene hatte und setzte sie daneben ab, um ihr etwas aus der Flasche zu trinken zu geben. Nachdem die Flasche leer war, erhob sich Trish und wollte mit ihren kleinen Füßchen davon laufen.

Doch Anjelica hatte sie schnell durchschaut und hielt sie mit ihrer Hand fest. „Hiergeblieben, kleines Fräulein. Es wird Zeit, zu gehen.“

Doch Trish wollte nicht und setzte sich schmollend auf den Boden. „Mag nis“.

„Oh doch, wir gehen jetzt.“

Anjelica ging in die Hocke, um sie auf den Arm zu nehmen, während Trish ihr die kleinen Ärmchen entgegen streckte.

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Bevor sie sich jedoch auf den Heimweg begaben, sahen sie sich noch die Magier-Show an, die gerade angefangen hatte. Trish war ganz begeistert von den Darbietungen und brabbelte dabei so laut vor sich hin, dass die Magierin neugierig zu ihr sah.

„Du bist ja eine Süße. Will die kleine Lady vielleicht einmal herkommen?“, rief sie ihr lächelnd zu.

Doch Anjelica verneinte. „Vielleicht ein anderes Mal, aber wir müssen nach Hause.“

Trish hob ihren Arm, um der Frau zuzuwinken. „Zaaaauuuuuu.“

Die Frau lachte und rief. „Ciao, meine Kleine.“

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Es war schon gegen Abend, als Anjelica und Trish nach Hause kamen. Nachdem sie gemeinsam zu Abend gegessen hatten, brachte Anjelica Trish ins Bett. Nach einer kleinen Gutenacht-Geschichte war Trish relativ schnell eingeschlafen. Nachdem Anjelica die Küche aufgeräumt hatte, nahm sie eine Zeitschrift in die Hand, um es sich auf der Couch bequem zu machen.

Es war gegen 21 Uhr, als sie den Wagen ihres Mannes hörte. Unbeeindruckt las sie in ihrer Zeitschrift weiter, als sie Eric plötzlich die Treppe heraufstürmen sah. Sofort spürte sie, dass etwas passiert sein musste. Sie kam gar nicht mehr dazu, darüber nachzudenken, denn schon im nächsten Moment wurde ihr die Zeitung aus der Hand gerissen und sie grob von der Couch nach oben gezogen. Sie sah Eric verärgert an und erschrak augenblicklich bei dessen Anblick. Eric’ s Lippe war aufgesprungen und sein Gesicht blutbefleckt.

Aufgebracht schrie er sie an: „Weißt Du, wer das getan hat? Weißt Du das? Seit wann geht das mit Euch?“

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Sie wollte gerade fragen, was er damit meine, als er sie auch schon anbrüllte: „Halt‘ den Mund, Anjelica, ich warne Dich. Weißt Du, wie ich mir vorgekommen bin? Ich hätte eine Frau wie Dich gar nicht verdient, hat er gesagt und ich solle Dich nicht noch einmal anrühren. Welche Lügen hast Du denn verbreitet? Hä? Der Sex mit Dir wäre so toll und ich wäre ein Waschlappen, wenn ich nicht einmal merken würde, dass mich meine Frau betrügt. Dann ist der Kerl auf mich losgegangen und hat mir die Nase gebrochen. Das werde ich Carlo niemals verzeihen. Und Du verdammtes Miststück“, er packte sie dabei grob am Arm, „pack‘ Deine Koffer und verschwinde von hier. Ich will Dich nie mehr sehen. Und dass Du es weißt, ich zeige den Mistkerl an.“

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Anjelica war anfangs noch ruhig geblieben und hatte die harschen Worte still über sich ergehen lassen. Aber nun fauchte sie ihn aufgebracht an. „Das wirst Du nicht tun, Eric. Ansonsten zeige ich Dich wegen Körperverletzung und versuchter Vergewaltigung an.“

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Mit offenem Mund starrte er sie an: „Verge… was? Ich habe Dich doch gar nicht angerührt.“

„Das weiß doch die Polizei nicht, aber Du hast mich kürzlich verprügelt und das kann Carlo bestätigen. Und ja, ich habe eine Affäre mit ihm und wüsste nicht, was Dich das überhaupt noch angeht. Ich war in jener Nacht bei ihm, nur dass Du es weißt. Er hat die Hämatome gesehen, die Du mir zugefügt hast.“

Kalt lächelnd blickte sie ihrem Mann ins Gesicht.

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Drohend baute er sich vor ihr auf. „Das wirst Du nicht tun…“

Doch unbeeindruckt stellte sie sich gegen ihn. „Und ob ich das tun werde. Wenn Du Carlo anzeigst, dann zerre ich Dich vor Gericht. Das schwöre ich Dir.“

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„Du hast ja schon viel von Deinem sauberen Liebhaber gelernt. Geh‘ mir aus den Augen und verschwinde und noch etwas… Trish bleibt hier. Du bist kein Umgang für sie.“

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Erschüttert schloss sie die Augen. Nein, niemals würde sie ihre Tochter hier lassen. Er konnte sie nicht einschüchtern.

„Verschwinde von hier. Ich will nichts mehr mit Dir zu tun haben“, zischte er.

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Damit ließ er sie einfach stehen und ging ins Schlafzimmer, um mit einem lauten Knall die Tür ins Schloss fallen zu lassen. Am liebsten wäre sie ihm nachgegangen, aber sie wollte Trish nicht wecken, wenn sie bei dem Lärm, den sie beide veranstaltet hatten, nicht schon wach geworden war. Nein, sie würde nicht ohne Trish gehen. Das konnte er nicht von ihr verlangen. Aber hier konnte sie auch nicht mehr bleiben. Es war sinnlos, überhaupt noch etwas Gutes in dieser Ehe zu finden. Sie kannte Eric, er hatte es ernst gemeint. Jedes Gott verdammte Wort hatte er genauso gemeint, wie er es gesagt hatte. Was war genau passiert? Sie musste Carlo unbedingt danach fragen. Hilflos und mit ihren Nerven am Ende schlug sie weinend die Hände vors Gesicht.

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Noch in der Nacht packte sie ihre Koffer. Nein, hier würde sie nicht mehr bleiben können.

Aber wo sollte sie hin? Zu Carlo?


Anjelica hatte schlecht geschlafen und war wie erschlagen am nächsten Morgen aufgewacht. Eric stand im Wohnzimmer, während Trish in einer Ecke spielte, als Anjelica die Treppen herunter kam. Lächelnd ging sie vor Trish in die Hocke, die ihr schon die Ärmchen entgegen streckte und nahm sie in die Arme.

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Leise murmelte sie, während ihr die Tränen über die Wange liefen: „Mama geht für eine Weile weg, mein Schatz. Aber ich bin bald wieder da und dann kommst Du zu mir. Vergiss‘ nie, dass ich Dich sehr sehr lieb habe.“

Sie schluckte und starrte unter Tränen ins Leere. Ein kurzer Augenblick in ihrem Leben, der alles verändert... der sie verändert hatte… Wie lange war es her?

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Mit schmerzverzerrtem, aber auch sehr entschlossenem Gesichtsausdruck sah sie Eric an, der mit dem Rücken zu ihr stand.

„Ich werde nicht zulassen, dass Du mir Trish nimmst. Ich werde um sie kämpfen, Eric. Verlass‘ Dich drauf.“

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Angewidert drehte sich Eric zu Anjelica und fauchte: „Trish bleibt hier. Du wirst sie nie mehr sehen, das schwöre ich Dir. Ein billiges Flittchen ist kein Umgang für meine Tochter. Und nun hau‘ endlich ab. Geh‘ mir aus den Augen.“

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Sie setzte Trish ab und ging auf Eric zu. Drohend sagte sie: „Du kannst mir nicht den Umgang mit ihr verbieten und wenn Du mich noch einmal Flittchen nennst. Du bist nicht schuldlos daran, wie alles gekommen ist.“

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„Ach, jetzt bin ich Schuld, wenn Du für Carlo die Beine breit machst? Aber weißt Du was? Ihr beide passt zusammen. Ihr habt Euch gesucht und gefunden. Viel Glück mit ihm.“

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Wortlos ging sie in die Hocke, um Trish noch einmal in den Arm zu nehmen. Doch als Eric ihr Trish entreissen wollte, presste sie die Kleine so fest an sich, bis diese heftig zu weinen anfing.

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Um ihr nicht weh zu tun, ließ sie es schließlich zu, dass Eric sie ihr aus den Armen riss. Während er mit der einen Hand Trish auf dem Boden absetzte, schubste er Anjelica mit der anderen Hand grob zur Seite, als diese zu Trish eilen wollte. Anjelica verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte zu Boden.

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Im ersten Moment blieb ihr die Luft weg, als sie hart auf ihren immer noch schmerzenden Rücken fiel. Mühevoll rappelte sie sich hoch, während sie Trishs Wimmern hörte. Die Kleine hatte zu weinen begonnen, als Anjelica gestürzt war.

Eric zog sie nach oben in Richtung der Treppe. Aufgebracht schrie er dabei: „Du wirst Trish nie mehr wiedersehen, Du Miststück. Und jetzt bewege Deinen Hintern zur Tür raus und verschwinde aus meinem Leben.“

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Erbost hob sie den Zeigefinger. „Eric, das werde ich nicht zulassen. Ich werde Trish mitnehmen. Ich bin ihre Mutter.“

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„Mutter?“, höhnte er verächtlich. „Eine schöne Mutter bist Du, die es mit jedem treibt, der ihr über den Weg läuft. Bei so einer lasse ich doch meine Tochter nicht. Ich werde auch um sie kämpfen, verlass‘ Dich drauf und nun geh mir endlich aus den Augen.“

Erneut wollte er Anjelica packen, als plötzlich ein zu Herz ergreifendes Schluchzen ertönte.

Trish saß auf dem Boden und weinte: „Mama niiis weh mahn.“ Dann rappelte sie sich hoch und krabbelte aus dem Zimmer.

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„Das hast alleine Du zu verantworten, Anjelica. Hau endlich ab“, fauchte Eric sie an.

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, ergriff er ihren Koffer und zog sie an seiner Hand hinter sich her. An der Haustür angekommen, öffnete er diese, warf die Koffer hinaus und schubste sie nach draußen.

„Lass‘ Dich hier nie mehr blicken“, drohte er ihr, um verächtlich fortzufahren: „Ich hätte mir ja denken können, was für eine Du bist, als Du gleich in der ersten Nacht mit mir ins Bett gegangen bist.“

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Angewidert spuckte er auf den Boden, ehe er sich umdrehte, um ins Haus zurückzugehen. Er musterte sie noch einmal, ehe er die Tür zuwarf.

Aus und vorbei. Ihre Ehe war zu Ende.


Verzweifelt stand Anjelica da, während ihr die Tränen unaufhörlich übers Gesicht liefen. Was sollte sie nur tun? Es gab nur einen Weg, sie musste Trish hierlassen. Noch immer hallte ihr Weinen ihr den Ohren. Wie hatte es nur so weit kommen können? Aber sie würde um sie kämpfen.

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Ein Monat war seit dem Vorfall vergangen. Carlo hatte sie ohne zu zögern bei sich aufgenommen und sich nochmals dafür entschuldigt, dass er Anjelica in seinem Streit mit Eric mit hineingezogen hatte.

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Von Eric‘ s Anwalt wurde ihr mitgeteilt, dass dieser die Scheidung eingereicht habe. Ferner wurde Anjelica mittels einstweiliger Verfügung angeordnet, sich von Trish fern zu halten. Sie nahm diesen Sorgerechtsstreit mit Eric sehr mit und hatte einiges an Gewicht verloren. Carlo sorgte sich sehr um sie und wollte mit ihr nach Monte Vista fliegen, was sie jedoch strikt ablehnte. Sie stürzte sich in die Arbeit, lernte von Carlo, wie man erfolgreich und nicht immer auf legale Weise Geschäfte machte. Kurzum, er führte sie in seine dunklen Geschäfte ein. Innerhalb kürzester Zeit gehörten Erpressung und Korruption zu ihrem Geschäftsalltag. Sie organisierte Treffen mit Mafia-Bossen, verhandelte auch ohne Carlo mit ihnen. Sie wurde zu Carlos wichtigster Person in diesem Bereich. Aber es war auch gefährlich, da sie zum ersten Male die Macht verspürte. Das Gefühl, durch Druck und Drohung alles erreichen zu können.

Aber sie sollte einen Fehler begehen, der sie dazu zwingen würde, alles hinter sich lassen zu müssen.


Das Zusammenleben mit Carlo indes bestand hauptsächlich aus Geschäften und Sex. An mehr waren beide nicht interessiert. Er hatte es mittlerweile aufgegeben, um sie zu werben, da sie wiederholt abgelehnt hatte, seine Frau zu werden.

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Dennoch war sie eifersüchtig auf jedes weibliche Lebewesen, das Carlo‘ s Weg kreuzte und ganz besonders auf eine blonde Texanerin, die vor kurzem in der Stadt aufgetaucht war:

Caroline Albright.

Die grünäugige Blondine war ihrem Verlobten Henry Fairchild nach Bridgeport gefolgt und gemeinsam hatten sie sich in unmittelbarer Nähe zu Carlo‘ s Anwesen ein Haus gekauft. Henry und Carlo hatten ihre Freundschaft intensiviert und beiderseitige Geschäftsbeziehungen aufgenommen, nachdem Eric Hudson Carlo hatte hängen lassen.

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Caroline war Anjelica von Anfang an ein Dorn im Auge. Sie hätte nicht einmal genau sagen können, warum sie etwas gegen sie hatte. Vielleicht lag es daran, dass Carlo sehr viel Zeit mit den Beiden verbrachte und böse Zungen behaupteten, Carlo sei an der hübschen Texanerin interessiert. Auch das aufkommende Gerücht, Carlo, Henry und Coroline würden eine Dreiecksbeziehung führen, war Nährboden für ihre Eifersucht.

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Obwohl Anjelica nur einmal bislang mit Caroline zusammengetroffen war, hatte sie kaum ihre Eifersucht zügeln können. Erst eine leidenschaftliche Nacht mit Carlo, der ihr versichert hatte, sie wären lediglich miteinander befreundet, hatten Anjelica vorerst besänftigt…

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Kapitel 82 folgt...

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 18:07

Bitte auch vorheriges Kapitel beachten!




Kapitel 82






Mit den Waffen einer Frau




Seufzend erhob sich Anjelica von ihrem Stuhl und stellte ihr Glas in die Spülmaschine. Die kleine Zeitreise in die Vergangenheit, hatte sie innerlich aufgewühlt. Ihr Beide seid Euch ähnlicher als Ihr denkt. Ihr werdet nie voneinander loskommen. Caroline hatte diese Worte einst zu ihr in Carlo‘ s Büro gesagt und sie hatte Recht behalten sollen. Sex war immer der wichtigste Bestandteil in Anjelica' s Zusammenleben mit Carlo gewesen. Wenn sie geschäftlich auch nicht immer einer Meinung gewesen waren und sich oftmals in den Haaren hatten, im Bett hatten sie sich immer wieder versöhnt. Niemals mehr hatte sie einen Mann wie Carlo getroffen. Bis heute nicht.

Im Wohnzimmer lief immer noch der Fernseher, als Anjelica daran vorbeikam, um wieder in ihr Zimmer hinauf zu gehen. Gewöhnlich sah sich Carlo um diese Zeit die Abendnachrichten an, sowie auch an diesem Abend. Es wurde gerade vom diesjährigen Schachturnier berichtet, wie sie aus dem Augenwinkel erkennen konnte.

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Sie verharrte kurz und rieb sich den Nacken. Carlo saß alleine im Wohnzimmer und dann wusste sie plötzlich, was sie zu tun hatte… was sie tun musste…

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Rasch lief sie nach oben, um sich umzuziehen. Anjelica legte ein teures Parfüm auf und inspizierte ihren Kleiderschrank. Schließlich entschied sie sich für ein Kleid, das viel Bein und Haut zeigte, sowohl vorne als auch hinten tief ausgeschnitten war, dazu hochhackige Pumps. Sie legte einen zartroten Lippenstift auf, steckte ihre Haare nach oben, um nach einem prüfenden Blick im Badezimmerspiegel, wieder nach unten ins Wohnzimmer zurückzugehen.

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Wie sie es vermutet hatte, saß Carlo immer noch auf der Couch, vor sich ein Glas Rotwein. Als sie herein kam, lief sie lasziv an ihm vorbei, während sie seinen Blick in ihrem Rücken spürte. In diesem Moment wusste sie, dass sie die Wirkung erzielt hatte und dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis sie ihn da hatte, wo sie ihn haben wollte.

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„Kann ich auch ein Glas haben?“, fragte sie ihn mit rauer Stimme und nahm auf der Couch Platz, die am Panoramafenster stand.

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Er holte ein zweites Glas aus dem Schrank und füllte es mit dem erlesenen Rotwein, das er ihr in die Hand gab. Anjelica bedankte sich und trank einige Schlucke, ehe sie das Glas auf dem Tisch abstellte. Dabei beugte sie sich absichtlich ein wenig nach vorne, um ihm eine tiefen Blick in ihr Dekolleté zu gewähren. Schon als sie an ihm vorbeigekommen war, hatte Carlo sofort registriert, dass sie keinen BH trug.

Aufreizend glitt sein Blick über ihre Beine, dem Saum ihres Kleides, der nur knapp ihre Oberschenkel verdeckte, um schließlich auf ihrem Dekolleté zu verharren. „Gehst Du noch weg?“

Überrascht sah sie ihn an: „Wie kommst Du denn darauf?“

Seine Augen hafteten immer noch auf dem Ansatz ihrer Brüste, ehe er erwiderte: „Na ja, so wie Du Dich herausgeputzt hast.“

„Ach, findest Du? Vielleicht will ich Dir ja gefallen.“

Doch darauf bekam sie nur ein lapidares und lang gezogenes: „Sooo? Findest Du?“ zu hören. Er hob sein Glas vom Tisch. „Cheers, meine Liebe“, protestet er ihr zu, ohne seinen Blick von ihr zu wenden. Doch schließlich fragte er lauernd: „Was hast Du vor, Jelica? Ich kenne Dich zu gut. Du planst doch irgendetwas. Warum sollest Du Dich sonst so angezogen haben?“

Ihre Antwort klang kühler als beabsichtigt. „Bilde Dir nur nichts darauf ein, Carlo. Mir war einfach danach, mich chic anzuziehen.“

Doch Carlo glaubte ihr kein Wort, dafür kannte er sie zu lange und zu gut.

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Er begann ein belangloses Gespräch, ehe sie darüber sprachen, wie es mit ihr weitergehen würde, wenn sie erst einmal außer Landes war und die Polizei ihr nichts mehr anhängen konnte. Carlo hatte seine Kontakte spielen lassen, niemand würde Anjelica belasten können. Aufmerksam hatte sie ihm zugehört, während ihr Blick immer wieder an seiner breiten Brust hängengeblieben war. Es war an der Zeit, etwas aktiver zu werden, da Carlo keine Anstalten machte, sich ihr zu nähern.

Sie stand auf, nahm ihr Glas in die Hand, um schließlich dicht neben Carlo Platz zu nehmen. Dabei richtete sie es so ein, dass sie sich immer weit nach vorne beugte und ihn dabei keine Sekunde aus den Augen ließ, während sie sich unterhielten.

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Wie unbeabsichtigt berührte sie sein Knie, als sie ihr Glas vom Tisch nehmen wollte. Sie spürte, wie sich Carlos Blick dabei in ihren halbnackten Rücken bohrte. Wie zufällig lehnte sie sich beim Zurücksetzen an seine Schulter, während sie ihn verführerisch anschaute und ihre Hand auf seinen Oberschenkel legte. Aufreizend ließ sie ihre langen schmalen Finger über den Stoff seiner Hose wandern, um schließlich an seinem Schritt zu verweilen. Carlo legte seinen Arm um sie und ließ sie gewähren, während er das heftige Auf- und Absenken ihrer Brüste beobachtete. Als ihr Zeigefinger an seiner nackten Brust entlang strich, sog er scharf die Luft ein.

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Doch schließlich war es mit seiner Selbstbeherrschung vorbei. Er legte den Arm um sie und zog sie an sich. Hastig suchte sein Mund ihre Lippen, während seine Zunge leidenschaftliche ihre Mundhöhle erforschte. Anjelica erwiderte diesen Kuss mit der gleichen Intensivität. Erregt nestelte sie an seiner Gürtelschnalle, während sie ihm heiser ins Ohr flüsterte: „Schlaf mit mir, Carlo.“

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Als wäre es das Stichwort gewesen, zog er sie blitzschnell mit sich nach oben und küsste sie immer wieder, während seine Hand zärtlich über ihren nackten Rücken strich.

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Tief ließ er seine Hand in ihr Kleid gleiten, bis diese den Bund ihres Slips ertastete. Hastig ergriff er ihre Hand und flüsterte ihr erregt ins Ohr: „Komm‘ mit nach oben, Jelica.“

Noch auf dem Weg nach oben, begann Anjelica an Carlo‘ s Kleidungsstücken zu nesteln und musste dabei aufpassen, nicht über die Stufen zu stolpern. Er war schon halb ausgezogen, als er die Tür zu seinem Schlafzimmer aufstieß und sie mit hinein zog. Achtlos warf er Hemd, Hose und Schuhe auf den Boden und streifte ihr rasch das Kleid von den Schultern. Als sie nur noch im Slip voreinander standen, keuchte Carlo atemlos. „Du bist immer noch wunderschön, Jelica. Schön und gefährlich zugleich. Keine gute Kombination. Vermutlich werde ich es morgen bereuen. Aber ich will Dich auch, jetzt und hier und…“

Doch weiter kam er nicht, da sie sich eng an ihn presste und seinen Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss verschloss.

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Erregt ließen sie sich aufs Bett sinken, während seine Hände über ihren makellosen Körper strichen. Immer wieder küssten sie sich, bis sich seine Lippen auf ihren Hals legten und seine Zunge über ihren Körper glitt und ihre empfindlichsten Stellen berührte.

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Schließlich wurde Anjelica aktiv und Carlo fand sich unter ihr wieder. Aufreizend beugte sich über ihn und berührte ihn an Stellen, die ihn wild aufstöhnen ließen.

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Als sie es beide nicht mehr aushielten, verschwanden sie stöhnend unter der Bettdecke und gaben sich ihrer Leidenschaft hin. Immer und immer wieder. Viel zu lange waren sie voneinander getrennt gewesen. Ob sie es nun wahrhaben wollten oder nicht, sie hatten ihren gemeinsamen Sex vermisst und genossen diesen nun in vollen Zügen.

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Es war schon weit nach Mitternacht, ehe sie total erschöpft, aber glücklich, nebeneinander lagen und noch eine Weile miteinander kuschelten. Während Anjelica nur wenig später in Carlo‘ s Armen eingeschlafen war, lag dieser noch lange wach. Nachdenklich sah er auf die schlafende Frau an seiner Seite. Er war nie wirklich von ihr losgekommen. Anjelica war die Frau gewesen, die er immer hatte haben wollen, aber seitens seiner Eltern darauf hatte verzichten müssen.

Seine Ehe mit Caitlyn war kinderlos geblieben. Er hatte sich bemüht und mit ihr ein ganz normales Familienleben führen wollen. Aber immer, wenn Anjelica nach Monte Vista gekommen war, dann waren alle seine Vorsätze wie weggeblasen gewesen und er hatte sich seiner Leidenschaft mit ihr hingegeben. Oftmals hatte er sich vorgestellt, wie es gewesen wäre, hätte sie ihm vertraut. Vielleicht wären sie eine glückliche Familie geworden und hätten vielleicht auch schon Enkelkinder. Vielleicht. Caitlyn war nie die Mutter gewesen, die er sich für Fabio gewünscht hatte. Sie hatte sich bemüht, war aber nie wirklich an ihn herangekommen. Vermutlich hatte alles so sein sollen.

Anjelica‘ s plötzliches Verschwinden, nur ein halbes Jahr nach ihrer Scheidung, hatte Carlo ratlos zurückgelassen. Von heute auf morgen war sie nicht mehr da gewesen. Einfach so aus seinem Leben verschwunden, als hätte sie nie existiert. Wo war sie hin gegangen? Er hatte Privatdetektive beauftragt, doch ohne Erfolg. Nach einem fürchterlichen Streit mit seinem besten Freund Henry, der ihn für das Scheitern Eric‘ s Ehe mitverantwortlich gemacht und ihm vorgeworfen hatte, sich an Caroline heranmachen zu wollen, hatte er schließlich einen folgenschweren Entschluss gefasst. Ein Plan, der schon lange in ihm gereift war. Anjelica war nicht mehr da, seine Freundschaft zu Eric und Henry in die Brüche gegangen, die kleine Trish, sein Sonnenschein, kein Bestandteil mehr in seinem Leben. Nachdem er seine Geschäfte in Bridgeport in Ordnung gebracht und sich von Caroline verabschiedet hatte, war er gemeinsam mit Fabio nach Monte Vista zurückgekehrt. In der Folgezeit hatte er sich mit anderen Frauen abzulenken versucht, war der Playboy schlechthin in Monte Vista‘ s High Society geworden. Sehr zum Leidwesen seiner Eltern, die ihm immer ins Gewissen geredet hatten, dass er auch an Fabio denken solle und ihm gegenüber Verantwortung übernommen hätte. Aber erst ein Fahrradunfall Fabio‘ s, bei dem es den Kleinen böse erwischt hatte, hatten ihn schließlich zur Einsicht bewogen und ihn an sein Versprechen erinnern lassen. Wäre Fabio damals nicht gewesen, dann wäre er vermutlich vor die Hunde gegangen.

Tief in seinem Inneren jedoch hatte er nie aufgehört, seiner verlorenen Liebe nachzutrauern. Ihr werdet nie voneinander loskommen. Worte einer klugen Frau, von der nur sie und er wussten, was wirklich gewesen war. Er vertraute ihr. Sie würde den passenden Zeitpunkt finden, das wusste er. Sie hatte ihn immer verstanden, manchmal auch ohne Worte. Aber irgendwann, vielleicht schon bald, da war er sich sicher, würde er Farbe bekennen müssen.

Dass Carlo diesem Zeitpunkt jedoch bereits näher gekommen war, als er es geahnt hatte, hatte er nicht wissen können. Wäre dann alles anders gekommen? Vielleicht.


Carlo drehte sich seufzend auf den Rücken. Anjelica atmete ruhig und schien fest zu schlafen, wie er zufrieden feststellte. In ein paar Tagen würde sie für immer aus seinem Leben verschwinden. Aber sie konnte nicht hierbleiben, es war einfach zu gefährlich. Trish war in seiner Obhut und er würde nicht zulassen, dass ihr irgendetwas zustoßen sollte. Es hatte eine Zeit gedauert, bis Carlo herausgefunden hatte, wer hinter dem Anschlag und all den Drohungen steckte. Tag und Nacht hatte er sich den Kopf zermürbt, wie er Mutter und Tochter aus der Schusslinie halten konnte. Die Hochzeit war eine von vielen Optionen gewesen. Vielleicht würde Anjelica ihn irgendwann verstehen, wenngleich er genau wusste, dass sie es ihm nie verzeihen würde.

Übermorgen würden Fabio und Julie von ihrer Hochzeitsreise zurückkommen. Allerdings würde ihr Aufenthalt in Bridgeport nicht von langer Dauer sein. Gestern hatte er lange mit Fabio telefoniert und ihn dabei unterrichtet, dass er dringend in Starlight Shores gebraucht wurde. Eine von Carlo‘ s Firmen stand seit ein paar Tagen ohne Geschäftsführer da, nachdem der bisherige einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte und die Geschäfte nicht mehr würde weiterführen können. Fabio hatte ohne Zögern zugestimmt und würde nun für unbestimmte Zeit zusammen mit Julie nach Starlight Shores ziehen. Carlo war dies ganz Recht gewesen, denn dann wären die beiden ebenfalls aus der Schusslinie.

Jedoch stellte sich Carlo permanent die Frage, wo Julie‘ s Bruder war. Craig Collville war nirgendwo aufzutreiben. Aber Carlo hatte herausgefunden, dass er Monte Vista mit unbestimmten Ziel verlassen hatte. Es machte ihn unruhig, da er nicht wusste, welche Rolle Craig spielte. Aufgrund dessen hatte er einen Detektiv beauftragt, der Julie’ s Bruder ausfindig machen sollte.

Carlo strich Anjelica über die Wange, während sein Arm ihre Taille umschlang. Leise murmelte er: „Dir wird nichts passieren, Jelica. Das verspreche ich Dir. Niemand wird Dir etwas antun. Vielleicht wirst Du mich irgendwann verstehen und mir verzeihen. Ich habe Dir damals ein Versprechen gegeben und ich werde es nicht brechen.“ Flüsternd fügte er hinzu: „Ich liebe Dich und werde Dich immer lieben, Jelica. Egal, was auch passiert.“ Vorsichtig nahm er ihre Hand und zog sie an seine Lippen, ehe er sie fest in seiner umschloss und kurz darauf auch endlich eingeschlafen war.

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Am nächsten Morgen



„Wir sollten kein großes Drama daraus machen. Letztendlich haben wir beide bekommen, was wir wollten.“

Anjelica kam gerade in ein Badetuch gewickelt aus dem Badezimmer und sah Carlo an, der auf dem Bett lag. Relativ nüchtern hatte sie ihre gemeinsame Nacht betrachtet.

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Ihre Worte hatten Carlo jedoch einen Stich versetzt. Ihm hatte die vergangene Nacht weitaus mehr bedeutet als ihr anscheinend. Aber das würde sie nie erfahren. „Warum haben wir eigentlich nie geheiratet?“, fragte er plötzlich unvermittelt, während sie sich gerade wieder auf dem Bett niedergelassen hatte.

Überrascht sah sie ihn an, ehe sie sagte: „Du weißt warum, Carlo. Ich war Deinen Eltern nicht gut genug.“

Carlo seufzte auf. „Damals vielleicht schon, aber warum später nicht? Meine Eltern leben nicht mehr, wir müssen uns doch vor Niemandem rechtfertigen. Du bist die Frau, die ich immer gewollt habe. Mit keiner Frau hatte ich im Bett so viel Spaß wie mit Dir. Jelica, Du bist immer noch eine sehr begehrenswerte Frau und ich werde auch nicht jünger. Lass‘ es uns doch ganz einfach versuchen.“

Er hielt den Atem an, bereits ahnend, was sie ihm antworten würde.

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Anjelica runzelte die Stirn, ehe sie erwiderte: „Du hast Trish vergessen und Deinen Plan, den ich notgedrungen unterschrieben habe. Du willst mich doch nur heiraten, um die alleinige Kontrolle über mich zu halten. So kann ich Dir wenigstens nicht gefährlich werden. Nicht wahr? Oh nein, Carlo. Ich muss mich um wichtige Geschäfte kümmern, war schon viel zu lange weg.“

„In England?“, wollte er neugierig wissen.

„Ich wüsste nicht, was Dich das angeht, mein Lieber. Wir haben einen Deal. Du hältst Dich aus meinem und ich aus Deinem Leben raus“, zischte sie verärgert.

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Schnell stand sie auf. Sie mochte diese Art Gespräche nicht, von denen sie nur zu gut wusste, auf was es letztendlich hinaus laufen würde.

Carlo war ebenfalls aufgestanden. Er nahm ihre Hand und beugte sich zu ihr. „Ganz wie Du willst, meine Liebe. Aber es wird ein sehr heftiger Krieg, wenn Du Dich nicht an die Abmachung hältst. Ich werde Dich nicht verschonen, Jelica. Das sollte Dir bewusst sein.“

„Nun, das hatte ich auch nicht erwartet, Carlo. Ich nehme die Herausforderung an. Diesmal bin ich am Zug und ich werde Dich vernichten, wenn es nötig sein muss.“

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Süffisant grinste er sie an, während er sie an sich zog und fordernd küsste. Schließlich sagte er herausfordernd, sie dabei immer noch fest an sich gepresst: „Dann wünsche ich Dir mal viel Glück. Ach ja, ich hoffe, Trish hat im Bett genauso viel Temperament wie Du, mein Schatz. Dann sollte es uns bestimmt nicht langweilig werden.“

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Heftig stieß ihn Anjelica von sich und zischte leise mit einem warnenden Unterton in der Stimme: „Wenn Du Trish wehtust, dann wirst Du Dir wünschen, mich niemals kennengelernt zu haben, Carlo. Das schwöre ich Dir, das ist mein voller Ernst. Haben wir uns verstanden?“

Unbeeindruckt erwiderte er: „Du solltest dankbarer sein, mein Schatz. Ich kann Dich immer noch auffliegen lassen, vergiss das nicht.“

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Zornig drehte sie sich um und war schon auf dem Weg ins Badezimmer, ehe sie giftete: „Dann sei Dir mal nicht so sicher, ob ich dann nicht auch auspacken werde. Wir sitzen im gleichen Boot, Carlo.“

Ehe er noch etwas erwidern konnte, warf sie schwungvoll die Tür zu. Carlo hatte sie provozieren wollen und mit dieser Reaktion gerechnet. Aber sie würde niemals erfahren, dass er Trish nicht anrühren würde. Nein, er würde Anjelica in dem Glauben lassen, sexuell mit Trish auf seine Kosten zu kommen.

Immer noch verärgert zog sie währenddessen den Bademantel an, der am Haken hing und ging ohne ein weiteres Wort zur Tür hinaus. Sie wollte gerade in ihr Schlafzimmer gehen, um sich anzuziehen, als ihr Handy läutete, während sie Trish von unten rufen hörte…



Wenige Minuten zuvor



Dadurch, dass Trish am gestrigen Abend schon zeitig geschlafen hatte, war sie schon in den frühen Morgenstunden wach geworden. Im Haus war noch alles ruhig. Auch aus dem Schlafzimmer ihrer Mutter drangen keine Geräusche nach außen, als sie an deren Tür vorbeilief. Schnell huschte sie ins Badezimmer, um eine heißes Bad zu nehmen. Sie hatte leichte Kopfschmerzen und auch der Hals kratzte etwas. Sie würde doch hoffentlich nicht krank werden? Um 11 Uhr würde Alain zur Anprobe vorbeikommen. Somit hatte sie noch ein paar Stunden Zeit.

Nachdem sie sich im Badezimmer fertig gemacht und sich angezogen hatte, ging sie nach unten in die Küche. Dort stellte sie die Kaffeemaschine an und ging an den Kühlschrank, um Eier und Milch herauszuholen. Sie hatte sich entschlossen, ein paar Apfelpfannkuchen zu backen.

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Wenig später saß sie auf dem Barhocker und ließ sich die Pfannkuchen schmecken.

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Nachdem sie fertig war, stellte sie die restlichen Pfannkuchen in die Mikrowelle und räumte ihr Geschirr weg. Anschließend las sie noch die Zeitung. Von Anjelica und Carlo war immer noch nichts zu sehen.

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Als sie bemerkte, dass sie ihr Handy oben vergessen hatte, rannte sie nochmal schnell in ihr Schlafzimmer. Sie war gerade wieder dabei, nach unten zu gehen, als sie Schritte hörte, die von der oberen Treppe kamen. Anscheinend war Carlo endlich aufgestanden, denn mittlerweile war es bereits 10 Uhr. Eigentlich war er ein Frühaufsteher und saß spätesten um 8 Uhr am Frühstückstisch.

Rasch rief sie nach oben: „Das Frühstück ist fertig“ und begrüßte Carlo freundlich, während sie auf Anjelica wartete, die offensichtlich gerade telefonierte. Sie hörte nur noch: „Ich richte es ihr aus“, als Trish sie die Treppe herunterkommen sah.

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„Guten Morgen, mein Schatz“, begrüßte sie ihre Tochter, um gleich darauf fortzufahren: „Das war gerade Alain. Er schafft es heute Vormittag nicht mehr, weil er noch einige wichtige Termine hat. Er wird nun frühestens gegen 16 Uhr da sein, soll ich Dir ausrichten.“

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„Okay, dann werde ich meine Mails abarbeiten, da ist so einiges liegen geblieben. Der Kaffee ist in der Maschine, die Pfannkuchen in der Mikrowelle. Ihr müsst sie nur kurz aufwärmen. Ich gehe dann nach oben, bis nachher.“

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„Ja bis nachher“, sagte nun auch Carlo, der bisher schweigend neben Anjelica gestanden hatte.

Trish sah von einem zum anderen. Hatte sie sich getäuscht oder waren die beiden tatsächlich gemeinsam vom oberen Stockwerk die Treppen herunter gekommen? Das war eigentlich ungewöhnlich, denn Carlos Schlafzimmer lag im 2. OG, während sie und Audrey im 1. OG untergebracht waren. Ist Anjelica etwa bei Carlo gewesen und weshalb trägt sie dessen Bademantel? Sie legt doch immer sehr viel Wert auf angemessene Kleidung, auch wenn sie zuhause ist. Im Bademantel läuft sie normalerweise nie herum. Irgendwie verhalten sich die beiden seltsam. Aber letztendlich kann es mir auch egal sein.

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Währenddessen


Kyle wollte sich gerade einen Kaffee kochen, als sein Handy läutete. Eher widerwillig nahm er das Gespräch an, als er sah, dass es Charlene war. Was sie wohl wollte?

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Mit einem knappen und eher unpersönlichen „Ja, was gibt‘ s?“, meldete er sich.

„Kyle, hier ist Charly“, antwortet am anderen Ende eine helle Frauenstimme.

„Hi Charly. Was gibt es denn?“

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„Ich wollte mich nur mal erkundigen, wie es Dir so geht. Du machst Dich ja in letzter Zeit ziemlich rar.“

Kyle kratzte sich am Hinterkopf. War das wirklich so? Er selbst empfand es nicht so. „Na ja, ich habe viel zu tun. Eine Kollegin ist krank und die andere befindet sich in Mutterschutz. Ich fange frühmorgens an und komme abends spät nach Hause.“

„Ach, Du Ärmster“, flötete Charlene. „Weshalb ich anrufe. Ich habe für Samstagabend Kinokarten. Hast Du Lust, mich zu begleiten? Anschließend können wir noch etwas trinken gehen.“

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Kyle schaute auf den Wandkalender. Mit blauem Filzstift hatte er diesen Samstag markiert: Trishs Hochzeit mit Carlo! Er konnte unmöglich an diesem Tag irgendetwas unternehmen, geschweige denn, den Tag mit Charlene verbringen. Von diesem Tag hing so viel ab. Dieser Tag war richtungsweisend, ob und wie es mit ihm und Trihs weitergehen sollte.

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So sagte er gespielt bedauernd: „Tut mir leid, Charly. Aber da habe ich schon etwas vor.“

„Ach ja und was? Was kann denn so wichtig sein, dass Du mich schon wieder vertröstest? Dauert das etwa den ganzen Tag?“, fragte sie gereizt.

Sie wirkte recht ungeduldig und war auch ziemlich verärgert über seine so prompte Absage. Extra für den Kinoabend hatte sie die transparente Bluse gekauft, die sie gerade trug und unter der ein schwarzer Spitzen-BH durchblitzte. Sie hatte alles bis ins kleinste Detail geplant und wollte ihn endlich für sich gewinnen.

Nur schwer konnte sie ihre Wut unterdrücken, als sie hervor stieß. „Weißt Du was, Kyle? Ich glaube Dir kein Wort. Jedes Mal hast Du eine andere Ausrede.“

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„Charly, ich werde erst gegen späten Abend nach Hause kommen und zudem bin ich Dir keine Rechenschaft schuldig. Ein anderes Mal gerne, aber nicht an dem Samstag. Tut mir Leid. Ich…“

„Dann vielleicht die Woche drauf, Kyle? Hast Du da Zeit?“, wurde er hastig unterbrochen.

Kyle seufzte leise auf. „Mal sehen. Ich rufe Dich nochmal an.“

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Enttäuscht antwortete sie: „Das sagst Du jedes Mal und rufst dann doch nicht an.“

„Doch, ich werde mich bei Dir melden“, versuchte er sie zu besänftigen.

Tatsächlich lenkte sie auch versöhnlicher ein: „Na schön, dann gib‘ mir Bescheid, wenn Du mal Zeit für mich findest.“

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Kyle hatte den Unterton in ihrer Stimme bemerkt und verabschiedete sich deshalb schnell mit den Worten: „Ja, das werde ich“.

Noch bevor sie etwas darauf erwidern konnte, hatte er das Gespräch beendet. Er wollte sich jetzt auf keine längere Diskussion einlassen, die sowieso zu nichts führen würde. Schließlich kannte er Charly und ihre unsäglichen Launen lange genug.

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Er lief in die Küche und schaltete den Kaffeevollautomat ein. Nachdem er aus dem Küchenschrank einen Pad der Kaffeebox entnommen hatte, legte er diesen auf die Öffnung und drückte den Hebel herunter.

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Während das dunkle Gebräu langsam die Tasse fühlte, ging Kyle ins Wohnzimmer zurück. Nachdenklich setzte er sich auf die Couch und dachte zum wiederholten Male an sein Gespräch mit Trish zurück.

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Als sie seinen Kuss erwidert hatte, war es für ihn die Gewissheit gewesen, dass sie ihn genauso begehrte wie er sie. Er hatte geahnt, nein er hatte gewusst, dass sie Carlo nicht liebte. Sie tat es einzig und allein wegen Anjelica. Noch war es nicht zu spät. Er würde alles daran setzen, die Hochzeit am Samstag zu verhindern. Sie durfte Carlo nicht heiraten. Er hatte auch schon einen Plan und wenn er alles gut durchdacht hatte, dann würde dieser hoffentlich auch funktionieren. Nein, es durfte einfach nichts schief laufen.

Heute, so hatte er erfahren, würde ihr Brautkleid angeliefert werden. Es war reiner Zufall gewesen, dass seine Mutter zu dem Zeitpunkt bei Antonio gewesen war und deshalb das Gespräch mitbekommen hatte. Als dann Trishs Name gefallen war, hatte sie Antonio gefragt, ob er Trish Hochzeitskleid entworfen hätte. Aber er hatte verneint. Es war einer seiner Designer gewesen, der es geschneidert hatte und der auch zu ihr zur Anprobe kommen würde. Noch am gleichen Tag hatte sie ihren Sohn darüber in Kenntnis gesetzt. Es war eigentlich ganz einfach. Er musste nur dafür sorgen, dass Anjelica und Carlo zu einem gewissen Zeitpunkt gleichzeitig das Haus verließen. Dann konnte er seinen Plan in die Tat umsetzen.
Kyle ging in die Küche zurück und holte sich eine der vier Tassen. Heute brauchte er so viel Koffein wie nur irgendwie möglich.

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Mit der Tasse in der Hand setzte er sich an den Esstisch und trank den heißen Kaffee in kleinen Schlucken. Sein Plan musste einfach funktionieren…

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Kapitel 83 folgt...

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 20:13

Bitte auch vorheriges Kapitel beachten!





Kapitel 83





Stromausfall? / Gefangen




Mittlerweile hatte es wieder stärker zu schneien angefangen, als eine dunkel gekleidete Gestalt entschlossen ins Freie trat und in die Ferne starrte. Viel Zeit blieb nicht mehr, nur noch eine Stunde. Es musste heute sein, es war alles perfekt geplant.

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Den Autoschüssel in den Händen haltend, machte sich die Gestalt auf den Weg. Nur ein paar Minuten später fuhr ein schwarzer Range Rover durch stark verschneite Straßen in dichtem Schneetreiben davon…

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Währenddessen


Pünktlich um 16 Uhr traf Alain Marquet ein. Nach einer kurzen Begrüßung mit Anjelica und Carlo, stand er kurz darauf Trish gegenüber.

Kritisch musterte er sie von Kopf bis Fuß, ehe er fast schon tadelnd sagte: „Mon dieu, aben Sie abgenommen, Mademoiselle. Wir werden es inten noch ein weniiiisch zusammennehmen müssen. So können wirres niiischt lassen“, meinte Alain in seinem typisch französischen Akzent.

Alain stammte aus Paris und war ein enger Freund Antonios. Da dieser derzeit so viele Aufträge hatte und kaum noch nachkam, hatte er Trish Alain empfohlen. Gerne hätte er den Auftrag selbst übernommen, wäre dieser nicht so kurzfristig gekommen. Alain war ein Kenner seines Faches und hatte schon so manches Brautkleid für den europäischen Hofadel angefertigt. Als Trish vor ein paar Tagen in seinem Atelier gewesen war, hatte sie schon einige fertige Kleider anprobiert, aber keines hatte so richtig gepasst. Alain hatte ihr einige Modelle gezeigt, doch die waren Trish‘ s Meinung nach entweder zu pompös oder aber etwas zu freizügig gewesen.

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Gut gelaunt steckte Alain die zu ändernden Stellen mit ein paar Nadeln ab und begutachtete schließlich sein Werk. Er ließ Trish das Kleid wieder ausziehen, ehe er die Änderung mit wenigen Nadelstichen ausbesserte. Nachdem er damit fertig war, gab er Trish das Kleid zur erneuten Anprobe. Er prüfte den Sitz und zog schließlich nickend den Reißverschluss hoch, während er um sie herumging.

„Tre bien, so kann man es lassen.“

Trish sah in den Spiegel, Skepsis zeigte sich in ihrem Gesicht: „Alain, könnte man das Oberteil unterfüttern? Es ist ziemlich dünn und auch etwas durchsichtig.“

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Alain schaute auf Trishs Dekolleté: „Da sieht man niiiischts, Mademoiselle. Sie aben einen sehr schönen Busen, warum wollen sie diesen denn nischt zeigen? Isch ätte es so gelassen, wie es war. Aberrrr Sie wollten es unbedingt ein weniiiisch, wie sagt man, züschtigeeeer? Der V-Ausschniiiitt ätte süpeeer ausgesehen und ihren schönen Busen betont. Machen Sie sisch keine Sorgen. Es ist nischt durchsischtiiiisch, aberrrrr trotzdem noch sehrrr sexy. Wenn Sie möschten, können Sie sogar noch einen BH darünterrr traaagen, Mademoiselle.“

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Der Designer trat vor Trish und zupfte ein wenig am Oberteil herum. „So, das warres.“

Trish lächelte leicht und sagte: „Vielen Dank, Alain. Das Kleid ist wirklich sehr schön. Ich werde Ihre Arbeit bei Antonio lobend erwähnen.“

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Alain nickte und besprach mit Trish noch ein paar Kleinigkeiten, ehe ihm sein vibrierendes Handy eine Nachricht anzeigte. Er müsse leider weg, informierte er sie, ehe er sie kurz umarmte, um sich bei ihr zu verabschieden. Schnell packte er seine Utensilien zusammen und ging auf Anjelica zu, die die ganze Zeit still auf dem Sofa gesessen hatte.

„Au revoir, Madame“, meinte er, ihr lächelnd die Hand schüttelnd.

„Au revoir, Alain und vielen Dank, dass es doch noch geklappt hat.“

Sie begleitete den Designer zur Tür hinaus, ehe sie zu Trish zurückging.

Ihre Tochter musternd meinte sie schließlich: „Ich weiß gar nicht, was Du hast, mein Schatz. Das gelbe Kleid, das Du kürzlich bei der Wohltätigkeitsveranstaltung getragen hattest, war um Längen gewagter als dieses hier. Du siehst sehr hübsch darin aus. Zeig‘ doch Deine weiblichen Reize. Du musst doch nichts verstecken.“

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Trish wollte gerade etwas darauf erwidern, als Anjelica’ s Handy plötzlich vibrierte. Nach einem Blick auf’ s Display fragte sie verdutzt: „Was soll denn das?“

Neugierig trat Trish näher. „Alles in Ordnung?“

„Ja, ja, mein Schatz“, meinte Anjelica etwas geistesabwesend, um sich schließlich hastig zu verabschieden. „I- Ich muss noch einmal weg, Trish. Ich bleibe nicht lange.“

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Noch ehe Trish etwas darauf erwidern konnte, umarmte Anjelica sie kurz und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Morgen kümmern wir uns dann um die passende Frisur und den Schmuck. Bis dann, mein Schatz.“ Als sie Trish verdutztes Gesicht sah, meinte sie, dabei schon zur Tür hastend. „Wir können uns nach dem Abendessen noch ein wenig unterhalten.“

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Trish trat neugierig ans Fenster und stellte dabei überrascht fest, dass Carlo anscheinend auch noch einmal weg wollte. Was hatte denn das zu bedeuten? Erst Alain’ s plötzlicher Aufbruch, danach ihre Mutter und nun auch Carlo? Trish beschloss jedoch, diesem Umstand keinerlei Bedeutung beizumessen und wollte gerade ins Bad, als ihr auffiel, dass sie immer noch das Kleid anhatte. Fieberhaft versuchte sie den Reißverschluss zu öffnen, schaffte es aber trotz mehrmaliger Anstrengung nicht. Na toll, dachte sie, jetzt muss ich warten, bis Mum wieder zurück ist. Doch plötzlich wurde es mit einem Schlag dunkel und auch draußen war es mittlerweile dunkel geworden. Kein Wunder, es ist ja schon nach 18 Uhr, dachte Trish. Sie ging zum Lichtschalter, um das Licht wieder anzuknipsen, aber es tat sich nichts. Überrascht ging sie zu den anderen Schaltern im Zimmer und auch auf den Flur, doch auch hier tat sich nichts. Im ganzen Haus schien es plötzlich dunkel zu sein, wie sie mit einem Blick zur Treppe hinunter feststellte. Vielleicht ein Stromausfall?

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Seltsamerweise leuchteten aber die Straßenlaternen, wie sie sehen konnte, als sie ans Fenster trat, um nach unten zu sehen. Wahrscheinlich, so mutmaßte Trish, war die Sicherung rausgefallen.

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Sie wollte gerade nach einer Kerze oder Taschenlampe Ausschau halten, als ein kalter Luftzug sie durchfuhr. Da sie mit dem Rücken zur Balkontür stand, konnte sie nicht sehen, dass eine dunkle Gestalt sie schon geraume Zeit von draußen beobachtet und in diesem Moment die Tür geöffnet hatte.

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Zwar war Trish kein übertrieben ängstlicher Typ, aber so im dunkeln Zimmer wurde es ihr dann doch etwas mulmig. Irgendetwas stimmte da nicht. Ein ungutes Gefühl durchschlich sie, als sie sich umdrehte. War da jemand? Doch plötzlich erschrak sie fast zu Tode, als sie die geöffnete Tür sah.

„Hallo, ist da jemand?“, rief sie angstvoll.

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Der Schrei erstarb ihr auf den Lippen, als eine Gestalt aus dem Dunkeln hervortrat und deren Umrisse durch den Schein des Mondes, der in das Zimmer fiel, eine bizarre Erscheinung bot.

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Voller Grauen und Angst starrte Trish die schwarz gekleidete Gestalt an und wich erschrocken zurück. Angstvoll riss sie die Augen auf und fasste sich von Panik getrieben, in die Haare.

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Dann ging alles blitzschnell. Die dunkle Gestalt schnellte hervor und bevor sie wusste, wie ihr geschah, wurde ihr ein Lappen auf den Mund gedrückt. Gleich darauf sackten ihr die Beine weg und sie fiel zu Boden.

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So nahm sie auch nicht mehr wahr, dass die unbekannte Gestalt näher kam und auf sie hinunter starrte. Als sie sich nach einem kurzen Rütteln nicht mehr bewegte, hob die Gestalt sie hoch und verschwand mit ihr durch die Tür.



Einige Zeit später


Das erste was Trish wahrnahm war, dass sie in einem fremden Bett lag. Das war nicht Carlos Gästezimmer. Sie konnte kaum etwas erkennen, ihre Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Wie lange sie geschlafen hatte, konnte sie auch nicht sagen. Trish hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Auch wusste sie nicht, wo sie war. Aber sie schien nicht alleine zu sein. Irgendein Gefühl sagte ihr, dass sie nicht alleine in diesem Raum war. Sie versuchte sich aufzusetzen, was ihre linke Hand aber zu verhindern wusste. Entsetzt sah sie, dass ihre Hand in Handschellen steckte und diese am Gitter des Bettes befestigt war. Hatte sie etwa ein Perverser entführt, der Grausames mit ihr veranstalten wollte?

„Hallo? Ist hier jemand?“, rief sie angstvoll. „Also, wenn das ein Scherz sein sollte, dann finde ich den nicht lustig. Kann mich jemand hören? HILFE“, schrie sie nun laut.

Doch da sah sie schon einen Schatten auf sich zukommen und noch ehe sie begreifen konnte, wie ihr geschah, wurde ihr erneut ein Tuch auf den Mund gepresst.

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Es war bereits hell, als Trish endlich wieder zu sich kam. Ihr Handgelenk schmerzte vom Rütteln am Gitter und auch durch die unbequeme Schlafstellung. Ihre Kehle war trocken und heiser vom Schreien, während ihr Blick aufmerksam durch den Raum glitt. Er war nicht sonderlich groß. An der Eingangstür befand sich eine Kochnische, etwas weiter davor waren ein kleiner Tisch und zwei Stühle platziert. Rechts neben dem Bett befanden sich ein kleines Nachtschränkchen und ein Teewagen, ferner sah sie einen offenen Kamin, vor dem ein Sofa und zwei Sesseln standen.

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Ihre Augen erspähten eine Wendeltreppe, die sowohl nach oben als auch nach unten führte. Direkt vor sich an der Wand befand sich eine Tür, von der Trish vermutete, dass sich dahinter das Badezimmer oder eine Toilette befanden. Die Fenster hinter ihr waren mit dicken Vorhängen zugezogen. Da sie allerdings nicht nach draußen sehen konnte, nahm sie an, dass sich an den Fenstern Rollos befinden mussten. Durch die Eingangstür und auch das kleine Fenster daneben, sah sie, dass es Tag war. Mittlerweile plagte sie entsetzlicher Hunger und Durst. Schließlich hatte sie am Vormittag das letzte Mal etwas zu sich genommen. Sie hatte keine Ahnung, wo sie war. Durch die Fenster konnte sie nichts erkennen, außer viele Bäume. Es schien sich wohl um eine Hütte zu handeln, in der man sie gebracht hatte.

Erschrocken blickte sie zur Tür, als sie Schritte von draußen vernahm. Kampfbereit stand sie neben dem Bett, soweit dies mit den Handschellen möglich war. In Gedanken legte sie sich schon ein paar Worte parat.

Als die Tür geöffnet wurde, schrie sie laut: „Was soll das? Warum bin ich hier? Wollen Sie Lösegeld? Wo bin ich, was haben Sie mit mir vor?“

Ein junger Mann trat ein, der sie überrascht ansah und zaghaft lächelte: „Ah, Sie sind wach. Ich habe Ihnen ein paar Handtücher gebracht und etwas zu Essen und Trinken“, während er das Mitgebrachte auf der Anrichte abstellte.

Trish giftete ihn an: „Machen Sie mich sofort los. Das werden Sie noch bitter bereuen. Wer sind Sie überhaupt und wie bin ich hier her gekommen?“

Freundlich lächelnd kam er ans Bett und sagte: „Ich bin Steven.“

Doch abwehrend hob sie ihre Hände in die Höhe und rief aufgebracht: „Kommen Sie mir ja nicht zu nahe.“

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Wortlos nahm er ihre gefesselte Hand und öffnete mit einem Schlüssel die Handschellen. Er nahm sie ihr vorsichtig ab und wollte sie zum Tisch führen, als sie plötzlich auf ihn losging.

Wütend donnerte sie ihn an: „Wer hat Sie beauftragt? Wer ist Ihr Auftraggeber? Los, reden Sie schon“, versuchte sie, Steven einzuschüchtern, während sie ihr Handgelenk rieb.

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Doch dieser antwortete nur: „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen.“

„Können oder wollen Sie nicht?“

„Ähm, bitte?“, sah er Trish verständnislos an und umfasste ihren Arm. Unwirsch wollte sie sich losreißen, als er seinen Griff verstärkte.

Sofort fuhr sie ihn an: „Au, passen Sie doch auf. Sie tun mir weh.“

Beschwichtigend redete er auf sie ein: „Bitte Miss, setzen Sie sich. Ich tu Ihnen nichts, Sie brauchen keine Angst haben.“

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Widerwillig setzte sich Trish an den Tisch, während er sich plötzlich vor sie kniete. Er umfasste ihren Fußknöchel und befestigte die Handschellen am Tischbein.

Erbost schrie sie auf: „Was soll das denn? Sind Sie wahnsinnig geworden?“

Weiterhin die Freundlichkeit in Person antwortete Steven: „Es tut mir Leid, aber es geht nicht anders.“ Er stellte ihr einen Teller vor die Nase und gab ihr eine Gabel in die Hand. Freundlich sagte er: „Lassen Sie es sich schmecken.“

Fast gierig verschlang Trish das Essen und hätte sich beim Trinken fast verschluckt. Das Essen schmeckte wider Erwarten sehr gut und sie bat Steven um ein wenig Nachschlag.

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Nachdem sie gegessen hatte, räumte er die Teller weg und öffnete die Fußfessel, um sie gleich wieder zum Bett zu dirigieren. Dort befestigte er ihre Hand erneut am Gitterrost. Trish legte sich zur Seite und schloss müde die Augen. Irgendetwas hatte sie schläfrig gemacht und sie vermutete, dass man ihr ein Schlafmittel verabreicht hatte, dass sich entweder im Essen oder im Getränk befunden hatte.Nur wenig später war sie wieder eingeschlafen.

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Als sie wieder zu sich kam, war es draußen bereits dunkel. Mühsam richtete sie sich auf und sah Steven auf dem Stuhl sitzen. Wie lange sie wohl geschlafen hatte? Irgendwie hatte sie jegliches Zeitgefühl verloren.

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*******


Der schwarze Wagen fuhr von der Hauptstraße ab und bog in den dahinter liegenden Wald. Früher war er sehr oft mit seinen Eltern und Geschwistern hier gewesen. Hinter der Hütte hatten sie als Kinder oft gespielt und als sie älter wurden, mit Freunden gegrillt. Schon seit einigen Jahren war keiner mehr oben gewesen. Vor zwei Tagen hatte er das Bett überzogen, in der Bude gelüftet und die Hütte wieder einigermaßen auf Vordermann gebracht. Sie lag ziemlich abgelegen tief im Wald und war von der Straße, die sich serpentinartig nach oben schlängelte, nicht zu sehen.

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Nur wenige wussten von dieser Hütte. Er war spät dran, Steven würde schon auf ihn warten. Sein früherer Schulfreund war der einzige gewesen, den er mit dieser heiklen Aufgabe hatte beauftragen können. Lange hatte er überlegt, wie er vorgehen konnte. Letztendlich war ihm der Zufall zur Hilfe geeilt.

Es war ihm bewusst, dass er nicht legal handelte und Gefahr lief, sich großen Ärger einzuhandeln. Sehr großen Ärger sogar. Aber was hätte er machen sollen? Letztendlich war es aber auch egal, sie waren auf seinen Plan hereingefallen. Als sie fast gleichzeitig mit dem Auto das Anwesen verlassen hatten, war er zu schnellem Handeln gezwungen gewesen. Lautlos war er die Brüstung hinaufgeklettert, die zu den Balkonen führte. Durch eine offene Balkontür war er schließlich ins Haus gelangt. Schnell hatte er sich in den Keller begeben und hatte den Hauptsicherungskasten still gelegt. Mittels einer Taschenlampe war er wieder nach oben gegangen und auf den Balkon geklettert. Drei Tage zuvor hatte er das Haus observiert und fotografiert. Seit er sie eines Morgens auf dem Balkon hatte stehen sehen, wusste er, wo sie untergebracht war. Er hatte Glück, sie war noch im Schlafzimmer gewesen, als er auf den Balkon geklettert war. Durch die Dunkelheit hatte sie jedoch nichts sehen können und so hatte er unbemerkt die Balkontür öffnen und hinein gehen können. Erst durch einen Luftzug war sie auf ihn aufmerksam geworden. Sein Anblick hatte ihr Angst und Schrecken eingejagt und er hatte schnell handeln müssen, damit sie nicht zu Schreien anfing. Schließlich hatte er sie mit einem Wattebausch, der in Äther getränkt gewesen war, betäubt. Dann war alles blitzschnell gegangen. Er hatte sie auf seine Arme genommen und war die Stufen zur Haustür hinuntergegangen. Unweit des Hauses hatte er sein Auto geparkt. Er hatte sie auf den Beifahrersitz verfrachtet und war mit ihr in der Dunkelheit davon gefahren. Ihm blieb nicht viel Zeit. Spätestens, wenn Carlo oder Anjelica nach Hause kamen, würden sie ihr Verschwinden bemerken.

Von weitem sah er schon die Lichtung. Von hier aus ging es zu Fuß weiter und trotz des tiefen Schnees, hatte er die Hütte in weniger als 5 Minuten erreicht.

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Er sah auf seine Uhr, es war kurz vor 21 Uhr. Wahrscheinlich hatte sie schon gegessen und schlief eventuell. Er wollte gerade die Außentreppe emporsteigen, als Steven die Stufen der Treppe herunter kam. Erleichtert sagte er: „Ah, da bist Du ja.“

„Wie geht es ihr?“

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Steven meinte leise: „Sie hat gegessen und getrunken. Mittlerweile scheint sie sich etwas beruhigt zu haben.“

„War es sehr schlimm?“

„Frag‘ mich besser nicht, was sie mich alles zusammengeheißen hat. Die Lady ist feuergefährlich. Ich habe ihren Fuß während des Essens an das Tischbein gefesselt. Irgendwie hatte ich ihr nicht getraut.“

„Okay, dann löse ich Dich jetzt ab. Mal schauen, ob sie durchschläft. Gute Nacht Steven und Danke nochmal für Alles.“

„Ist schon gut, Mann. Bis morgen, dann.“

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Leise trat er ein, denn er wollte sie nicht unnötig wecken. Deshalb verzichtete er auch auf irgendwelche Lichtquellen. In Dunkeln ging er zum Kühlschrank und räumte die Lebensmittel ein, die er eingekauft hatte.

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Dann setzte er sich in den Schaukelstuhl und richtete seinen Blick auf sie. Sie sah sehr friedlich aus und schien tief und fest zu schlafen. Er machte es sich so bequem, wie es auf diesem Stuhl ging und war kurz darauf ebenfalls eingeschlafen.

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Ein schroffes „Hey, Sie“, ließ ihn hochschrecken.

Einige Sonnenstrahlen hatten sich in der Hütte verirrt und warfen ein gespenstisches Bild auf seine Erscheinung.

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Er wollte gerade etwas erwidern, als sich auch schon ein wütender Wortschwall über ihn ergoss.

„Hey, was soll diese alberne Verkleidung? Haben Sie mich entführt? Sie wissen, was auf Entführung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung stehen? Machen Sie mir sofort diese albernen Handschellen los! Was ist, haben Sie Ihre Sprache verloren? Sprechen Sie gar nicht meine Sprache? Wer ist Ihr Auftraggeber?“

Dann wurde ihre Stimme plötzlich laut und überschlug sich fast: „Herr Gott nochmal, machen Sie endlich den Mund auf. Wo bin ich hier und warum? Sie wollen wohl nicht mit mir reden? Na schön, dann lassen wir das eben. Ich muss auf die Toilette.“

Wortlos erhob er sich aus dem Schaukelstuhl und kam ans Bett.

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Vorsichtig löste er ihre Hand von der eisernen Fessel, um mit ihr zur Toilette zu gehen. Sie sprang vom Bett und ging an ihm vorbei. Als sie bemerkte, dass sich im Inneren kein Toilettenschlüssel befand, fauchte sie ihn an: „Kommen Sie ja nicht näher.“

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Geräuschvoll schloss sie die Tür und ging zur Toilette. Als sie ihre Hände gewaschen hatte, betrachtete sie sich im Spiegel. Sie hatte dunkle Ränder um die Augen und trug immer noch das Hochzeitskleid.

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Ein Blick in dem spärlich eingerichteten Badezimmer signalisierte ihr, dass es keine Fluchtmöglichkeit gab. Das Fenster, das bis zum Boden reichte, war aus doppeltem Glas und mit einem Spezialschloss gesichert. Keine Chance, es irgendwie einzuschlagen oder es in irgendeiner Weise zu öffnen. Vergeblich versuchte sie, etwas von draußen zu erkennen Aber sie sah nichts weiter als Tannen und Bäume. Keine Lichter weit und breit, die aus irgendeinem Haus leuchteten.

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Seufzend nahm sie ein paar Papiertaschentücher, die sich auf einem Regal befanden und rieb das Augen-Make-up mit etwas Wasser ab. Anschließend öffnete sie die Haarspange und schüttelte ihre Haare, die in weichen Wellen über ihre Schulter fielen, mit der Hand durch. Sie warf noch einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel, ehe sie resigniert die Tür öffnete und rief:

„Ich habe Hunger, wann gibt es etwas zu essen?“

Der Unbekannte deutete wortlos auf den Stuhl und signalisierte ihr damit, sich zu setzen. Widerwillig setzte sie sich an den kleinen Tisch und beobachtete ihn, während ihr Blick zur Tür ging. Die Tür, so mutmaßte sie, war bestimmt verschlossen. Er würde nicht so blöde sein, diese offen zu lassen.

„Wie lange hausen Sie schon hier?“, fragte sie ihn nach einer Weile, um die Stille zu unterbrechen.

Doch nach wie vor erhielt sie keine Antwort. Aufgebracht sprang sie von ihrem Stuhl hoch und ging wütend auf ihn los. „Sind Sie stumm oder hat Ihnen diese Einöde hier die Sprache verschlagen? Hallooooooo, ich rede mit Ihnen.“

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Scharf fuhr er sie an „SETZEN!“, und bugsierte sie zu dem kleinen Tisch.

Empört rief sie: „Wie bitte? In welchem Ton reden Sie denn mit mir? Hören Sie, ich habe es auf die freundliche Art versucht, aber wenn Sie nicht wollen, bitte.“

Ohne weitere Widerrede setzte sie sich aber schließlich doch.

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Mit zwei Salattellern kam er nun ebenfalls zum Tisch und nahm auf dem anderen Stuhl Platz.

Schweigend hatten sie ihren Salat gegessen und Wasser dazu getrunken. Nachdem sie fertig waren, räumte er wortlos den Tisch ab und wusch das Geschirr. Danach nahm er ihr gegenüber wieder Platz.

Als Trish die Stille nicht mehr aushielt, fragte sie, ihn neugierig betrachtend: „Kennen Sie nicht die Eigenschaft, die fließendes Wasser an sich hat oder ist das etwa Ruß im Gesicht? Es ist ganz einfach, das lernt man so in der modernen Zivilisation. Man geht ans Waschbecken, lässt Wasser einlaufen, nimmt etwas Seife und wäscht sich damit das Gesicht…“

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Erbost unterbrach sie sich selbst. „Jetzt reicht es mir aber. Legen Sie endlich diese alberne Verkleidung ab. Das ist nicht nur unhöflich, sondern mir gegenüber auch nicht gerade gastfreundlich.“

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Hysterisch lachte sie auf. Gastfreundlich, dachte sie? Die Situation war einfach grotesk. Da saß sie hier einem Fremden gegenüber, der ganz in schwarz bekleidet war, einen schwarzen dicken Bart trug und dazu eine alberne Maskerade.

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Langsam hatte sie die Schnauze voll. Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, sprang sie auf und riss ihm die Kapuze vom Kopf…




Kapitel 84 folgt...

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 21:01

Bitte auch vorheriges Kapitel beachten!





Kapitel 84





Aufgeflogene Tarnung





Trish‘ s Gegenüber war von der Aktion so überrascht worden, dass er nicht so schnell hatte reagieren können. Fassungslos riss Trish die Augen auf und sprang von ihrem Stuhl hoch, als sie sah, wer sich unter der Kapuze verbarg.

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„KYLE! Du verdammter Mistkerl.“ Wütend ging sie auf ihn los und rief erzürnt: „Das hätte ich mir ja denken können, dass Du hinter dieser Entführung steckst. Was hast Du Dir denn dabei gedacht? Du hast doch vollkommen den Verstand verloren. Ich hatte mich zu Tode erschrocken, als Du plötzlich in der Tür gestanden hattest. Lass mich sofort hier raus.“

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Nur mit Mühe gelang es ihm, sie zu bändigen. Wortlos zog er sie zum Bett und verschloss die Handschellen am Bettgestell.

Betroffen sah sie ihm nach, während sie am Gitter zerrte. „Lass‘ mich sofort los. Ich warne Dich, Kyle. Was soll das?“

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Ungeachtet ihres Wutanfalls ging er ins angrenzende Badezimmer, um sich den Ruß im Gesicht abzuwischen. Er hatte zwar mit Trish’ s Widerstand gerechnet, aber nicht mit dieser Aggression, die ihm entgegen geschlagen hatte. Warum konnte sie nicht begreifen, dass er ihr nur helfen wollte? Es würde schwierig werden, sie von seinen guten Absichten zu überzeugen und er war sich nicht sicher, ob es ihm gelingen würde. Er hatte sie in Carlo‘ s Haus nicht erschrecken wollen, obwohl ihm schon bewusst gewesen war, dass seine Erscheinung in ihr Angst geweckt haben könnte. Jedoch wusste er auch, dass er mit dieser Aktion seinen Job riskierte.

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Als er wieder das Zimmer betrat, kam er freundlich lächelnd zum Bett zurück, um ihr die Handschellen wieder abzunehmen: „Willkommen in meiner bescheidenen Behausung, Liebling.“

Zornig ging sie erneut auf ihn los: „Was hast Du Dir dabei gedacht? Ich will sofort nach Hause.“

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„Das geht nicht, mein Schatz. Du wirst hierbleiben müssen.“

„Das wirst Du bereuen, Kyle. Ich werde Dich nicht ungestraft davonkommen lassen. Wie lange gedenkst Du denn, mich hier festzuhalten?“

Kyle schien nachzudenken. „Nun, übermorgen ist die Hochzeit… Ich schätze, so zwei oder drei Tage wirst Du schon noch hier bleiben müssen.“

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„Bitte? Das kann doch nicht Dein Ernst sein. Du denkst also, damit ist es getan? Du hältst mich hier ein paar Tage gefangen und das war‘ s?“

„Ja“, nickte er entschlossen.

Doch Trish schüttelte augenblicklich den Kopf. „Nein! Es wird einen neuen Termin geben und noch einen und noch einen. Es wird immer einen neuen Termin geben, Kyle. Egal, wie lange ich hierbleiben muss. Versteh‘ das doch endlich. Willst Du mich für den Rest meines Lebens hier festhalten oder was?“

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„Wenn ich es könnte, dann ja. Nein, Trish. Nur solange, bis Du endlich zur Vernunft gekommen bist“, meinte er mit ernster Miene.

„Du weißt, dass das nicht passieren wird. Was versprichst Du Dir davon? Dass ich in Deine Arme falle und Dir zu Füßen liegen werde? Carlo wird mein Verschwinden längst bemerkt haben. Lass‘ mich doch endlich gehen. Was willst Du denn noch von mir?“

„Du kennst die Antwort, Trish. Ich will nicht, dass Du in Dein Unglück rennst und Dein Leben an der Seite eines Mannes verbringen musst, den Du nicht liebst.“

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Trish wandte ihren Kopf zur Seite und sagte leise: „Das verstehst Du nicht.“

Ihr gingen hundert Gedanken im Kopf herum. Wie konnte sie Kyle nur begreiflich machen, sie gehen zu lassen? Sie wusste nur zu gut, wie beharrlich er sein konnte, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte.

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Kyle drehte sie zu sich um und fragte verständnislos: „Was verstehe ich nicht? Verdammt noch mal, Trish. Dann sage es mir doch endlich. Carlo erpresst Dich, habe ich Recht? Was hat er Dir versprochen oder Deiner Mum? Ihre Freiheit gegen eine Ehe mit Dir? Warum willst Du das tun? Sag‘ mir, warum.“

Mit großen Augen sah sie ihn an und versuchte es auf die sanfte Weise: „Wenn ich Dir wirklich noch etwas bedeute, Kyle, dann lass’ mich gehen. Bitte.“

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Kyle sah sie kopfschüttelnd an, krampfhaft bemüht, seine Beherrschung zu bewahren. „Ich kann nicht, Trish. Bitte, verlange das nicht von mir. Tu nicht so, als sei ich Dir gleichgültig. Alles, nur das nicht.“

Um ihr zu beweisen, wie ernst ihm seine Worte waren, zog er sie in seine Arme, ehe sich sein Mund auf ihre Lippen legte. Zunächst noch behutsam, dann jedoch wurde sein Kuss immer leidenschaftlicher. Er ließ seine Hände über ihren Rücken gleiten, bis er sie schließlich in ihren langen Haaren vergrub. Trish jedoch zappelte wie ein wild gewordenes Tier, das sich in einer Falle befand, in seinen Armen, während sie ihn von sich zu stoßen versuchte. Mit letzter Kraft trat sie ihm schließlich auf den Zeh.

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Augenblicklich ließ Kyle von ihr ab und sah sie keuchend an, während ihre Augen funkelten und sie ihn aufgebracht anfauchte: „Mach‘ das nie wieder, Kyle, sonst…“

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„Sonst was, Trish?“, fragte er ungerührt. „Was soll das? Du tust ja gerade so, als würdest Du Dich vor mir ekeln. Von mir aus kannst Du mich anzeigen, wenn Du wieder zuhause bist. Das ist mir ehrlich gesagt, egal. Und nun entschuldige mich. Ich muss zum Dienst.“

Er wollte gerade seinen Mantel holen, als Trish seinen Arm ergriff und fragte: „Und was ist mit mir? Willst Du mich die ganze Nacht alleine lassen? Das kann doch unmöglich Dein ernst sein. Lass‘ mich gehen und wir vergessen den Vorfall. Ich werde Carlo nicht sagen, wo ich war. Bitte, Kyle. Lass‘ mich endlich gehen.“

Flehend hatte sie ihre Hände wie zu einem Gebet gefaltet.

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Doch Kyle schüttelte nur den Kopf: „Tut mir leid, ich kann Dich nicht gehen lassen, Trish. Steve wird gleich da sein, er wird Dir dann Gesellschaft leisten. Wir sehen uns morgen früh.“

Er nahm ihre Hand und zog sie zum Bett zurück, um ihr die Handschellen wieder anzulegen. Als er sie jedoch zum Abschied noch einmal küssen wollte, holte sie aus und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige.

„Du wirst Dir noch wünschen, mich nie kennengelernt zu haben. Das ist Freiheitsberaubung und kann Dich Deinen Job kosten. Willst Du wirklich, dass ich Dich wegen Entführung anzeige? Und wenn nicht ich, dann wird es Carlo tun. Verlass‘ Dich drauf.“

Nur mühsam konnte sie ihre Tränen unterdrücken, während es innerlich in ihr brodelte.

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Kyle rieb sich die rote Stelle, die sich augenblicklich in seinem Gesicht abzeichnete, ehe er ihre Hand schnappte und sie zum Bett zurückzog, um die Handschellen am Gitterrost zu befestigen. Ihre Flüche ignorierend ging er wortlos zur Tür.

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Dort drehte er sich noch einmal um und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich wünsche Dir eine Gute Nacht.“

Als er Steven, der gerade angekommen war, auf dem Treppenabsatz begegnete, sagte er mahnend: „Pass‘ gut auf sie auf und lass‘ Dich auf nichts ein. Sie ist sehr wütend. Wir sehen uns morgen früh.“

Es kam ansonsten selten vor, dass Kyle Nachtdienst verrichten musste. Da sich aber Ethan derzeit auf einem Lehrgang befand und der Kollege im Nachbarort krank war, hatte er sich selbst zur Nachtschicht eingeteilt.

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Am nächsten Morgen



„Und, hast Du sie gefunden, Carlo?“ Atemlos sah Anjelica ihn an, als Carlo zur Tür herein kam.

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Doch der schüttelte den Kopf. „Nein, habe ich nicht, Jelica. Ich habe überall nachgefragt und habe meine Leute losgeschickt. Nichts. Sie scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Ich vermute, dass Kyle dahinter steckt. Hattest Du nicht gesagt, er wollte sich mit Dir treffen?“

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Etwas zögernd kam Anjelica' s Antwort: „Ja… wollte er… aber ich habe ihn abgeblockt. Er hatte mir am Telefon vorgeworfen, Trish in ihr Unglück rennen zu lassen, nur um meine Haut zu retten. Natürlich habe ich das bestritten. Aber Carlo, er wirkte sehr entschlossen. Ich traue ihm so etwas durchaus zu. Du musst ihn unbedingt stoppen. Ich weiß nicht, wie groß sein Einfluss auf Trish ist.“

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„Tja, ich habe ihn wohl unterschätzt. Er hat uns mit dieser ominösen SMS aus dem Haus gelockt, um dann in Ruhe zuschlagen zu können. Trish‘ s Balkontür stand offen. Vermutlich ist er über den Balkon gekommen. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.“

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„Und was sollen wir jetzt tun?“, fragte Anjelica reichlich ungeduldig.

„Du bleibst hier, falls sie sich meldet. Ich werde jetzt zu ihm auf‘ s Revier fahren und ihm auf den Zahn fühlen. Und dann werde ich meine Verlobte als vermisst melden. Bis später, Jelica“, knurrte er und war kurz darauf auch schon nach oben verschwunden, um sich umzuziehen und seine Autoschlüssel zu holen.


Nach einer knapp dreiviertelstündigen Fahrt, die durch den starken Schneefall sehr beschwerlich gewesen war, kam Carlo am Polizeirevier an. Er würde sich auf keinen Fall abwimmeln lassen. Kyle durfte seinen Plan nicht durchkreuzen. Nicht, nachdem er alles Notwendige in die Wege geleitet hatte und alles vorbereitet war. Es hing so viel davon ab.

Als er den Wagen geparkt hatte, betrat er energischen Schrittes das Revier. In schroffen Tonfall bellte er einen jungen Polizisten an, der gerade hinter dem Tresen stand und Dienst tat: „Mein Name ist Carlo Vincenti. Ich muss zu Cpt. Fairchild, es ist wichtig. Wo finde ich sein Büro?“

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Der junge Polizist sah ihn ehrfürchtig an und antwortete leicht eingeschüchtert: „Hinten auf der linken Seite, Mr. Vincenti.“

Wortlos marschierte Carlo in die angegebene Richtung und stieß nach kurzem Klopfen die Tür auf. Ohne zu grüßen, fauchte er Kyle an, der hinter dem Schreibtisch saß: „Wo ist sie? Wo haben Sie sie hingebracht, Fairchild?“

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Überrascht sah Kyle auf und sagte ungerührt: „Ihnen auch einen schönen Guten Morgen. Wer und wohin gebracht? Von wem sprechen Sie denn?“

Aufgebracht rief Carlo: „Das wissen Sie ganz genau, Fairchild. Und nun hören Sie mir gut zu. Wenn Trish nicht bis heute Abend da ist, dann…“

„Trish ist weg?“, unterbrach ihn Kyle überrascht. „Nun, dann ist sie ja doch noch vernünftig geworden.“

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Kyle erhob sich und kam um den Tisch herum. „Bitte entschuldigen Sie mich, Mr. Vincenti. Ich habe noch zu tun.“

Mit eiskaltem Blick sah Carlo ihn an und knurrte drohend: „Ich warne Sie, Fairchild. Wenn ich herausbekomme, dass Sie dahinter stecken, dann sollten Sie sich warm anziehen. Das haben Sie nicht umsonst gemacht.“

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Bestimmend knallte er ihm einen Umschlag auf den Tisch und forderte ihn auf: „ HIER! Geben Sie eine Vermisstenanzeige heraus. Ich will, dass es in allen Tageszeitungen steht und noch heute in den Medien gezeigt wird.“

„Tut mir Leid, aber wir müssen die Frist einhalten. Ich kann sie erst heute Abend als vermisst melden.

Carlo’ s Blick war furchteinflößend, als er mit gefährlich leiser Stimme zischte: „Treiben Sie es nicht auf die Spitze. Sie könnten es sonst bitter bereuen.“

Ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen, wandte er sich grußlos um und ging zur Tür hinaus.

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Ungeachtet Carlos Drohung widmete sich Kyle wieder seinen Akten. Als eine junge Kollegin das Zimmer betrat, sah Kyle auf. „Kelly, melden Sie bitte Miss Patricia Hudson in…“, er hielt inne und warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Schließlich fuhr er fort: „ ...in 3 Stunden als vermisst und teilen Sie dies bitte auch der Presse mit.“

Er riss den Umschlag auf, den ihm Carlo hinterlassen hatte und sah hinein. „Hier sind alle notwendigen Unterlagen. Mr. Vincenti hat wirklich an alles gedacht.“

„In Ordnung, Captain.“ Sie nahm den Umschlag in die Hand und ging nach draußen, um sich gleich an die Arbeit zu machen.


Kyle starrte indes ins Leere. Er kannte Carlo, der machte gewöhnlich keine leeren Drohungen. Jedoch musste er Kyle erst einmal beweisen, dass er hinter der Entführung steckte. Kyle war wild entschlossen, die morgige Hochzeit zu verhindern. Übermorgen würde er Trish freilassen. Danach lag es nicht mehr in seiner Hand. Entweder sie würde diesen Irrsinn abblasen oder es wäre letztendlich alles umsonst gewesen.

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Da in einer Stunde sein Nachtdienst endete, wollte er noch schnell seinen Bericht schreiben. Aber außer einer nächtlichen Ruhestörung sowie einige Betrunkene hatte sich in der Nacht nichts getan. Wenn er zügig vorankam, konnte er gegen 10 Uhr schon wieder an der Hütte sein und Steven ablösen. Ob Trish vielleicht vernünftig geworden war? Obwohl er nicht daran glaubte, so hoffte er es zumindest.



Zur gleichen Zeit in der Hütte



„Steven. Ich habe Kopfschmerzen. Könnten Sie mir etwas aus der Apotheke besorgen?“ Trish sah Steven wehleidig an, als sie von der Toilette zurückkam.

„Das tut mir Leid. Aber ich kann nicht hier weg, solange Kyle nicht da ist.“

„Aber ich kann nicht so lange warten, bis sein Dienst endet.“ Wehleidig blickte sie Steven bittend an. „Können Sie denn keine Ausnahme machen?“

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„Warten Sie, ich bin gleich wieder da.“ Steven ging kurz vor die Tür, um kurz darauf gleich wieder zu kommen. „Ein Freund wird gleich auftauchen, er löst mich kurz ab. Was genau soll ich denn holen?“

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Trish schäumte innerlich vor Wut. Sie hatte geglaubt, Steven sei einfältiger und leicht um den Finger zu wickeln. Na, dann musste sie es anders versuchen. Sie kramte in ihren Biologiekenntnissen und schrieb ihm Zutaten auf, die zusammen kombiniert, ein Schlafmittel erzeugen würden. Wenn sie Glück hatte, würde es ihm nicht auffallen. Blieb nur die Hoffnung, dass er die Zutaten eventuell in einer Mall bekam, wo ihn keiner fragen würde, wozu er das brauchte.

Nach einer halben Stunde kam Steven wieder zurück. Sein Freund, Alan, war sehr verschlossen und nicht so redselig gewesen, wie es Steven war. Dieser war auch froh, endlich wieder von Steven abgelöst zu werden. Trish nahm die Zutaten in Empfang und versteckte sie unter dem Bett. Beim nächsten Toilettengang würde sie das Pulver mit Wasser mischen und in das Fläschchen geben, das sie im Badeschrank gefunden hatte. Ohne Widerwille ließ sie sich wieder von Steven ans Bett fesseln.

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Nachdem er sich vom festen Sitz der Handschelle vergewissert hatte, ging Steven nochmals kurz zur Toilette. In wenigen Minuten würde Kyle wieder zurückkommen, das hatte er ihm per SMS mitgeteilt.

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Hervorgerufen durch die Bohnensuppe und die Zwiebeln, die sich in den Frikadellen befunden hatten, entwichen Steven einige geruchsvolle Gase. Er öffnete kurz das Fenster, das mit einem Schlüssel verschlossen war. Als er Kyle ankommen hörte, lief er rasch nach draußen, ohne das Fenster jedoch wieder zu verschließen. Dies war von Trish nicht unbemerkt geblieben, die durch die geöffnete Tür spähen konnte.

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Vor der Hüttentür begrüßte Steven Kyle mit den Worten: „Hallo Kyle, ich habe ihr ein Kopfschmerzmittel aus der Apotheke geholt. Nur, damit Du Bescheid weißt.“

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„Du hast was getan?“

„Keine Sorge“, beeilte er sich schnell hinterher zu sagen, als er Kyles ungläubigen Gesichtsausdruck wahrnahm. „Alan hat solange auf sie aufgepasst. Ich habe auch nicht lange gebraucht“, versicherte er Kyle, der etwas ungehalten reagierte.

„Steven, ich will nicht, dass noch mehr davon erfahren. Das nächste Mal rufst Du mich vorher an. Ich muss mich hundertprozentig auf Dich verlassen können. Ist das klar?“, fragte er mit Nachdruck, keine Widerrede duldend.

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„Ja okay“, nickte er zerknirscht. „Ich mache mich dann wieder auf den Weg. Wir sehen uns morgen.“

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Als Kyle sich von Steven verabschiedet hatte, kam er zur Tür herein. „Guten Tag, mein Schatz. Na, wie lief es?“, fragte er sie betont lässig, mit einem leichten Grinsen im Gesicht.

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„Steven ist ein guter Zuhörer.“, sagte sie, ehe sie sich vom Bett erhob. Die Aussicht, hier bald raus zu kommen, machte die Situation erträglicher. Sie hatte nicht mehr viel Zeit, wollte sie pünktlich zu ihrer eigenen Hochzeit erscheinen.

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Sie schnurrte wie ein Kätzchen, während sie Kyle fragte: „Könnte ich vielleicht ein Bad nehmen? Außerdem muss ich aus diesem Kleid raus. Hast Du mir etwas zum Anziehen mitgebracht?“

Kyle wies auf die Taschen auf dem Tisch. Die eine enthielt eine Tunika, einen Pullover sowie ein paar Jeans, sogar an Unterwäsche hatte er gedacht und in der anderen befanden sich bequeme Schuhe, sowie eine Jacke, wie er ihr mitteilte.

Erstaunt sah sie ihn an: „Woher kennst Du denn meine Größe, Captain?“

„Ich habe geschätzt. Ich hoffe, es passt.“

„Werden wir gleich sehen, ich gehe mich im Bad rasch umziehen. Und was ist in der kleinen Tasche?“, fragte sie neugierig.

„Oh, ich habe Dir noch ein paar Kosmetikartikel mitgebracht, Bürste, Kamm usw.“

„Oh, danke schön, das ist nett. Ähm, Kyle…?“ Fragend sah sie ihn an, während sie immer noch am Bett stand, die eine Hand ans Gitter gefesselt.

„Ja, was gibt‘ s?“

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„Ähm, könntest Du vielleicht aufschließen oder soll ich das Bett mit ins Badezimmer schleifen?“, fragte sie ihn mit einem Blick, den er nicht so recht zu deuten wusste.

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Verständnislos blickte er sie deshalb an: „Bitte?“

„Sag‘ mal Captain, wo bist Du denn mit Deinen Gedanken? Wie soll ich denn ins Bad gehen, wenn ich hier nicht weg kann?“

Etwas zerstreut antwortete er: „Oh, entschuldige, natürlich.“

Er ging zum Bett und löste mit dem Schlüssel, der sich in der Hosentasche befand, die Handschelle. Trish rieb sich das Handgelenk, das leicht gerötet war. Als ihr Kyle einen Moment den Rücken zuwandte, zog sie blitzschnell die kleine Tüte aus der Apotheke unter dem Bett hervor. Krampfhaft hielt sie sie hinter ihrem Rücken versteckt, während sie neugierig die Taschen betrachtete.

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Von Kyle unbemerkt, stopfte sie schnell die Tüte in eine der Taschen. Mit einem Lächeln ging sie auf ihn zu und umarmte ihn freundschaftlich. „Danke, dass Du an ein paar Klamotten gedacht hast.“

„Gern geschehen“, murmelte er. Jedoch war er auch leicht misstrauisch geworden. Ihr Verhalten kam ihm etwas zu aufgesetzt und freundlich vor.

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Aber noch ehe er sich darüber weitere Gedanken machen konnte, hatte sie schon die Taschen in der Hand und begab sich ins Badezimmer. Pfeifend ließ sie gleichzeitig Wasser ins Waschbecken und in die Badewanne laufen.

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Schnell griff sie sich die Zutaten, mischte sie zusammen und gab sie in das kleine Fläschchen, das sie mit Wasser auffüllte. Noch wusste sie nicht, ob sie davon Gebrauch machen musste. Aber sicher war sicher. Sie band sich ihre Haare mit einem Haargummi, das sich in der kleinen Tasche mit den Kosmetikartikeln befunden hatte, zu einem Dutt. Vorsichtig legte sie das kleine Fläschchen in die Tasche zurück und drehte den Wasserhahn der Badewanne höher auf. Zusätzlich bediente sie die Toilettenspülung, während sie vorsichtig und bedacht, möglichst leise zu sein, das Fenster ganz öffnete.

Noch einmal drückte sie auf die Spülung, ehe sie sich die Öffnung besah. Da müsste ich doch locker durchpassen, dachte sie. Allerdings erwies sich das Unterfangen schwerer als gedacht, da sie sich nur mit größter Anstrengung nach oben angeln konnte. Blieb nur noch zu hoffen, dass Kyle nicht plötzlich herein kam. Mit ihrem Brautkleid kämpfend versuchte sie, sich durch den schmalen Spalt zu quetschen. In Gedanken sah sie schon Kyles Gesichtsausdruck vor sich, wenn er feststellen würde, dass sie ihm entwischt war.

Stückweise versuchte sie, sich durch das Fenster zu schieben, doch durch das Kleid war dies schwieriger als gedacht. Es fehlte ihr jegliche Bewegungsfreiheit. Das hatte sie sich einfacher vorgestellt.

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Sie stöhnte und ächzte, gab undefinierbare Laute von sich und ihr Gesicht war schon fast rot angelaufen, während das Badewasser über den Rand der Wanne zu schwappen drohte. Noch einmal stöhnte sie laut auf. Plötzlich gab es einen Ruck und ihre Füße hingen zappelnd in der Luft. Schnell versuchte sie, das Gleichgewicht wieder herzustellen, indem sie ihren Oberkörper ein wenig nach vorne beugte. Nun musste sie nur noch irgendwie nach draußen kommen…




Kapitel 85 folgt...

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 22:06

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Kapitel 85





Wenn Männer schwach werden...





Kyle hatte den Abfall nach draußen getragen und hatte gerade das Innere der Hütte wieder betreten, als ein Stöhnen und Ächzen ihn aufhorchen ließen. Neugierig ging er dem Geräusch nach, das offensichtlich aus dem Badezimmer kam.

Er klopfte an die Tür und rief: „Trish, ist alles in Ordnung?“ Nachdem er jedoch keine Antwort bekam, versuchte er es ein zweites Mal. „Trish, alles in Ordnung mit Dir?“ Doch auch diesmal blieb es still. „Ich komme jetzt herein“, sagte er und öffnete vorsichtig die Tür.

Was er jedoch augenblicklich zu sehen bekam, verschlug ihm fast die Sprache.

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Kopfschüttelnd lehnte er sich an die Wand und sah auf Trish, die zappelnd im Badezimmerfenster festhing. Bemüht, nicht in Lachen auszubrechen, fragte er amüsiert: „Verrätst Du mir mal, was Du da machst? Ich will Dich ja nicht belehren, mein Liebling. Aber gewöhnlich benutzt man zum Hinausgehen die Tür und nicht das Fenster.“

Als sie nichts darauf erwiderte, sagte er mit einem kurzen Blick auf das überschwappende Wasser: „Wolltest Du die Hütte unter Wasser setzen oder Dich ersäufen?“ Schnell drehte er den Wasserhahn der Badewanne zu, während er zu Trish sah, die bei seinen Worten sichtlich erschrocken zusammengezuckt war.

Sie drehte sich soweit es irgendwie ging, zu ihm um und stammelte: „Ich- ähm…, äh… ich wo- wo…“

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Zerknirscht drehte sie sich wieder von ihm ab und versuchte sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien, während Kyle sie immer noch belustigt beobachtete. Mist! Das darf doch nicht wahr sein. Muss er ausgerechnet jetzt hereinkommen? Was mache ich denn jetzt? Soll ich sagen, mir ist schlecht geworden und habe mich deshalb zum Fenster hoch geangelt? Na toll, das glaubt er mir doch nie im Leben. Also, die Wahrheit?

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Schmunzelnd sah er ihr dabei zu, wie sie mit den Armen rudernd in ihrem Kleid im Fenster festhing und laut vor sich hin fluchte.

„Wie ist denn so die Abendluft, Miss Hudson? Tja, vielleicht hättest Du vorher das Kleid ausziehen sollen, bevor Du in die Dunkelheit verschwinden wolltest.“

„Blödmann. Hast Du nichts anderes zu tun, als hier dumme Reden zu schwingen?“ fauchte sie ihn an. Angriff ist die beste Verteidigung, dachte sie.

Als Kyle jedoch Anstalten machte, einfach aus dem Badezimmer zu gehen und sie ihrem Schicksal zu überlassen, rief sie ihm erbost hinterher: „Heyyyyy, bist Du wahnsinnig? Kannst Du mir vielleicht mal helfen? Du kannst mich doch hier nicht so einfach hängen lassen.“

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Abrupt wandte er sich um. „Kann ich nicht? Kleine Raubkatze, Du ahnst gar nicht, was ich alles kann.“ Vergnügt fragte er: „Wie heißt das Zauberwort, mein Schatz? Na los, Du kennst es.“

„Verpiss, Dich“, rief sie erbost.

Als sie noch irgendetwas Unverständliches vor sich her brummte, schüttelte er den Kopf: „Mhm mhm, falsche Antwort. Na, looooos, Trish. Gib‘ Dir einen Ruck.“

Resigniert gab sie schließlich auf und fragte kaum hörbar: „Könntest Du mir runterhelfen? BITTE?!“

„Na, also geht doch. Ähm, rein oder raus?“

„Da Du mich nun schon seit zwei Tagen hier in dieser Hütte fest hältst, wirst Du mir wohl kaum den Gefallen tun und mich freiwillig gehen lassen.“

„Also raus… Tja, tut mir Leid, mein Schatz, das geht leider nicht“, sagte er und legte beide Hände um ihre schmale Taille, um sie vorsichtig aus ihrem Missgeschick zu befreien. Doch er dachte gar nicht daran, sie wieder herunter zu lassen, sondern legte sie über seine Schulter, während seine Hand ihren Po tätschelte.

Fauchend zischte sie: „Hör‘ sofort damit auf Kyle und lass‘ mich runter.“

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Unbeirrt ihrer Worte ging er zum Fenster, zog es zu und nahm den Schlüssel, der in seiner Hosentasche steckte heraus, um das Fenster abzuschließen. Schnell zog er es wieder zu und verschloss es mit dem Schlüssel.

Kaum hatte Trish wieder festen Boden unter ihren Füßen, ging sie auf ihn los: „Lass‘ mich endlich gehen, das ist Freiheitsberaubung, Du Mistkerl. Das wird Dir noch leidtun. Warte bis ich wieder draußen bin, das wirst Du bereuen… Captain Fairchild.“

Betreten sah sie dabei durch das geschlossene Fenster. Sie war ihrer Flucht so nahe gewesen.

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„Nein, das werde ich nicht tun, Trish. Ich würde es bereuen, wenn ich nicht den Versuch unternehmen würde, Dich von diesem Irrsinn abzuhalten,“ widersprach er ihr. Er wollte sie gerade in die Arme nehmen, als sie sich von ihm abwandte. Doch er ließ sich nicht beirren, und unternahm einen weiteren Versuch: „Trish, werde doch endlich vernünftig. Ich brauche Dich, bleib‘ bei mir. Verlass‘ mich nicht, Liebling.“

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Mit einem Ruck drehte sie sich zu ihm um und versuchte beschwörend auf ihn einzureden: „Kyle, wir hatten eine schöne Zeit, die ich auch keinesfalls missen will. Aber ich habe mich für Carlo entschieden. Warum willst Du das nicht endlich akzeptieren?“

Hoffnung keimte in ihr auf, als sie ihn mit traurigen Augen ansah und ein kurzes Seufzen seinerseits vernahm.

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Nachdenklich ließ er den Blick über sie gleiten, ehe er erwiderte: „Weil es nicht die Wahrheit ist, Trish. Du willst ihn nur heiraten, um Deine Mutter vor dem Gefängnis zu bewahren. Liebling, das kann und werde ich nicht zulassen.“

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Ungerührt sagte sie: „Du machst Dir etwas vor. Aber schön, wenn Du es nicht begreifen willst. Früher oder später werde ich hier raus kommen und Carlo heiraten. Du wirst nichts dagegen unternehmen können. Tu, was Du nicht lassen kannst. Und nun lass‘ mich bitte allein, ich will baden.“

„Hör‘ Dir doch nur einmal selbst zu, Trish“, sagte er fast schon verzweifelt. „Du glaubst doch selbst nicht, was Du sagst.“

„Geh‘, jetzt, Kyle“, meinte sie mit Nachdruck.

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Schweigend drehte er sich um, um zur Tür hinaus zu gehen, während Trish betreten vor sich hinsah. Seine Worte hatten sie nachdenklich werden lassen. Er hatte ja Recht mit dem, was er gesagt hatte. Aber wie sollte sie ihm begreiflich machen, dass es für sie keinen anderen Ausweg gab, um ihrer Mutter helfen zu können? Carlo hatte ihr noch einmal deutlich zu verstehen gegeben, dass er alles in die Wege leiten würde, um Anjelica ins Gefängnis zu bringen, sollte sich Trish nicht an die Vereinbarung halten. Sie hatte diesen Pakt unterschrieben und war sich über alle Konsequenzen bewusst gewesen. Warum verstehst Du mich nicht, Kyle? Ich mache das doch nicht, um Dir weh zu tun. Glaube mir doch, wenn ich einen anderen Ausweg wüsste, dann würde ich die Hochzeit abblasen. Aber ich habe keine andere Wahl. Ich liebe meine Mum und will sie nicht wieder verlieren. Doch das ist genau das, was Du von mir verlangst.

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Sie riss sich von seinem Anblick los und kaum war er zur Tür hinausgegangen, flog diese hinter ihm mit einem lauten Knall zu.

Vorsichtig legte er sein Ohr an die Tür und fragte: „Magst Du lieber Rühr- oder Spiegeleier, Liebes?“ Als er keine Antwort bekam, hakte er nach: „Mit oder ohne Speck?“

Doch durch das fließende Wasser, das sie in die Badewanne einfüllte, konnte er nicht hören, was sie ihm antwortete. Schließlich ging er zum Herd und schlug vier Eier in die Pfanne, die er mit einem Kochlöffel verrührte. Während die Eier langsam vor sich hin brutzelten, fügte er Speck, ein paar Pilze, Paprika und Zwiebeln hinzu. Schnell wärmte er noch ein paar Kartoffeln auf, die seine Mutter ihm kürzlich mit gegeben hatte.

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Schon nach kurzer Zeit zog ein aromatischer Duft durch den Raum und er füllte die Teller mit den Rühreiern und stellte die Schüssel Kartoffeln dazu. Zum Schluss goss er noch Orangensaft in die beiden Gläser. Dann rief er laut in Richtung Badezimmer: „Essen ist fertig“ und klopfte vorsichtig an die Tür.

Trish bedachte ihn keines Blickes, als sie in Jeans und Tunika bekleidet das Badezimmer verließ und an ihm vorbei rauschte. Widerwillig setzte sie sich an den Tisch und begutachtete kritisch den Teller.

„Was ist das denn?“, fragte sie misstrauisch und beäugte das Rührei.

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„Oh, entschuldige Prinzessin. Mein 3-Sterne-Koch hat heute frei.“

„Du findet das wohl komisch, was? Also, was ist das jetzt?“

„Ähm, Rührei. Sieht man das nicht?“ Er sah sie verständnislos an.

Trish wies mit dem Zeigefinger auf die Schüssel mit den Kartoffeln. „Und das da?“

Kyle blickte neugierig in die Schüssel und fragte: „Das hier? Das sind Kartoffeln. Meine Mutter hat sie mir mitgegeben.“

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„Lass‘ es Dir schmecken, mein Schatz“, sagte er zu ihr, während er sich ihr gegenüber setzte. Vorsichtig näherte sie sich mit der Gabel dem Ei, während Kyle sie dabei amüsiert beobachtete. Misstrauisch und von allen Seiten beäugt, schob sie sich die Gabel schließlich in den Mund.

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„Wow“, sagte er anerkennend zu ihr, „das war Filmreif, Trish.“

Wider Erwarten schmeckte es ihr vorzüglich. Als sie jedoch die kleine runde Kartoffel auf ihre Gabel spießen wollte, sprang diese in hohem Bogen vom Teller und landete auf dem Fußboden.

„Du weißt aber schon, dass man Kartoffeln kochen muss, oder?“, fragte sie amüsiert.

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„Ja, natürlich“, antwortete dieser leicht konsterniert.

„Und wie lange haben diese gekocht?“

„So lange, bis die Eier fertig waren. Ist etwas nicht in Ordnung damit?“

„Nein, nein, ist okay. Aber Captain, falls Du mal wieder irgendwelche Verbrecher fangen willst, dann werfe ihnen diese hinterher. Die eignen sich hervorragend als Wurfgeschosse.“

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Kyle erhob sich wortlos, um die Kartoffel, die er hinter der Wendeltreppe vermutete, vom Boden aufzuheben. Bevor sie zu faulen beginnen würde, war es ratsamer, sie gleich zu entsorgen.

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Während Kyle sich zur Kartoffel hinunter bückte, öffnete Trish schnell ein kleines Fläschchen, das sie aus ihrer Hosentasche herauszogen hatte. Sie gab einige Tropfen der Flüssigkeit in Kyle’ s Glas und verrührte diese mit dem Messerende. Da die Zusammensetzung völlig geruch- und geschmacksfrei war, würde er nichts davon bemerken. Als Kyle wieder zum Tisch zurückkam, hatte Trish die kleine Flasche bereits wieder in der Hosentasche ihrer Jeans versteckt. Schweigend sah sie ihn an, während sich ihr Herz schmerzhaft zusammenzog. Es war vermutlich das letzte Mal, dass sie so mit Kyle zusammensitzen würde und Wehmut breitete sich in ihr aus. Warum durfte sie mit ihm nicht glücklich werden?

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Nachdem sie gegessen hatten, räumte Kyle das Geschirr ab und weichte die schmutzigen Teller im heißen Wasser der Spüle ein.

Neugierig sah Trish auf Kyle, nachdem dieser wieder Platz genommen hatte und fragte schließlich: „Also Captain, wie sieht Dein Plan aus? Wie lange gedenkst Du, mich hier festhalten zu können? Carlo wird schon längst nach mir suchen lassen und weiß nicht, was er macht, wenn er herausbekommst, dass Du...“ Sie hielt inne, um schließlich bestimmend fotzufahren: „Kyle, das ist es nicht Wert, meinetwegen Deine berufliche Existenz aufs Spiel zu setzen.“

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Er wurde plötzlich sehr ernst und sah sie nachdenklich an: „Warum willst Du ihn heiraten? Du liebst ihn doch gar nicht. Ich dachte, Du und ich…“ Doch weiter kam er nicht.

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Hastig sprang sie vom Stuhl auf und rief: „Daran bist Du selbst schuld, Du und Deine gottverdammten Prinzipien. Du lässt mir keine andere Wahl.“

„Das ist nicht wahr“, warf Kyle ein, der nun ebenfalls aufgestanden war. „Es hätte eine andere Möglichkeit gegeben.“

„Ach und welche? Du wolltest Anjelica doch partout hinter Gitter bringen. Dir war sogar ihre schwere Verletzung egal. Am liebsten hättest Du sie in Monte Vista gleich ausliefern lassen.“

Nur mit Mühe gelang es Trish, die aufkommenden Tränen zu unterdrücken.

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Stirnrunzelnd sah Kyle ihr in die Augen und sprach leise: „Trish, auch wenn Du es nicht hören willst. Sie ist eine Mörderin. Ihre DNA haben sich auf dem Glas befunden, das Du mir zur Analyse mitgegeben hast. Darf ich Dich daran erinnern, falls Du es nicht mehr weißt?“

„Aber das sagt doch gar nichts aus. Ich hatte das Glas auch in den Händen.“

Kyle seufzte auf. Es tat ihm leid, sie so leiden zu sehen und am liebsten hätte er sie in seine Arme gezogen. Wie konnte er sie nur überzeugen? Egal, was er auch sagte, sie wollte es einfach nicht verstehen.

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Er unternahm einen erneuten Anlauf. „Du willst es einfach nicht verstehen, oder? Also nochmal. Die Giftspuren, die wir in dem Glas analysiert haben, haben wir an den Innenseiten ihrer Handflächen gefunden. Was glaubst Du wohl, wie sie da hingekommen sind? Der Diebstahl im den Heiligen Hallen geht ebenfalls auf ihr Konto. Sie war die einzige Person, die zu diesem Zeitpunkt Vorort war. Zudem haben wir einige wertvolle Relikte in ihrer Pension gefunden. Wach endlich auf, Trish, auch wenn es Dir noch so schwer fällt.“

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Doch diese winkte nur unwirsch ab. „Die kann jeder dorthin getan haben. Habt Ihr sie beim Abtransport gesehen? Hat sie irgendjemand dabei beobachtet? Nein, Kyle und das weißt Du auch. Irgendjemand will ihr etwas anhängen und ich werde nicht zulassen, dass Du ihr Leben zerstört. Niemals, hörst Du?“

„Du zahlst einen verdammt hohen Preis dafür. Hoffentlich weiß sie das zu schätzen und Du wachst nicht irgendwann aus Deinem wunderschönen Klein-Mädchen-Traum auf und musst erkennen, dass alles eine Lüge war. Ich weiß nicht, wie Vincenti das geschafft hat, aber ich schwöre Dir, dass ich es herausfinden werde und dann wird er dafür bezahlen.“

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Vorwurfsvoll sah sie ihn an, ehe sie scharf entgegnete: „Findet Ihr erst einmal heraus, wer auf sie geschossen hat. Bis jetzt habt Ihr noch nicht einmal den Täter ermittelt.“

„Frag‘ doch Deinen Carlo. Er weiß es bestimmt und ich wette, er hatte seine Finger im Spiel. Warum sollte er ihr sonst helfen?“, fuhr Kyle sie aufgebracht an.

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Ernüchternd erwiderte sie: „Ich kenne seine Beweggründe nicht und von meinen Eltern werde ich es auch nicht erfahren.“

Überrascht schaute Kyle sie an. „Hat Dein Vater denn gar nichts dazu gesagt, dass sie wieder aufgetaucht ist?“

Trish schüttelte bedrückt den Kopf. „Nein, hat er nicht. Für ihn ist das Thema abgehakt. Er hat mir auch unwiderruflich zu verstehen gegeben, dass ich für ihn gestorben wäre, sollte ich Carlo heiraten.“

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Traurig wandte Trish ihm den Rücken sah in die Ferne, während Kyle sich hinter sie stellte und seine Arme um sie schlang. „Das tut mir sehr Leid. Wenn ich Dir irgendwie helfen kann, dann sag‘ es mir.“ Sanft berührte sein Mund ihre Wange. Er konnte und wollte sie nicht gehen lassen. Sie konnte doch nicht so einfach aus seinem Leben verschwinden, als hätte es sie nie gegeben.

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Trish drehte sich zu ihm um und flüsterte, während Kyle die Augen geschlossen hielt: „Lass‘ mich gehen, Kyle. Ich flehe Dich an. Leb‘ Dein Leben und vergiss‘ mich. Ich wünsche Dir eine nette und liebe Frau an Deiner Seite, die Dich verdient. Ich bin es jedenfalls nicht und werde es auch nie sein.“

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Entsetzt starrte er sie an und meinte mit erstickter Stimme: „Ich könnte Dich niemals vergessen. Du bist die Frau, die ich mir an meiner Seite wünsche. Ich will keine andere. Ich will Dich, Trish. Wie kommst Du nur auf diese absurde Idee? Bitte, Liebling. Gib‘ uns doch eine Chance.“

Als sie den Kopf schüttelte, rief er verzweifelt: „Willst Du wirklich, dass es hier und so zu Ende geht, Trish? Bedeute ich Dir denn gar nichts mehr? Unsere schönen Tage in Monte Vista, war das alles nichts? Das glaube ich Dir nicht.“

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Trish sah zur Seite, während sie mühsam mit den Tränen kämpfte. Sie gab sich einen Ruck, ehe sie entschlossen sagte: „Es ist Aus, Kyle. Akzeptiere es endlich und vergiss‘ mich.“

Fassungslos schüttelte Kyle den Kopf. „Niemals werde ich das akzeptieren. Solange ich noch einen kleinen Funken Hoffnung habe, werde ich um Dich kämpfen.“

Er zog sie in seine Arme und flüsterte: „Ich liebe Dich, Trish. Bleib‘ bei mir. Bitte verlass‘ mich nicht.“ Dann legte er seine Lippen auf ihre und küsste sie fordernd. Er spürte, wie sich Trish langsam entspannte und seinen Kuss schließlich erwiderte.

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Doch plötzlich riss sie sich von ihm los und schrie ihn wütend an: „Verdammt, Kyle. Was muss ich denn noch tun, bis Du endlich verstehst, dass es Aus ist zwischen uns?“

Kyle wich erschrocken einen Schritt zurück. „Warum tust Du mir das an, Trish? Was habe ich Dir eigentlich getan? Willst Du mich bestrafen, weil ich Dich liebe?“

„Ich Dir? Du tust mir das an. Du erwartest von mir, dass ich mich zwischen Dir und Anjelica entscheide und das kann ich nicht. Ich will, dass Du mich gehen lässt. Du kannst mich hier nicht ewig festhalten.“

Kyle sah sie lange an und sagte schließlich: „Du hast den Kuss doch genauso genossen wie ich. Gib‘ es doch endlich zu, dass Du mich noch immer liebst.“

„Und wenn schon? Es ändert nichts an der Tatsache, dass ich Carlos Frau werde. Also, akzeptiere es endlich.“

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Nachdenklich sah er sie an, als er plötzlich ihren Arm nahm und sie zum Bett zog. „Es tut mir leid, Liebes. Aber ich muss Dir leider die Handschellen wieder anlegen. Ich muss nochmal weg.“

Entsetzt starrte sie ihn an. Nein, er konnte jetzt nicht weggehen. Das Schlafmittel würde bald wirken. Ich muss mich beeilen, bevor es zu spät ist.

Ein verführerisches Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, als sie enttäuscht fragte: „Was, jetzt noch? Du willst mich wieder alleine lassen? Bitte Kyle, bleib‘ noch ein wenig. Ich werde auch nicht mehr davon anfangen. Ich verspreche es Dir.“

Als er nichts dazu sagte, ging sie einen Schritt auf ihn zu. Ihre Hände umfassten seine Taille, während sie ihn noch einmal bat: „Bitte Kyle, geh‘ nicht wieder weg.“

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Ihre Fingerspitzen strichen über seine Wange, während Kyle scharf einatmete. In ihm schrillten alle Alarmglocken, die er jedoch nicht hören wollte. Vermutlich würde er es morgen bitter bereuen, aber er konnte sich ihrer Anziehungskraft nicht entziehen.

„Wir könnten Karten spielen oder…“, meinte sie vielsagend.

„Oder?“, hörte sich Kyle fragen, der den Blick kaum von ihr lösen konnte. Trish hatte ihn völlig in ihren Bann gezogen. Eine Eigenschaft, die sie perfekt beherrschte, die ihr ihre Mutter in die Wiege gelegt hatte.

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Eng schmiegte sie sich an ihn und strich mit ihren Lippen sanft über seine Mundwinkel. Er stöhnte leise auf, worauf Trish nun noch etwas weiter ging. „Wir können aber auch etwas anderes machen“, hauchte sie mit erotischer Stimme. Sie vergrub ihre Hand in seinem dichten Haar und presste sich fest an ihn. Während sie seinen heißen Atem an ihrer Wange spürte, ließ sie ihre Hand unter seinen Pullover gleiten. Auch auf die Gefahr, dass er sie durchschauen könnte, warf Trish alle Bedenken von Bord und streckte sich ihm willig entgegen. Die Aussicht, ihn noch einmal zu küssen, vom ihm geliebt zu werden, war größer als ihre Bedenken.

„Was machst Du nur mit mir Trish?“, murmelte er heiser, während er auf ihre Annäherungsversuche einging. Vermutlich würde er es bitter bereuen, aber er konnte nicht anders. Viel zu lange hatte er sich nach ihr gesehnt.

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Kyle konnte ihr kaum noch widerstehen und stöhnte auf, als sie ihre Zunge aufreizend über seine Mundwinkel kreisen ließ. Seine Selbstbeherrschung brach in einem Ruck zusammen und in Windeseile hatte er seinen Pullover und das Shirt, das er darunter trug, über den Kopf gezogen. Sanft strich sie mit ihren Fingern über seine nackte Brust bis hinunter zu seiner Gürtelschnalle. Kyle sog scharf die Luft ein und presste seine Lippen fordernd auf ihre, während er seine Erregung kaum noch verbergen konnte. Egal, was morgen auch sein und wie sehr er sich dafür hassen würde, schwach geworden zu sein. Aber es würde vielleicht ihre letzte gemeinsame Nacht sein und er wollte Trish genauso sehr, wie sie ihn.

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Trish spürte seine Erregung und zog ihn mit aufs Bett. Immer wieder küssten sie sich, ließen ihre Hände über den Körper des jeweils anderen wandern, gierig nach mehr.

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Schließlich sprang Trish vom Bett auf, um sich ihrer Tunika und Jeans zu entledigen. Kyle hatte ebenfalls seine Hose ausgezogen und lag wartend auf dem Bett, als sich Trish erneut über ihn beugte und ihn fordernd küsste.

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Schließlich zog Kyle sie mit sich unter die Bettdecke, wo sie sich leidenschaftlich liebten. Nur kurz darauf war er auch schon eingeschlafen, wie Trish zufrieden registrierte.

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Nachdem das Schlafmittel seine volle Wirkung entfacht hatte, löste sich Trish vorsichtig aus seiner Umarmung. Laut rief sie: „Kyle?“, während sie mit ihren Fingern über seine Lippen fuhr. Aber er schlief tief und fest. Leise kletterte Trish aus dem Bett und zog die Kleidung, die sie zuvor achtlos auf den Boden geworfen hatte, wieder an.

Nachdenklich und lange sah sie auf Kyle, als wollte sie sich jedes noch so kleinste Detail einprägen. Es war ihre letzte gemeinsame Liebesnacht gewesen, die sie nie im Leben vergessen würde. Das hatte sie sich geschworen. Und sie wusste, sie würde niemals mehr einen Mann so sehr lieben können, wie sie Kyle liebte. Heiß rannen ihr die Tränen über die Wangen und sie konnte sich nur schwer von seinem Anblick losreisen. Aber sie musste es tun, denn nun galt es, ihre Abmachung einzuhalten und zu erfüllen.

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Gewaltsam riss sie sich von seinem Anblick los und tastete im Dunkeln nach seiner Hose, in dem sich der Schlüssel zur Hüttentür befand. Zum Glück spendete der Mond ein wenig Licht, so dass sie schnell fündig wurde. Leise schlich sie zum Tisch, in dem sich die Outdoor-Kleidung befand, die Kyle ihr besorgt hatte. Vorsichtig zog sie den Pullover und die Jacke aus der Tüte. Mit dem Pullover und der Jeans in ihren Händen, huschte sie schnell ins Badezimmer. Rasch wechselte sie die Tunika mit dem warmen Pullover und benutzte noch einmal die Toilette. Zunächst hatte sie schon die Befürchtung, Kyle könne durch den Lärm der Spülung aufwachen und lugte kurz aus der Tür. Aber er schien tief und fest zu schlafen. Auf leisen Sohlen schlich sie zum Tisch und nahm ein Blatt Papier und einen Stift in die Hand, die auf der Fensterbank lagen, um ein paar Zeilen zu schreiben. Anschließend zog sie die Jacke über und knöpfte sie zu. Auf Zehenspitzen schlich sie zum Bett zurück und küsste Kyle ein letztes Mal.

Leise flüsterte sie, während ihr heiße Tränen die Wange hinunterliefen: „Ich werde Dich niemals vergessen, Kyle. Ich liebe Dich und wünschte mir, alles wäre anders gekommen.“

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Sie legte das kleine Stück Papier auf ihr Kopfkissen, das neben Kyle lag. Das mindeste, was sie in diesem Fall für ihn tun konnte. Schwer haderte sie mit ihrer Entscheidung. Wenn ich Dir doch nur sagen könnte, wie sehr ich Dich liebe. Wenn wir doch nur mehr Zeit hätten. Glaub‘ mir, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich es tun. Ich wollte, ich hätte Carlo’ s Plan niemals zugestimmt. Wenn es nicht um das Schicksal meiner Mutter gegangen wäre... Heftig schluchzte sie auf. Warum dürfen wir nicht gemeinsam glücklich werden? Ich wäre so gerne die Frau an Deiner Seite geworden und Deiner Tochter eine liebe Mutter. Das musst Du mir glauben. Kyle, ich wünschte, wir würden irgendwann eine zweite Chance bekommen. Ich wünsche es mir so sehr. Aber nun muss ich gehen, meinen Teil der Abmachung erfüllen. Lebe wohl und vergiss‘ nicht, wie sehr ich Dich liebe.

Weinend flüsterte sie: „Bitte verzeih‘ mir. Ich habe keine andere Wahl.“

Schweren Schrittes ging sie zur Tür, öffnete diese und trat schließlich nach draußen. Ohne sich noch einmal umzudrehen, schloss sie die Tür wieder und stieg die Stufen hinab. Ihre Schuhe bohrten sich in den tiefen Schnee, während ihr Blick in den von Sternen übersäten Himmel zeigte. Sie atmete noch einmal tief durch, ehe sie sich weinend in Bewegung setzte. Nur wenig später würde sie die Dunkelheit des Waldes verschlingen.

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Kapitel 86 folgt...

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 27.01.2018, 23:55

Bitte auch vorheriges Kapitel beachten!




Kapitel 86






Wenn Worte Rätsel aufgeben





Eine Woche war seit Trishs Flucht vergangen. Kyle konnte immer noch nicht glauben, so von Trish gelinkt worden zu sein. Zunächst hatte er sie im Badezimmer vermutet, als er morgens aufgewacht war und sie auf der anderen Bettseite vermisst hatte. Doch dann hatte er den Zettel auf dem Kopfkissen gefunden.

„Bitte verzeih' mir. Leb‘ Dein Leben und vergiss mich. Trish. P. S. Ich werde Dich nicht mit hineinziehen und Carlo sagen, dass ich Torschlusspanik vor der Hochzeit hatte und einfach nur ein paar Tage weg wollte. Niemand wird von der Entführung erfahren.“

Zutiefst von ihr enttäuscht und wütend über sich selbst, hatte er sich angezogen und war nach Hause gefahren. Mit der Gewissheit, sie für immer verloren zu haben, war sein Hass auf Carlo Vincenti ins Unermessliche gestiegen. Zum zweiten Male würde er eine Frau, die er liebte, durch ihn verlieren. Irgendwann, so schwor er sich, würde er dafür bezahlen. Er würde ihn zur Strecke bringen, früher oder später. An Trish war er indes nicht mehr herangekommen und alle Versuche, noch einmal mit Anjelica in Kontakt zu treten und an ihr Gewissen zu appellieren, waren im Keime erstickt worden. Sie hatte ihn nicht anhören wollen und abgeblockt.

Mit seinen Ermittlungen war er keinen Schritt weiter gekommen. Carlo hatte Anjelica die besten Anwälte besorgt und würde sie spätestens nach der Hochzeit mit Trish außer Landes schaffen. Niemand konnte ihr den Mord nachweisen, da wichtiges Beweismaterial aus dem Gerichtsmedizinischen Institut und der Asservatenkammer in Monte Vista verschwunden war. Er hatte nur noch die Kopie einer Schnellanalyse, die kompletten Untersuchungsergebnisse waren nach dem nächtlichen Einbruch entwendet und bei dem Brand zerstört worden. Damit war mit dem Glas, aus dem der Tote zuvor noch getrunken hatte, das wichtigste Indiz nicht mehr vorhanden. Keinerlei Fingerabdrücke und auch die Proben des Pulvers, das man an Anjelica's Handfläche sichergestellt hatte, war den Flammen zum Opfer gefallen. Auch war immer noch nicht geklärt, wer auf Anjelica geschossen hatte. Das Projektil, das man am Tatort gefunden hatte, stammte weder aus seiner Pistole noch aus der Dienstpistole des ebenfalls anwesenden Polizisten. Kyle hatte den oder die Schützen nicht gesehen, da es schon recht dunkel gewesen war und sich danach sich die Ereignisse überschlagen hatten.

Kyle musste endlich herausfinden, was seine Mutter mit Carlo verband. Vielleicht ließen sich daraus wichtige Schlüsse ziehen. Gleich, nachdem er heute Morgen aufgestanden war, hatte er sie angerufen und sein Kommen für den Vormittag angekündigt…



Ein paar Minuten zuvor war er angekommen und stand nun wartend im Wohnzimmer seiner Eltern. In seiner Hand hielt er immer noch die Reste der kleinen Karte, die auf dem Tisch gelegen hatte. Als seine Mutter das Zimmer betrat, wandte er sich müde um.

„Guten Morgen, mein Junge. Schön, dass Du da bist. Ist Sheila auch dabei?“, begrüßte sie ihn. Suchend sah sie sich im Zimmer nach ihrer Enkelin um. Erst als ihr Blick auf die zerknüllte Karte in Kyle‘ s Hand fiel, fragte sie leicht unbehaglich: „Du wolltest mich sprechen? Ist alles in Ordnung, Kyle?“

„Seit wann wisst Ihr es? Seit wann wisst Ihr, dass er den Termin neu festgelegt hat?“, presste er mit tonloser Stimme hervor, Caroline dabei immer noch den Rücken zugewandt.

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Sie biss sich nervös auf die Unterlippe, ehe sie zögernd antwortete: „Die Einladung wurde gestern Morgen bei uns abgegeben. Aber Dein Vater und ich werden nicht hingehen und Du solltest es auch nicht tun. Tu Dir das nicht an, Kyle.“

Kyle warf die Karte wütend in die Ecke, ehe er sich langsam zu ihr umwandte. Lange ruhte sein Blick auf Caroline, der so durchdringend war, dass sie sich noch unbehaglicher fühlte. Sie ahnte, weshalb er sie sprechen wollte und noch ehe sie etwas sagen konnte, hörte sie ihn auch schon fragen: „Mum, was verbindet Dich und Carlo? Du warst an jenem Abend so komisch, als Dad Trishs Mutter erwähnt hatte. Kennst Du sie, was weißt Du über Anjelica?“

Die Frage war so unverhofft gekommen, dass Caroline im ersten Moment nicht wusste, was sie darauf antworten sollte. Schließlich meinte sie zögernd: „Kennen ist zu viel gesagt. Sie war eine Zeitlang mit Carlo liiert, als sie hier in Bridgeport gelebt hatte. Aber das ist lange her und hat auch keinerlei Bedeutung.“

„Soooo, denkst Du? Woher willst Du wissen, was von Bedeutung ist und was nicht?“ Caroline schluckte, da das Gespräch in eine Richtung zu laufen schien, die ihr nicht gefiel. Rasch wollte sie daher das Thema wechseln, als Kyle plötzlich unvermittelt sagte: „Mum, ich weiß, dass Du mir irgendetwas verschweigst. Wenn Du mir wirklich helfen willst, dann sage mir endlich die Wahrheit. Ich bin kein kleiner Junge mehr, auf den man Rücksicht nehmen muss und den man in sein Zimmer schickt, wenn die Eltern streiten.“

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Caroline war bei den Worten ihres Sohnes blass geworden. Sie stöhnte auf und fragte stockend: „Was… was… was willst Du damit sagen, Kyle?“ Verzweifelt versuchte sie, ihre Nervosität in den Griff zu bekommen. Aber es wollte ihr nicht gelingen.

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„Mum, ich habe den Streit mit Dir und Dad damals mitbekommen. Aber ich war noch zu jung, um die Zusammenhänge zu verstehen. So hatte ich Euch noch nie erlebt. Katie hatte geweint und mich gefragt, was da los wäre. Ich hatte sie nur schwer beruhigen können und sie auf ihr Zimmer gebracht. Danach habe ich mich auf die Treppe gesetzt und Eurem Gespräch gelauscht. Das war nicht schwer, Ihr ward nicht gerade leise.“

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Caroline sah ihren Sohn bestürzt an und sagte dann schließlich: „Setz‘ Dich mein Junge. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, Dir die Wahrheit zu sagen. Ich möchte, dass Du eins weißt, Kyle. Ich liebe Deinen Vater sehr und zwischen uns hat sich auch nie etwas geändert.“

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Nachdenklich sah sie ihn an und bat Kyle schließlich Platz zu nehmen. Was er dann jedoch erfuhr, ließ ihn aus allen Wolken fallen…



Etwas später




Liebevoll strich Henry seiner Frau über das Haar, während er sie eng umschlungen hielt. Nachdem Caroline ihn völlig aufgelöst im Büro angerufen hatte, war er sofort nach Hause geeilt. Unter Tränen hatte sie ihm schließlich erzählt, was passiert und dass Kyle wortlos gegangen war. Henry hatte sie in den Arm genommen und beruhigend auf sie eingeredet. Nach all den Jahren liebte er sie immer noch so sehr wie damals. Auch Carlo hatte daran nichts ändern können.

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Nachdem er sie wieder losgelassen hatte, fragte er leise: „Warum hast Du es ihm gesagt, Caro?“

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„Weil es an der Zeit war, Henry. Ich habe viel zu lange damit gewartet.“

„Und was hast er dazu gemeint?“

Fast schon hysterisch lachte sie auf. „Was glaubst Du wohl, wie er reagiert hat?“

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Caroline seufzte, während sie an die letzte Stunde dachte. Kyle war nach ihrem Geständnis wortlos aufgestanden und fast schon fluchtartig zur Tür hinaus gerannt. Sie hatte es ihm nicht einmal verübeln können.

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Sie hatte es ihm nicht einmal verübeln können. Was hatte sie denn erwartet? Dass er sie in den Arm nehmen und sich freuen würde, nachdem sie ihm alles gebeichtet hatte? Sie konnte nicht mehr rückgängig machen, was damals passiert war.

„Henry, habe ich Kyle verloren?“ Caroline schluckte schwer, während sie krampfhaft die Tränen zurückhielt.

„Lass‘ ihm Zeit, über alles nachzudenken, Caro“, sagte Henry und schloss seine Frau in die Arme. „Es wird nicht einfach für ihn sein.“

Nun ließ Caroline ihren Tränen freien Lauf und klammerte sich schluchzend an ihren Mann. „Er hasst mich, Henry. Das wird er mir nie verzeihen. Ich könnte Carlo umbringen. Warum tut er das? Aus welchem Grund will er Trish heiraten? Warum musste Anjelica nach all den Jahren ausgerechnet in Monte Vista auftauchen?“

Henry murmelte tonlos: „Ich denke, wir kennen beide die Antwort, Caro und Du schon länger als ich. Warum hast Du es mir nie gesagt? Hatte Carlo es Dir verboten?“

Caroline löste sich wie in Zeitlupe von ihrem Mann. Entsetzen spiegelte sich in ihrem Gesicht wider, als sie ihn entgeistert anstarrte.

„WAS? Woher weißt …Du weißt, dass Anjelica und er… Aber… Henry, ich hatte keine Ahnung... Woher…?“, stammelte sie.

„Woher ich das weiß? Nun, ich hatte Euer Gespräch mitbekommen, als ich früher nach Hause gekommen bin. Erinnerst Du Dich noch? Carlo war zu Dir gekommen, um Dich um einen Rat zu bitten. Caro, ich hatte immer gehofft, dass Du es mir eines Tages sagen würdest.“

Caroline nickte geistesabwesend. „Aber ich konnte Carlo nicht weiterhelfen. Anjelica war so berechnend geworden und als Carlo mitbekommen hatte, dass sie und… Henry, warum? Ausgerechnet er… Wie konnte sie ihm so etwas antun? Carlo war am Boden zerstört, er…“

„Er, er er und nochmals er“, unterbrach Henry sie mit gereizter Stimme. „Du hast ihn immer in Schutz genommen. Was ist mit Anjelica? Glaubst Du denn, ihr wird das leichtgefallen sein? Stelle Dir mal vor, meine Eltern hätten das von Dir verlangt. Ich kann sie nur zu gut verstehen und dass sie sich an ihm rächen wollte.“

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„Auch auf die Gefahr hin, dass er es hätte herausbekommen können?“, wies ihn Caroline zurecht.

„Das hat sie in Kauf genommen. Überleg‘ doch mal, sie hatte nichts mehr zu verlieren.“

Caroline nickte. „Ja, vermutlich hast Du Recht. Dann wollte sie die beiden möglicherweise nur wiedersehen.“ Sie hielt inne, während ein fruchtbarer Verdacht in ihr keimte. Fast schon monoton klang ihre Stimme, als sie sagte: „Ja aber… das würde ja bedeuten…“ Sie brach ab, ehe sie kopfschüttelnd sagte: „Henry, Du weißt, wer auf Anjelica geschossen hat. Habe ich Recht?“

Henry nickte. „Ich habe eine Vermutung, genauso wie Du und wenn wir beide es vermuten, dann auch…“

Er hielt inne, während Caroline seinen Satz vervollständigte: „Dann auch Carlo. Um Himmels Willen! Weißt Du, was das bedeutet?“

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Die Tränen rollten ihr nun unaufhörlich die Wangen hinunter und fast schon verzweifelt schluchzte sie erneut auf. „Oh, mein Gott. Henry, ich kann es ihnen nicht sagen. Ich habe Carlo damals versprechen müssen, zu schweigen.“

„Und konntest es mit Deinem Gewissen vereinbaren. Caro, ich verstehe Dich nicht. Warum hast Du damals Deinen Verdacht Carlo nicht mitgeteilt…?“ Kopfschüttelnd brach er ab.

„Wie denn? Er war nicht alleine und sie ist wie eine Furie auf mich losgegangen“, verteidigte sich Caroline. „Wäre Carlo nicht dazu gekommen. Sie hat mich gehasst und das hat sich bis heute nicht geändert.“

„Sie war eifersüchtig, was hast Du denn erwartet?“, seufzte Henry auf.

Weinend warf sie sich erneut in seine Arme: „Ich werde mir das nie verzeihen, wenn ich an diesen Umständen Schuld sein soll. Hätte sich etwas geändert, wenn Kyle die Wahrheit gewusst hätte?“

„Nein vermutlich nicht“, murmelte Henry, ehe er überrascht fragte: „Weiß Kyle denn auch, dass…?“

„Nein, um Himmels Willen!“, fiel ihm Caroline ins Wort. „Er hat keine Ahnung und wir sind nicht diejenigen, die es sagen sollten. Das ist nicht unsere Aufgabe.“

Henry strich ihr liebevoll über die Harre und murmelte: „Ja, ich weiß. Aber sie sollten... Nein, sie müssen es erfahren.“

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Währenddessen



Plan- und Ziellos war Kyle durch die Gegend gefahren. Unbewusst hatte er den Weg zur Hütte eingeschlagen. Er musste jetzt alleine sein. Die Hütte war immer noch in dem Zustand, in der er sie nach Trishs Flucht verlassen hatte. Fast mechanisch begann er aufzuräumen, das Bett zu überziehen und das Bad zu putzen.

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Er säuberte die Spüle und reinigte den Kühlschrank. Die alten Sachen warf er weg, die anderen gab er in die Kühltasche, die er mitgebracht hatte.

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Anschließend reparierte er noch den Wasserhahn der Außenspüle, die zum angrenzenden Schuppen gehörte.

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Zu guter Letzt rückte er noch die Möbel an die alte Stelle. Das Bett zog er ein wenig in die Mitte. Eigentlich stand das Bett in den oberen Räumen, er hatte es nur Trishs wegen hinunter getragen. Aber bei passender Gelegenheit würde er es zusammen mit Steve wieder nach oben bringen.

Noch vor wenigen Tagen hatte er Trish hier gefangen gehalten. Er hatte sie von seiner Liebe überzeugen wollen. Immer wieder hatte er versucht, ihr die Hochzeit mit Carlo auszureden. Doch sie war gegangen, für immer aus seinem Leben verschwunden. Enttäuschung, Wut und Trauer überkamen ihn, als er auf das Bett sah, in dem sie sich vor ein paar Tagen noch leidenschaftlich geliebt hatten. Wie hatte sie ihm das nur antun können? Warum war sie gegangen? Warum verschwor sich derzeit alles gegen ihn?

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Er stieg die Wendeltreppe hinauf, um die Tagesdecke zu holen, die er über das Bett legte. Nachdem alles sauber und wieder an seinem richtigen Platz stand, sah er sich im Raum um. Der Wohnraum sah wieder ordentlich aus und ihn selbst hatte die Putzarbeit ein wenig abgelenkt.

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Nach dem Geständnis seiner Mutter hatte er das Gefühl gehabt, den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen. Er hatte nicht fassen können, was sie ihm erzählt hatte. Seine Mutter und Carlo? Der Mann, der seine geliebte Frau auf dem Gewissen hatte und der ihm jetzt auch noch Trish nehmen würde. Der Gedanke, dass seine Mutter und er ein Verhältnis hatten und zeitweise sogar der Verdacht bestand hatte, er hätte Kyle‘ s Vater sein können, hatte ihn schwer getroffen. Das alles war zu viel für ihn gewesen und ohne sich von seiner Mutter zu verabschieden, war er einfach aufgestanden und gegangen. Was hatte seine Mutter gesagt? Ein Vaterschaftstest hätte nicht gänzlich ausschließen können, dass Carlo nicht sein Vater wäre. Aber Fotos, die Henry als Kind zeigten, hätten deutlich gemacht, dass Kyle Henry' s Gene in sich tragen würde und nur er als Vater in Betracht käme. Aber letztendlich spielte das auch keine Rolle mehr. Seine Mum hatte Dad mit Carlo betrogen und nun verstand er auch, warum sein Vater die Familie damals für eine Weile verlassen hatte. Was hatte ihm seine Mutter damals zur Antwort gegeben, als er sie gefragt hatte, wo sein Vater wäre? Dad wäre auf einer längeren Geschäftsreise in Europa. Aber er hatte geahnt, dass dies nicht der Grund gewesen war und dies keineswegs der Wahrheit entsprach. Doch um Katie‘ s Willen, die damals noch so klein gewesen war, hatte er nicht weiter nachgehakt. Aber war seine Mum nicht die einzige in der Familie, die noch mit Carlo sprach, die sich begrüßten, wenn sie sich sahen? Nur wurde ihm einiges klar.

Müde schloss Kyle seine Augen, während er leise seufzte. Wie sollte es jetzt weitergehen? Was wollte er überhaupt noch hier in Bridgeport? Morgen würde Carlo Trish heiraten, Anjelica das Land verlassen und er konnte nichts dagegen unternehmen. Carlo hatte gewonnen. Kyle ließ seinen Blick durch den Raum schweifen und erinnerte sich noch einmal an die paar Tage mit Trish zurück. Er vermisste sie schrecklich. Nie mehr würde er eine Frau so lieben können, wie er sie liebte. Schwer schluckte er den Kloß hinunter, der seine Kehle herauf gekrochen kam und einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. Plötzlich wurde es ihm im Haus zu eng. Ich muss hier raus, war sein nächster Gedanke.

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Er rannte so hastig die Treppe hinunter, dass er auf der letzten Stufe ausrutschte und mit den Knien im weichen Schnee landete. Hysterisch lachte er auf und schaute dabei in den mittlerweile Sternenklaren Himmel, während sein Lachen immer lauter wurde, ehe es schließlich in ein immer leiser werdendes, verzweifeltes Schluchzen überging. Er spürte, wie ihn langsam die Kraft verließ. Fast schon hilflos griff er sich mit beiden Händen in die Haare und schrie schließlich seine ganze Trauer und Wut hinaus. Im Wald konnte ihn niemand hören, seine Tränen nicht sehen.

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Kapitel 87 folgt...

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 28.01.2018, 00:58

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Kapitel 87




Ein Samstag des Vergessens




Kyle hatte sich gefreut, als Katie ihn gestern Abend angerufen und sich angeboten hatte, ihn am heutigen Samstag mit Sheila zu dem Tierheim zu begleiten, das ihm Ethan genannt hatte. Er hatte gar nicht gewusst, dass in ihrer Straße ein solches demnächst eröffnen würde. Um 11 Uhr wollten sie sich dort mit Katie treffen. Kyle war für jede Ablenkung dankbar. Nur nicht daran denken, dass zur selben Zeit Trish und Carlo‘ s Vermählung stattfinden würde. Eine Hochzeit, die er nicht mehr verhindern konnte. Dementsprechend aufgewühlt war er gewesen, als er heute Morgen aufgestanden war. Am liebsten wäre er den ganzen Tag im Bett liegen geblieben. Oder irgendwo hingefahren, wo er nicht ständig an Trish und die bevorstehende Hochzeit denken musste.

Erst gestern, nach dem Telefonat mit Katie, hatte er den Entschluss gefasst, nicht daran teilzunehmen. Er würde es nicht ertragen können, wenn die Frau, die er von Herzen liebte, einem Anderen das Ja-Wort geben würde. Katie hatte ihm schließlich vorgeschlagen, zusammen mit Sheila das Tierheim aufsuchen, das ganz in ihrer Nähe kürzlich eröffnet hatte. Nach seiner Rückkehr aus Monte Vista, hatte Kyle überraschend erfahren müssen, dass der Züchter mit seinen Hunden nach Aurora Skies gezogen war. Eigentlich hatte er Sheila einen Hund zu ihrem 8. Geburtstag schenken wollen, sich dann aber notgedrungen für ein anderes Geschenk entscheiden müssen. Seitdem hatte das Gelände des Züchters leer gestanden, bis vor ein paar Tagen ein neues Tierheim sich hier niedergelassen hatte. Ethan hatte ihm erzählt, dass er kürzlich dort gewesen wäre, um sich ein wenig umzuschauen. Zwar wäre es noch nicht völlig eingerichtet, aber die Hunde hätten dort schon Einzug gehalten und der Leiter des Tierheimes hätte einen guten Eindruck auf ihn hinterlassen. Ethan‘ s Meinung war Kyle sehr wichtig gewesen, da dieser sich mit Hunden sehr gut auskannte und auch Bridgeport‘ s Polizeihunde ausbildete.


Kyle sah auf die Uhr, während er sichtlich aufgewühlt war. In einer halben Stunde wird sie ihm das Ja-Wort geben und ich kann nichts mehr tun, um es doch noch zu verhindern. Die Anklage gegen Anjelica ist vom Tisch und die Beweise verschwunden, dachte er, während er mit Katie und Sheila im Vorzimmer des Tierheimes stand, das sie vor wenigen Minuten erreicht hatten. Mittlerweile hatte der Schneefall nachgelassen und die Sonne war zum Vorschein gekommen. Ben Franklin, der Leiter des kleinen Tierheimes, hatte sich als sehr nett erwiesen und ihnen gleich einige der Hunden gezeigt. Da es nicht so kalt war, wie es im ersten Moment aussah, tollten die Hunde im Schnee herum, konnten jedoch jederzeit ins Warme herein kommen.

„Und, was sagst Du?“, riss Katie ihren Bruder aus seinen Gedanken.

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„Wie, was meinst Du?“ Noch völlig in Gedanken sah er seine Schwester an.

„Du hast mir gar nicht zugehört, oder? Kyle, ich weiß, dass es schwer ist und es bricht mir das Herz, Dich so hoffnungslos und bedrückt zu sehen. Ich würde gerne sagen, dass es noch andere Frauen auf der Welt gibt. Aber das willst Du nicht hören, hm? Hast Du denn wenigstens noch einmal mit ihr reden können?“

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Kyle schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe alles versucht, an Anjelica‘ s Gewissen appelliert. Aber sie hat mich nicht angehört und alle meine Telefonate geblockt. Es ist vorbei, Katie. Ich habe Trish verloren. Und ich fühle mich gerade so beschissen wie nie, das kannst Du mir glauben.“

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„Es tut mir so Leid, Kyle. Wenn ich Dir doch nur irgendwie helfen könnte.“

Kyle versuchte sich in einem Lächeln. „Du bist hier, Katie. Das hilft mir sehr.“

Er drückte ihre Hand und sah zu Sheila, die mit einem der kleinen Welpen spielte, von dem ihm Ethan erzählt hatte. Langläufer hatten die hilflosen Welpen in einem Korb im Wald gefunden, die der Besitzer einfach ausgesetzt hatte. Hätte man sie nicht rechtzeitig gefunden, wären sie jämmerlich erfroren.

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„Wie findest Du sie, Daddy? Der weiße ist Hector und der schwarz-weiß gesprengelte ist Shaggy“, wies sie auf den Welpen, der gerade zur Tür hinaus tapste.

„Und wer ist das?“, deutete er auf den beigefarbenen Hund, der gerade vor Katie stand und sie erwartungsvoll ansah.

„Das ist Topsy, auch sehr süß, oder? Ach Daddy, ich finde sie alle süß.“

Sheila gesellte sich nun zu ihrem Dad, während Katie sich mit Ben unterhielt, der gerade von draußen hereingekommen war. „Solange es hell ist und nicht allzu kalt, halten sich die Hunde gerne im Freien auf“, klärte er Katie auf, die sich gewundert hatte, dass die Hunde draußen im Schnee herum tollten.

„Und wie lange machen Sie das schon, Ben?“, wollte sie wissen.

„Ich habe schon in Riverview, wo ich herkomme, zusammen mit meiner Ehefrau ein Tierheim geleitet. Candice ist Tierärztin und so hatten wir das gut miteinander verbinden können.“

„Oh, das finde ich toll, wenn beide einen ähnlichen Berufszweig haben. Und wie gefällt es Ihnen in Bridgeport?“

„Nun ja, es ist natürlich bedeutend größer und lauter. Aber wir haben gleich hier in der Nähe ein Häuschen gekauft. Das ist es nicht so laut.“

Katie nickte. „Ja, ich weiß. Ich wohne gleich die Straße runter.“

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„Ben meint, die Welpen wären noch zu klein zum Vermitteln. Sie müssen alle paar Stunden gefüttert werden. Aber er hat gesagt, ich dürfe jederzeit vorbeikommen, wenn ich mag. Er meint aber auch, dass ein älterer Hund besser wäre als ein kleiner Welpe. Oder was meinst Du, Daddy?“

Kyle nickte zustimmend. „Ja, da hat er auch Recht, Sheila. Ein kleiner Welpe braucht viel Aufmerksamkeit und Pflege, musst Du wissen. Deshalb finde ich auch, dass ein ausgewachsener Hund besser wäre. Vielleicht ein oder zwei Jahre alt.“

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Nun kam auch Katie wieder dazu, da Ben wieder nach draußen gegangen war. „Du kannst ja, wenn Du bei mir bist, jederzeit im Tierheim vorbeischauen, Kleines. Du musst Dich ja nicht gleich entscheiden“, schlug Katie ihrer Nichte vor.

Plötzlich schien Sheila eine Idee zu kommen. „Wisst Ihr was?“

„Nein, was denn?“, schüttelten Kyle und Katie gleichzeitig den Kopf.

„Ich mache einige Fotos und zeige sie dann Grandma und Grandpa. Ich bin gespannt, was sie dazu sagen. Daddy, könntest Du mich mit den Hunden fotografieren? Dein Handy macht schönere Fotos als meins.“

„Na schön“, meinte Kyle und griff in die Innentasche seiner Lederjacke. „Na nu“, meinte er verwundert und tastete dann mit beiden Händen die Vordertaschen ab.

„Was ist Kyle?“, fragte Katie neugierig.

„Ich habe doch mein Handy…“ Noch einmal sah er in seinen Taschen nach und seufzte schließlich. „Ich glaube, ich habe es auf dem Sideboard liegen lassen.“

„Egal, dann nimm meins“, bot Katie Kyle ihr Handy an.

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Aufmerksam sah sie ihren Bruder an: „Seit wann bist Du denn so zerstreut, Bruderherz?“

„Ach, Charlene hat mich wieder total durcheinander gebracht. Ich wollte es noch einstecken, aber dann…“

„Charly?“,
wurde er von Katie unterbrochen. „Was wollte denn die schon wieder?“

Kyle seufzte. „Sie wollte mit mir nach Riverview fahren. Nachdem ich ihr aber abgesagt hatte, stand sie 10 Minuten später vor der Tür. Wir wollten gerade gehen.“

Katie schüttelte angewidert den Kopf. „Die dumme Kuh lernt es nie, was. Sie war bestimmt nicht begeistert, dass Ihr beide weg wolltet.“

„Nein. Sie wollte, dass ich es verschiebe. Sie war mit einem Korb Gemüse bepackt und wollte einen Gemüseauflauf machen.“

„Ja und? Du hast sie doch hoffentlich weg geschickt.“

„Na ja“, druckste Kyle herum, ehe er schließlich sagte: „Ich habe gesagt, dass wir gegen Abend wieder zurückkommen werden.“

Katie kannte ihren Bruder und dessen Gutmütigkeit nur zu gut. „Lass‘ mich raten, Du hast sie nicht weg geschickt. Habe ich Recht?“ Als Kyle ihr nicht antwortete, deutete sie mit ausgestreckten Zeigefinger an. „Du bist ein hoffnungsloser Fall, Kyle. Erkläre mir mal, was Charly an sich hat, dass sie Dich immer wieder um den Finger wickeln kann.“

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„Ich konnte sie doch nicht einfach wegschicken. Sie hat es doch nur gut gemeint“, verteidigte sich Kyle.

„Oh ja“, meinte Katie höhnisch. „Ihre Absichten sind mir bestens bekannt. Du brauchst Dich nicht herausreden. Und jetzt kocht sie also in Deiner Küche. Du lässt sie alleine in Deiner Wohnung zurück. Kyle, wenn ich könnte, dann würde ich Dir jetzt liebend gerne in den Hintern treten.“

Katie sah seufzend aus dem Fenster und meinte schließlich: „Die Sonne ist gerade herausgekommen und die Hund sind auch draußen. Ich geh‘ schon mal raus.“ Sie musste jetzt an die frische Luft, um nicht vor Sheila zu exploderien.

„Ja, ist gut“, rief Kyle ihr nach, während sie gerade zur Tür hinausging. „Was hat Tante Katie denn, Daddy?“, wollte Sheila neugierig wissen, die sich den plötzlichen Stimmungswandel ihrer Tante nicht erklären konnte.

„Ich glaube, sie war nicht begeistert davon, dass Charly bei uns ist.“

„Hm, sie will einen Gemüseauflauf machen, hat sie mir gesagt“, meinte Sheila dazu nur.

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Schließlich gesellten sie sich ebenfalls zu Katie und spielten ausgelassen mit den herumspringenden Hunden, denen weder Kälte noch der Schnee etwas auszumachen schien. Derzeit befanden sich drei große Hunde, ein mittlerer und drei Welpen im Freigelände. Zwei andere Welpen hatten sich zum Schlafen in ihr Hundekörbchen verzogen. Während Katie und Sheila mit den Hunden spielten, sie streichelten, ihnen Leckerlies gaben, unterhielt sich Kyle rege mit Ben über Gott und die Welt.

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Dabei ging sein Blick immer wieder zu Katie, die ebenso wie Sheila, ausgelassen mit den Hunden herum tollte. In wenigen Wochen würde sie ihre Zelte in Bridgeport abbrechen und für mindestens zwei Semester nach New Sunset Valley ziehen. Das hatte sie vor einigen Tagen der Familie mitgeteilt. Er würde sie schrecklich vermissen. Auch wenn sie rund drei Flugstunden entfernt wohnen würde, es würde nicht mehr dasselbe sein.

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Als Katie‘ s Handy vibrierte, nahm sie es zur Hand und schaute lachend auf das Display. „Grandpa hat zurückgeschrieben. Du sollst sie alle nehmen, Katie.“

„Was? Daddy würde der Schlag treffen. Nee, im Ernst, Tante Katie. Was meint er?“

„Er schreibt, Du solltest Dich zwischen dem Hellbraunen und den gefleckten entscheiden. Kein Welpe, die wären noch zu klein.“

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Kyle, der sich gerade mit dem größeren Hund beschäftigte, rief ihnen zu: „Ja, das finde ich auch. Überleg‘ mal, Schatz. Er ist noch nicht stubenrein, Du musst ständig mit ihm raus.“

„Na ja, das musst Du mit einem größeren auch“, wandte Katie ein.

„Ja, schon. Aber so ein Kleiner… Ich würde mich zwischen den Dreien entscheiden, mein Schatz“, sagte Kyle.

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Sheila nahm einen der Welpen in die Hand und hob ihn hoch. „Ihr seid wirklich sehr süß. Aber noch ein bisschen zu klein. Ich würde Euch ja gerne alle mitnehmen, aber das geht leider nicht. Aber ich verspreche Euch etwas. Ich könnte nach der Schule zu Tante Katie gehen und dann hierher kommen. Was hältst Du davon?“ Der Kleine grunzte etwas in sich hinein, wirklich verstanden hatte er jedoch nicht, was Sheila ihm gesagt hatte.

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„Ich würde ja auch gerne einen von Euch zu mir nehmen. Aber ich ziehe bald weg und in New Sunset Valley hätte ich keine Zeit für Euch. Schade. Ihr seid so süß.“

Katie sah verzückt auf die kleinen Racker zu ihren Füßen, während Ben an Kyle gerichtet meinte. „ Er mag Sie, Kyle.“

Dieser lachte auf. „Ja, das glaube ich auch. Aber in meiner Wohnung kann ich kein so großes Tier halten. Außerdem hätte ich auch gar keine Zeit.“

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Zur gleichen Zeit



„Kann ich Dir behilflich sein, Onkel Carlo?“

Fabio sah fragend auf seinen Onkel, der sich gerade die Krawatte umband. Er war erst vor einer Woche mit Julie aus den Flitterwochen zurückgekommen, die sie unfreiwillig auf Carlo‘ s Rat hin, verlängert hatten. Carlo hatte ihm den Grund nicht genannt und nur dazu gemeint, er solle sich noch einmal richtig erholen, bis ihn der Alltag wieder einholen würde.

„Danke, Fabio. Könntest Du mir die Manschettenknöpfe reichen, die auf dem Sideboard liegen?“

Fabio half seinem Onkel mit dem Anbringen der Knöpfe und sah in prüfend an: „Aufgeregt? Immerhin heiratest Du eine der schönsten Frauen der Stadt. Sie ist ein sehr liebreizender Mensch und meine beste Freundin, wie Du ja weißt.“

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„Du magst Trish sehr, nicht wahr Fabio?“ Prüfend sah Carlo ihm in die Augen.

Fabio lächelte, während sich ein Glanz in seine Augen stahl und erwiderte: „Ja, ich mag sie sehr. Seit ich sie damals zum ersten Male auf dem Spielplatz getroffen hatte. Traurig und alleine hatte sie auf der Schaukel gesessen. Dieses blauäugige, süße kleine Ding mit den goldenen Haaren und dem bezaubernden Lächeln.“ Fabio seufzte auf. „Weißt Du Onkel Carlo, ich war immer ihr Beschützer und habe ihr später, als sie älter geworden war, allzu lästige Verehrer vom Leib gehalten. Obwohl sie das auch alleine ganz gut konnte. Meine Kumpels haben mich oft gefragt, ob da etwas zwischen uns wäre. Komisch, es hatte nie bei uns Beiden gefunkt. Na und dann ist Julie in mein Leben getreten. Aber Du und Trish, das hatte mich sehr überrascht. Wir hatten in Monte Vista davon gar nichts davon mitbekommen.“

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Lächelnd meinte Carlo: „Das glaube ich Dir, mein Junge. Du hattest ja nur Augen für Julie. Jaaa, irgendwann hatte es zwischen uns gefunkt. Trish ist eine bezaubernde Frau. Ich bin sehr glücklich, Fabio. Und wer weiß, vielleicht werde ich in meinem Alter ja nochmal Vater.“

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Fabio sah ihn erstaunt an und fragte: „Wie meinst Du das?“

„Was?“, überrascht blickte Carlo auf Fabio.

„Na ja, Du hast eben nochmal gesagt. Hast Du nicht erwähnt, Rominas Kind ist nicht von Dir?“

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Lachend sagte Carlo: „Ach so. Aber das ist doch nur so eine Redensart. Da siehst Du mal, wie aufgeregt ich vor meiner Hochzeit bin. Nein, ich bin nicht der Vater der kleinen Raffaela. Das hat ein Vaterschaftstest ergeben. Aber ich hätte nichts dagegen, Vater zu werden.“

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Er klopfte Fabio auf die Schulter und meinte mich Nachdruck: „So, und nun lass‘ mich mal bitte kurz alleine. Ich komme gleich runter.“

Nachdem Fabio gegangen war, blickte Carlo in den Spiegel. Der Vaterschaftstest hatte eindeutig erwiesen, dass er nicht Raffaelas Vater war. Er hatte mit Romina vereinbart, dass sie so lange in dem Haus wohnen konnte, bis sie etwas anderes gefunden hatten. Mit Michele, dem Kindsvater hatte sie sich mittlerweile ausgesprochen, nachdem dieser wohlbehalten von seinem militärischen Auslandseinsatz zurückgekommen war. Nachdem er erfahren hatte, dass er in Kürze Vater werden würde, war er keinen Schritt mehr von Romina‘ s Seite gewichen und hatte ihr ein paar Tage später seine Liebe offenbart und um ihre Hand angehalten. Carlo würde, wie er es Romina versprochen hatte, Michele finanziell ein wenig unter die Arme greifen.



Währenddessen, ein paar Zimmer weiter



Julie legte noch einmal Hand an Trishs Brautkleid an, ehe sie sagte: „Du siehst wunderschön aus, Trish. Ich hoffe, Du wirst mit Carlo so glücklich, wie ich es mit Fabio bin.“

„Danke, Julie.“

„Dann war das doch nur ein Gerücht zwischen Kyle und Dir, oder?“ Nachdenklich schaute Julie auf ihre Freundin, die nervös an ihrem Ärmel zupfte.

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„Ja, natürlich. Du kennst doch Bridgeports Gerüchteküche. Man sollte dem keine Beachtung schenken.“ Krampfhaft versuchte Trish die Tränen zurückzuhalten, die ihr bei Kyles Namen in die Augen schießen wollten.

„Ja, vermutlich hast Du Recht, Trish, obwohl er auch sehr gut zu Dir gepasst hätte“.

„Das klingt ja fast so, als wolltest Du mir die Hochzeit mit Carlo ausreden.“ Erstaunt sah Trish ihre Freundin an.

„Nein, das möchte ich nicht. Nur… Carlo ist so viele Jahre älter als Du. Er könnte Dein Vater sein.“

„Ja, das könnte er. Aber Liebe hat nichts mit dem Alter zu tun.“

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„Dann liebst Du ihn wirklich, Trish?“

Doch anstatt Julie zu antworten, fragte Trish sie: „Warum fragst Du mich das jetzt?“

„Ach nur so. Hauptsache, Du wirst glücklich. Schade, dass Deine Freundinnen nicht kommen konnten. Und Anna, sie wäre bestimmt gerne dabei gewesen.“

Trish tätschelte Julie‘ s Arm und sagte lächelnd: „Aber Du bist doch da. Ich kann es leider nicht ändern, wenn die anderen nicht kommen können“ oder nicht wollen, fügte Trish verbittert in Gedanken hinzu.

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In der Tat hatten sowohl Priscilla als auch Cindy ihrer Freundin eine Absage zur Hochzeit erteilt, nachdem sie davon erfahren hatten. Auch Anna konnte nicht kommen, da sie dieses Wochenende bei Jason in Lucky Palms verbrachte. Der Termin war zu schnell gekommen, als dass sie die Reise noch hätte rückgängig machen können. Einerseits freute sich Trish für ihre Freundin, in Jason einen lieben Mann gefunden zu haben, der zu ihr passt, aber andererseits fehlte sie ihr in diesem Moment. Sie hatten zwar nach Trishs Rückkehr aus Monte Vista oft miteinander telefoniert, sich aber nicht mehr sehen können. Anna war entsetzt gewesen, als ihr Trish mitgeteilt hatte, dass sie Carlo Vincenti heiraten würde. Auch sie war davon ausgegangen, dass das mit Kyle etwas Ernstes wäre. Und ihre anderen so genannten Freundinnen hatten ihr unmissverständlich klar gemacht, was sie von ihrer Hochzeit hielten. Auch ihre Eltern würden nicht kommen, ebenso wenig wie die Klatschpresse Bridgeports, die Carlo ausgeladen hatte. Es würde eine Hochzeit in aller Stille werden, über die Trish wiederum sehr froh war.

„Wer hätte das gedacht, dass Du so kurz nach mir vor dem Traualtar stehen würdest? Ich glaube, damit hatte niemand gerechnet.“

Julies Worte hatten Trish aus ihren Gedanken gerissen und so antwortete sie: „Ja, vermutlich nicht, Julie. Hat sich denn Craig jetzt gemeldet?“, wechselte sie plötzlich das Thema. Trish hatte von Fabio erfahren, dass sie seit der Hochzeit nichts mehr von ihm gehört hatten. Auch Sophia, die sich große Sorgen um ihren Freund machte, hätte schon mehrmals nachgefragt.

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Betrübt schüttelte Julie den Kopf. „Nein, leider nicht. Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Ich war gestern in seinem Häuschen. Aber da sieht es immer noch so aus, wie er es verlassen hatte. Ich weiß nicht einmal, wo der hingegangen sein könnte. Ich hoffe nur, ihm ist nichts passiert.“

„Ich denke, Craig kann schon auf sich aufpassen. Er wird bestimmt bald auftauchen.“

„Ich hoffe es. Okay, Trish. Wir sehen uns unten, bis gleich.“

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„Ja, ich komme auch gleich runter.“

Energisch trat Trish vor den Spiegel und sah sich noch einmal prüfend an. Alles saß und passte perfekt. Als sie Carlos „Bist Du soweit, mein Schatz“ vernahm, rief sie: „Ich komme gleich.“

Schnell wischte sie sich die Tränen von der Wange und atmete tief durch. Es waren nur wenige Schritte vom Ankleidezimmer ins Foyer, in dem schon Anjelica und Carlos Bodyguards warteten. Langsam stieg sie die Stufen hinab, während sie den Blick ihrer Mutter auffing.

Sie nickte ihr aufmunternd zu, ehe sie leise sagte: „Du siehst wunderschön aus, mein Schatz.“

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Trish nickte ihr lächelnd zu und ging um die Treppe herum ins improvisierte Trauzimmer des Hotels, das Carlo eigens für die Vermählung gemietet hatte. Die beiden Zimmer hatten nur zum Ankleiden gedient. Den Kaffee würde man hier einnehmen, das Abendessen würde zuhause stattfinden.

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Als Trish das Trauzimmer betrat, stand Carlo bereits unter dem Hochzeitsbogen. Rechts davor saßen Julie und Fabio, die beiden Trauzeugen.

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Auf der linken Seite hatte Angelica Platz genommen. Dahinter befanden sich Carlos Bodyguards, die gleichzeitig auch seine engsten Mitarbeiter waren. Für welchen Aufgabenbereich sie zuständig waren, wollte Trish gar nicht erst wissen. Sie kannte sie nicht näher und legte zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch keinen Wert darauf.

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Nach der ersten geplatzten Hochzeit, die Carlo groß hatte feiern wollen, hatte er sich diesmal zu einer Feier im kleinen Rahmen entschlossen. Auch die Presse war nicht eingeladen worden, wofür ihm Trish einerseits dankbar war. Gleich nach dem morgigen Frühstück würden Carlo und Trish in ihre Flitterwochen nach Sunlit Tides aufbrechen. Zwei Wochen wollten sie auf der kleinen Insel in der Karibik in Carlos dortigem Haus verbringen.

Trish sah zu Fabio, der ihr lächelnd zunickte. Sie lächelte ebenfalls und trat unter den Hochzeitsbogen.

„Du siehst hinreißend aus, Trish“, hörte sie Carlo sagen.

Sie nickte nur und murmelte ein leises „Dankeschön.“ Mehr brachte sie nicht über ihre bebenden Lippen.

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Trish sah sich selbst wie in einem Film, als sie Carlo‘ s Hand nahm, um ihm den Ring anzustecken. Ihre Finger zitterten so stark, dass ihr der Ring beinahe aus der Hand geglitten wäre. Den Trauspruch Carlo's und dessen Treugelöbnis nahm sie ebenso wenig wahr, wie das Anlegen seines Ringes an ihrem Finger.

Die Worte des Pfarrers im Hintergrund „…und erkläre Euch somit zu Mann und Frau“, hörte sie mehr im Unterbewusstsein.

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Carlo‘ s fast schon schüchterner Kuss auf ihre Lippen, all das nahm sie wie aus der Ferne wahr. Würde sie jemand fragen, was der Pfarrer denn die ganze Zeit gesprochen hatte, sie würde es nicht beantworten können.

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Nachdem die Zeremonie beendet war, kam Carlo auf Trish zu und fragte galant: „Darf ich Dich um den Eröffnungstanz bitten? Ich denke, man wartet darauf.“

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Trish nickte und ging mit zur Mitte des Raumes, wo er sie in seine Arme zog und mit ihr den Hochzeitswalzer tanzte. Entgegen ihrer Erwartung verhielt er sich sehr diskret und zurückhaltend. Er lächelte ihr manchmal zu, wenn sich ihre Blicke trafen, aber er machte keine Anstalten, irgendwelche Zärtlichkeiten mit ihr auszutauschen.

„Ist alles in Ordnung, Trish?“, fragte er sie besorgt, während sich der Walzer dem Ende neigte.

Trish schluckte und antwortete wahrheitsgemäß: „Ja, es ist alles in Ordnung. Ich habe nur leichte Kopfschmerzen.“

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Als der Tanz beendet war, schritten beide zur Hochzeitstorte und schnitten diese gemeinsam an, ehe sie an dem großen Tisch Platz nahmen. Während des Essens sprach kaum einer ein Wort und so fiel niemandem auf, dass Trish auch weiterhin wortkarg blieb. Ihre Gedanken waren bei Kyle. Was er wohl jetzt zu diesem Zeitpunkt machen würde? War er alleine, war Sheila bei ihm? Oder gar diese Charlene?

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Trish spürte, wie sich ihr Herz schmerzvoll zusammenzog. Voller Wehmut dachte sie an die letzten Tage zurück, die sie mit Kyle in der Hütte verbracht hatte. Ihre letzte gemeinsame Nacht. Nächte, die es nie mehr mit ihm geben würde. Ihr Platz war nun an Carlo‘ s Seite. Das war seine Bedingung gewesen, um Anjelica vor dem Gefängnis zu bewahren.

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Nachdem sie mit dem Kaffee fertig waren, fuhr die kleine Hochzeitsgesellschaft zum Anwesen der Vincentis. Gegen Abend würde es noch ein gemeinsames Essen geben, ehe man den Tag dann beenden würde.



Derweil im Tierheim




Mittlerweile begann die Sonne über Bridgeport unterzugehen, während sich Kyle mit Katie und Sheila immer noch draußen aufhielt.

„Tante Katie, Shaggy mag Dich und ich Dich auch, Trixie.“ Liebevoll saß Sheila auf das weiße Fellknäuel, das zu ihr empor sah. „Ja, Du bekommst noch Dein Leckerie, Shaggy“, sagte Katie lachend und hielt dem kleinen Gesprengelten, ein Leckerlie hin. Vorsichtig kam er näher, beschnupperte erst Katie‘ s Hand, ehe er es sich aus der Hand schnappte.

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„Ich glaube, wir sollten langsam rein gehen. Für die Kleinen wäre es auch besser“, sagte Katie, während sie einen Blick in die Ferne warf. Sie würde es schon ein wenig vermissen, wenn sie ehrlich war. Bridgeport war ihre Heimatstadt. Hier wurde sie geboren, war hier aufgewachsen, zur Schule gegangen, hatte ihren Abschluss gemacht, ihr Studium begonnen. Ihre Familie lebte hier, ihre Freunde. Dennoch fühlte sie, dass es Zeit für einen neuen Lebensabschnitt war.

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Sie drehte sich seufzend zu ihrer Nichte um und sagte: „Sheila, Du kannst jederzeit zu mir kommen, auch wenn ich nicht mehr hier wohne. Ob in den Ferien, für ein verlängertes Wochenende. Du bist immer willkommen und solange ich noch da bin, kannst Du auch gerne an den Wochenenden bei mir übernachten.“

„Du wirst mir sehr fehlen, Tante Katie. Ich werde Dich jeden Abend anrufen, wenn ich darf“, kam es fast kleinlaut über ihre Lippen.

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„Was ist das für eine Frage, mein Schatz. Natürlich darfst Du. Das musst Du sogar. Außerdem will ich doch wissen, wie es mit Deinen Josh weitergeht.“

„Mph, er ist nicht mein Josh, Tante Katie.“

„Wie, gibt es etwa einen Neuen?“, rief sie gespielt überrascht und hob ihre Arme verständnislos in die Höhe.

„Nein. Du immer. Was denkst Du denn von mir?“

„Das weißt Du doch, mein Schatz. Deine Tante hat nun einmal einen seltsamen Humor.“

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„Da muss ich Dir Recht geben, Schwesterherz“, meinte Kyle zwinkernd, der sich den Beiden gerade genähert und den letzten Satz Katie‘ s mitbekommen hatte. „Ich denke, wir sollten hineingehen, es wird langsam frisch. Nicht, dass wir uns noch erkälten.“

„Ja, die Kleinen müssen auch rein“, nickte Katie ihm zu.

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Re: Schatten der Vergangenheit

Beitrag von cheli24 » 28.01.2018, 01:26

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Kapitel 88





Schicksal - oder manche Dinge passieren einfach




Da Trish immer noch Kopfschmerzen hatte, als sie zuhause angekommen waren, entschuldigte sie sich, um sich vor dem Abendessen noch ein wenig hinzulegen. Auch Carlo und Audrey waren mittlerweile verschwunden. Vermutlich haben sie noch wichtige Dinge vor ihrer endgültigen Abreise zu klären, dachte sich Trish. Sie hatte gerade auf ihr Zimmer gehen wollen, als Stimmen, die aus Carlo’ s Arbeitszimmer drangen, sie aufhorchen ließen. Abrupt blieb sie stehen und trat vorsichtig an die geschlossene Glastür, deren Sicht jedoch durch ein heruntergezogenes Rollo verhindert wurde. Von drinnen drangen aufgeregte Stimmen nach draußen. Carlo und ihre Mutter führten offensichtlich ein sehr hitziges und lautes Gespräch.

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Sie musste nicht einmal angestrengt lauschen, denn die Stimmen waren bis nach draußen zu hören.

Anjelica: „Denke nur nicht, dass Du gewonnen hast, Carlo. Du hast mich schon einmal unterschätzt.“

Carlo: „Ach, denkst Du? Ich will, dass Du für immer aus meinem Leben verschwindest und Dich aus allen Geschäften raushältst. Ist das klar, Jelica? Oder muss ich Dich an die Klausel erinnern, die Du mir unterschrieben hast?“

Anjelica: „Du meinst, die Du mir aufgezwungen hast.“

Carlo: „Nenne es, wie Du willst. Wir haben eine Vereinbarung, einen Vertrag. Wenn Du Dich nicht daran hältst… Ich warne Dich, Jelica. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich gerne ein Kind mit Deiner Tochter hätte. Und wenn sie nur halb so temperamentvoll und leidenschaftlich im Bett ist, wie Du es warst mein Schatz, dann werden wir eine Menge Spaß miteinander haben. Also, überlege es Dir gut. Es liegt einzig und alleine in Deiner Hand, Liebling. Halte Dich an die Abmachung oder Trish zahlt die Rechnung dafür und Du wanderst in den Knast.“

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Nur mit äußerster Mühe hatte Trish bei Carlos Worten einen Aufschrei verhindern können. Zitternd stand sie da, nicht in der Lage, sich von der Tür abzuwenden.

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Anjelica: „Du kannst mir nicht drohen, Carlo. Wir sitzen im selben Boot, vergiss' das nicht. Ich habe Dich gewarnt, wenn Du Trish weh tust, dann wirst Du das bitter bereuen.“

Carlo: „So? Was wäre denn, wenn ich ihr die Wahrheit sagen würde? Was, wenn sie erfährt, dass Du keinesfalls die bist, die sie glaubt, in Dir sehen zu müssen? Soll ich ihr erzählen, warum Eric Dich aus dem Haus geworfen hat?“

Anjelica: „Dann sage Dur ihr aber auch, was in Deinem Büro passiert ist und dass Du mit Caroline ein Verhältnis hattest.“

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Carlo: „Und Du, Jelica? Wie oft bist Du zu mir angekrochen gekommen, weil Dein Mann nicht mehr mit Dir schlafen wollte? Erinnerst Du Dich noch an jene Nacht, als er Dich verprügelt hatte und Du zu mir gekommen bist? Damals wollte ich, dass Du mit Trish zu mir ziehst. Wir hätten eine Familie gründen können. Fabio war in Trish vernarrt. Aber Du wolltest nicht, bist zu Eric zurückgegangen und hast Dich weiterhin von ihm demütigen lassen. Aber dann bist Du im Büro grundlos auf Caroline losgegangen. Sie hatte nichts mit der Sache zu tun. Das war eine Angelegenheit zwischen Dir und mir. Du warst krankhaft eifersüchtig und hast es mir nicht leicht gemacht.“

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Anjelica: „Ich habe es Dir nicht leicht gemacht? Du konntest doch Deine Finger nicht von Caroline lassen. Henry war Dein bester Freund.“

Carlo: „Du bist erbärmlich, Jelica und gehst über Leichen, wenn es sein muss.“

Anjelica: „Nun, ich hatte einen guten Lehrmeister.“

Carlo: „Das mag ja durchaus zutreffen, aber Du hast nicht meine Raffinesse. Nur zu dumm, dass Mario nicht an dem Gift gestorben ist, das Du ihm verabreichen wolltest, Jelica.“

Anjelica: „Was willst Du damit sagen?“

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Carlo: „Nun, eine nachträglich angeordnete Untersuchung hatte ergeben, dass Gagliano zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte.“

Anjelica: „Einen Herzinfarkt? Aber wie...?“

Carlo: „Er war drogensüchtig und hatte sich zuvor eine Dosis gespritzt. Tja, welch ein Zufall, nicht wahr? Aber ich werde darüber hinweg sehen, denn durch Dich habe ich nun die Relikte. Ein Jammer Jelica, dass der Diebstahl umsonst war. Hast Du aber auch gewusst, dass Mario mit Trish Kontakt aufgenommen hatte? Als ich davon erfuhr, hätte ich Dir liebend gerne den Hals umgedreht. Wie oft hatte ich Dir gesagt, nicht nach Monte Vista zu kommen? Denkst Du vielleicht, ich habe das alles meinetwegen getan? Du hast mit Deinem Auftauchen in Monte Vista die Ratten erst aus den Löchern gelockt.“

Anjelica: „Wa- wa- was meinst Du damit?“

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Carlo: „Wer hätte denn Interesse daran gehabt, Dir nach dem Leben zu trachten? Denk' mal darüber nach.“

Anjelica: „Du! Wer sonst?“

Carlo: „Ja, wer sonst. Aber das passiert, wenn man mich hintergehen will und sich dafür mit dem Teufel einlässt.“

Anjelica: „WAS? Woher...? Du bluffst, Carlo. Du weiß doch gar nichts.“

Carlo: „Ja, vermutlich hast Du Recht. Ich weiß von gar nichts. Also, sollten wir nun Deine morgige Abreise besprechen.“

Anjelica: „Du verdammter Mistkerl. Das wirst Du bereuen. Ich werde Dich hinter Gitter bringen und wenn es das letzte ist, was ich tun werde. Du kannst nichts, aber auch gar nichts beweisen.“

Carlo: „Hoffentlich weißt Du auch, wen Deine Hand da gefüttert hat. Du konntest es einfach nicht lassen. Warum? Hast Du überhaupt eine Ahnung, was Du damit angerichtet hast? Der Anschlag sollte Dir Warnung genug sein. Aber ich werde nicht zulassen, dass Du Trish mit hinein ziehst.“


Trish hatte genug gehört und hatte gerade noch einen Aufschrei verhindern können, als sie ein lautes Klatschen vernahm, das sich wie eine Ohrfeige anhörte. Entsetzt wich sie von der Tür zurück. Die Tränen hatten ihre Wimperntusche verschmiert, während sie sichtbar um Fassung rang.

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LÜGE.

Kyle hatte Recht, mit allem, was er behauptet und gesagt hatte. Anjelica hat mich nach Strich und Faden belogen. Ich soll die Rechnung zahlen, um sie vor dem Gefängnis zu bewahren. War das nicht von Anfang an Kyle‘ s Vermutung gewesen? Und was hatte Carlo damit gemeint, Fabio hätte an mir gehangen? FABIO? Aber woher...? Trish konnte sich darauf einfach keinen Reim bilden. Aber es gab Bilder in ihrem Kopf, die sie nicht zuordnen konnte. Von denen sie nicht wusste, ob sie nur Fantasie waren oder ob sie die wirklich erlebt hatte? Sie war verwirrt und wurde erneut von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Mit klopfendem Herzen rannte sie schließlich in ihr Zimmer hoch. Dort schlug sie schluchzend die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich.

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Auf einmal wurde ihr schmerzhaft bewusst, wie sehr sie Kyle vermisste. Wie kann ich nur mit ihm in Verbindung treten? Ich muss ihn anrufen. Mit zitternden Händen nahm sie ihr Handy in die Hand und tippte Kyle' s Nummer ein, während sie auf die geliebte Stimme wartete. Es klingelte ein paar Mal, ehe ihr Anruf schließlich weg gedrückt wurde. Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit überfielen Trish mit einem Male. Was habe ich denn erwartet, dass er sofort zu mir eilt, wenn er meinen Namen auf dem Display sieht? Es hilft nichts. Ich muss zu ihm fahren und mit ihm persönlich sprechen. Aber was, wenn er mir nicht zuhören will? Nein, ich muss es zumindest versuchen.

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Entschlossen nahm sie den Schleier von ihrem Haar, zog das Brautkleid aus und schlüpfte in ein paar Jeans und einen Pullover. Darüber zog sie ihre dicke Jacke und zog ihre Stiefel an. Trish kramte ihren Laptop hervor und tippte hastig ein paar Zeilen, die sie schnell ausdruckte. Sie las es sich noch einmal kurz durch und gab das Blatt schließlich in ein Kuvert. Falls Kyle nicht mit ihr reden wollte, dann würde sie ihm diesen Brief geben.

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Um kein großes Aufsehen zu erregen, rief sie ein Taxi, das in 10 Minuten an der Ecke warten sollte. Vorsichtig schlich sie sich aus der Tür, in der Hoffnung, niemandem zu begegnen. Im Vorbeigehen hörte sie, dass sich ihre Mutter und Carlo immer noch stritten. Schnell huschte sie am Zimmer vorbei und lief zur Haustür.

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Ihr Herz klopfe bis zum Hals, sie schaute nach links und nach rechts und dann rannte sie los. Völlig außer Atem erreichte sie 5 Minuten später die Ecke, an der sie auf das Taxi wartete.

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Die Fahrt dauerte ungefähr eine dreiviertel Stunde. Wahrscheinlich hatte Carlo ihr Verschwinden bereits bemerkt, vielleicht aber auch nicht. Trish entlohnte den Taxifahrer und begab sich in das hohe Gebäude, das sich vor ihr auftürmte. Schnell ging sie hinein und wählte das 20. Stockwerk. Sie war bislang noch nie bei ihm gewesen und bekam nun doch leichtes Herzklopfen. Hoffentlich würde er sie überhaupt anhören. Sie betätigte die Klingel und wartete. Noch einmal atmete sie tief durch, als sie Schritte hörte und die Tür geöffnet wurde...



Zur gleichen Zeit im Tierheim



Nachdem sie zusammen mit Ben alle Tiere ins Warme gebracht hatten, unterhielten sie sich noch eine Weile mit ihm, der ihnen alles Wissenswerte erklärte. In einem Monat sollte das Tierheim offiziell eröffnet werden. Dann wäre er auch mit der Einrichtung fertig.

Während Sheila ihm noch die eine und andere Frage stellte, nahm Kyle Katie zur Seite und sagte leise: „Ich danke Dir, dass Du uns hierher begleitet hast, Katie.“

„Ach was, das war doch selbstverständlich. So konnte ich mal wieder einen Tag mich Euch Beiden verbringen. Ich habe es Sheila vorhin schon gesagt. Ihr seid jederzeit bei mir herzlich willkommen. Vielleicht könnt Ihr ja einmal zu einem Wochenende kommen und Sheila darf auch gerne ihre Ferien bei mir verbringen. Kyle, ich bin nicht aus der Welt. Ein Anruf genügt und ich komme entweder her oder Du zu mir.“

„Wenn ich Dich nicht hätte, Katie. Ich hätte nicht gewusst, wie ich den heutigen Tag überstanden hätte.“

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„Ich danke Dir für alles. Und besonders, dass Du heute für mich da warst.“

„Schon gut, Kyle. Ich habe es gerne getan und ich konnte auch immer auf Dich zählen. Irgendwann wirst Du darüber hinwegkommen. Vielleicht geht die Ehe ja auch nicht gut. Gib‘ die Hoffnung nicht auf und vergrab‘ Dich nicht in Deinem Kummer. Bitte versprich‘ mir das. Und gib Charly endlich einen Tritt in den Hintern.“

Schmunzelnd umarmte er seine Schwester herzlich. „Ich glaube, letzteres ist nicht so einfach. Ja und vielleicht hast Du Recht und es gibt noch Hoffnung, was Trish betrifft. Wenngleich ich es nicht glaube.“

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„Was ist? Habt Ihr noch Lust, mit zu mir zu kommen? Ich habe Brot, Eier, Käse, Wurst. Wir können aber auch eine Pizza bestellen, wenn Ihr wollt.“

Doch Kyle schüttelte den Kopf. „Das ist sehr lieb von Dir, Katie. Ein anderes Mal recht gerne. Aber Du weißt doch, dass Charly auf uns wartet. Sie hat extra einen Gemüseauflauf gemacht.“

Katie meinte mit leicht ironischen Tonfall: „Ja, den musst Du natürlich essen. Nicht, dass Du sie noch verärgerst. Dann kommt gut nach Hause.“

Während sich Kyle von Ben verabschiedete, meinte Sheila seufzend: „Ich hätte lieber bei Dir gegessen, Tante Katie. Aber den Gemüseauflauf, den Charly extra für uns gemacht hat…“ Seufzend sah sie ihre Tante an und meinte verschwörerisch: „So gut kann sie gar nicht kochen, wie sie immer denkt. Hätte ich kürzlich kein Fett in die Pfanne getan, dann hätte sie die Rühreier ohne Fett gebacken. Oder der Kuchen letztens, den sie mitgebracht hatte. Du, der war so speckig, dass sogar Daddy nichts davon gegessen hatte.“

Katie lachte. „Na und das will etwas heißen.“

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Wenig später verließen sie das Gelände und fuhren zu Katie. Eigentlich hatte Kyle danach gleich nach Hause fahren wollen. Aber dann wurde noch ein wenig geplaudert, Sheila musste noch mit Tante Katie zocken, ehe sie schließlich fast eine Stunde später nach Hause aufbrachen...


Später hatte sich Kyle oft gefragt, was gewesen wäre, wären sie gleich nach Hause gefahren? Vielleicht wäre dann manches anders gekommen. Vielleicht. Oder war es einfach nur Schicksal? Manche Dinge passieren einfach.





Kapitel 89 folgt...

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